
LAMPERTHEIM – Haben Spargel und Äpfel etwas gemeinsam? Ja! Das königliche Gemüse in Form der weißen Spargelstangen kennt frühe und späte Sorten wie es auch bei den Äpfeln ist. Dem Spargel sieht man es nicht an, die frühen sind so lecker wie die späten Stangen. Der Vorteil für alle, die den Spargel mögen: Von Ende März bis Mitte Juni, oft auch bis zum Johannistag am 24. Juni gibt der Spargel dem Leben die geschätzte Leichtigkeit und den Hochgenuss. Denn in Sachen Kalorien ist Spargel sehr sparsam und verträgt sich daher auf dem Teller wunderbar mit Butter, Sauce Hollandaise und vielen weiteren Beigaben wie Schnitzel, Bratwurst oder Schinken. Das weiß natürlich Lina Dörr schon, denn die 21-jährige Thronanwärterin ist langjährige Spargelfreundin, kocht gerne Spargelcremesuppe und Spargel mit Pfannkuchen. Dann freut sich auch die Mama, wenn sie nach der Arbeit heimkommt. Und einst hatten die Großeltern sogar einen eigenen Spargelacker, den gibt es immer noch, wird aber von Gemüsebau Strauß bewirtschaftet. Als zukünftige Lampertheimer Spargelkönigin folgte Lina Dörr am frühen Mittwochmorgen einer Tradition und ließ sich von Philipp Strauß in den Werdegang des Spargels vom Spargelbalken auf dem Feld bis in die Kisten für den Verkauf einweihen. Bereits die amtierende Spargelkönigin Nadine III. hatte diesen Workshop absolviert und ihr Können beim Spargelanstich Ende März bewiesen.
Foto: Hannelore Nowacki
Zur Ausrüstung für den Einsatz auf dem Feld hatte Philipp Strauß einen Korb für die Spargel, Arbeitshandschuhe in der passenden Größe, ein Spargelstechmesser und eine Kelle ins Auto gepackt. Zum Glück weht nur ein frischer Wind, die Regenwolken halten sich zurück. Wo anfangen? Der Spargelexperte hebt die weiße Folie an und erkennt, dass der Spargel hier ans Licht will, kleine Risse in der erdigen Oberfläche zeigen es an. Mit der Hand wird etwas in die Tiefe gegraben und das Stechmesser vorsichtig angesetzt – und zack – sitzt der kraftvolle Schnitt idealerweise in etwa 25 Zentimeter Tiefe und die Stange lässt sich leicht fassen. Ab in den Korb mit dem Spargel, mit der Kelle Erde ins Loch zurückschieben und den Spargelbalken ordentlich glätten. Mal schön dick, mal dünn, der Spargel wächst wie die Natur gerade will, sortiert wird später in der Halle. Der weiße Spargel führt ein Leben tief in der sandigen Erde, von den ausladenden Wurzeln mit Wasser versorgt, wachsen immer neue Spargeltriebe aus der Pflanze nach, besonders schnell bei warmem Wetter. Während eine Stange nach der anderem im Korb landet, taucht Lina Dörr dank der Erklärungen tief ins Wesen des Spargelanbaus ein. Ein ganzes Stück hatte Lina Dörr geschafft – und war geschafft. „Die Finger! Das war ganz schön anstrengend“, sagt sie. In der Halle werden die erdigen Stangen vorgewaschen, dann geht’s weiter ins nächste kalte Bad.
Viele Hände legen die Stangen aufs Förderband, sie werden automatisch auf gleiche Länge gekürzt und am Ende sind sie computergesteuert von Sensoren und Kameras rundum vermessen und gescannt und nehmen perfekt sortiert ihren Weg Richtung Kisten für den Verkauf. Großkunden bekommen auf Wunsch ihren Spargel geschält geliefert, das besorgt die Schälmaschine mit Sensoren und acht Messern. Lina Dörr ist beeindruckt, zum ersten Mal hat sie alle Abläufe erlebt. Lina Dörr strahlt und freut sich: Am 12. Juni wird sie in öffentlicher Feier im Stadthaus inthronisiert, das Kleid ist schon gekauft, die Mama hat ihr ein Ersatzkleid spendiert und ein Hosenanzug von Horlé hängt auch schon im Schrank. Mit ihrem Lehramtsstudium in Heidelberg werde sie alle Termine gut vereinbaren können, sagt sie souverän, alles eine Frage der Kursorganisation. „Und fürs Lernen habe ich eine gute Taktik“, erzählt sie. Noch vier Semester, dann mache sie ihren Bachelor in Englisch und Politikwissenschaft, danach hat sie den Master in Planung.
Hannelore Nowacki
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