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  • Di., 15. Dezember 2020, 08:51 Uhr
    ÖPNV: S-Bahnlinie 9 seit Sonntag von Groß-Rohrheim nach Mannheim unterwegs

    Komfortabler und fünf Minuten schneller 

    Endstation  Groß-Rohrheim – die neue S-Bahn-Linie 9 fährt seit Sonntag von Mannheim nach Groß-Rohrheim, die alte Regionalbahn endete schon in Biblis. Landrat Christian Engelhardt (rechts) hatte die Bürgermeister, den Kreisbeigeordneten Karsten Krug und die Presse zur Fahrt am ersten Tag des S-Bahn-Verkehrs eingeladen. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Sie ist endlich da! Seit Sonntag ist die neue S 9 auf der westlichen Riedbahn im stündlichen Takt im Fahrplan verzeichnet. Die nagelneuen, weitgehend barrierefreien Züge der S-Bahn leuchten in strahlendem Weiß und nehmen es optisch durchaus mit den ICE-Zügen auf. Mit bis zu 160 km/h fahren die Passagiere in den 70 Meter langen Zügen ihrem Ziel entgegen und sparen gegenüber der  bisherigen Regionalbahn ganze fünf Minuten Fahrzeit. Alles ist neu und ansehnlich in diesen dreiteiligen Mireo-Züge von Siemens Mobility, die Fahrgäste dürfen sich über kostenfreies WLAN freuen, Kameras überwachen die Züge. Zu den über 200 Sitzplätzen kommen noch etliche Stehplätze und viel Raum für mitgeführte Fahrräder und Kinderwagen, Rollstühle und  Rollatoren. Komfortabler sind die Züge und sie fahren vom Hauptbahnhof  Mannheim bis zum Bahnhof in Groß-Rohrheim im stündlichen Takt, in den Früh- und Abendstunden häufiger. Bis zum Fahrplanwechsel am vergangenen Sonntag war für die Reisenden in Biblis Schluss. Insgesamt kommen 57 Triebwagen dieses völlig neuen Fahrzeugtyps auf die Schiene, die der Betreiber DB Regio von der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg pachtet. Landrat Christian Engelhardt hatte am Sonntag die Bürgermeister der Riedkommunen entlang der Riedbahn, den hauptamtlichen Kreisbeigeordneten und ÖPNV-Dezernenten Karsten Krug sowie die Presse zu einer gemeinsamen Fahrt von Lampertheim bis zur Endstation Groß-Rohrheim eingeladen. Ein großer Tag war gekommen, doch eine große Feier konnte es wegen der Coronaregeln nicht geben. „Eigentlich müsste hier eine Kapelle stehen und ein rotes Band drapiert sein“, meinte Engelhardt. Stattdessen graues Winterwetter und kein bisschen Feierlichkeit, aber gute Stimmung trotz der vorgeschriebenen Mund-Nasen-Bedeckung und beschlagener Brillengläser. Pünktlich um 11.03 Uhr ging es los. Die gut lesbaren Displays verkündeten den nächsten Halt, eine angenehme Fahrt über Bürstadt, Bobstadt, Biblis nach Groß-Rohrheim und später wieder zurück. Engelhardt versorgte die Teilnehmer mit vertiefender Information, eine lange Geschichte vom Kreistagsbeschluss zur Übernahme von anteiligen Kommunalaufwendungen 2006, über die Vertragsunterzeichnung mit allen Kooperationspartnern im Jahr 2008 für die zweite Ausbaustufe mit einer Vielzahl von Baumaßnahmen entlang der Bahnstrecke Mannheim und der drei Jahre später bewilligten Übernahme der Kostensteigerungen aus der Co-Finanzierung von etwa 100 Prozent durch den Kreistag. 2012 habe der VRN erstmals 2012 eine mögliche Verschiebung des S-Bahn-Ausbaus bis 2018 angekündigt, was der Kreistag damals zurückwies. In den letzten Jahren haben Bund, Land und die Kommunen insgesamt rund 40 Millionen Euro für Planungs- und Baukosten investiert und damit eine nahezu barrierefreie Infrastruktur der Bahnhöfe geschaffen.

    Die Züge der neuen S 9 präsentieren sich in hellen Farben mit moderner Technik und Sitzkomfort. Im Bild: Landrat Christian Engelhardt (von rechts), Bürgermeister Gottfried Störmer, Kreisbeigeordneter Karsten Krug, Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Eberle aus Bürstadt, die Bürgermeister Rainer Bersch und Volker Scheib. Foto: Hannelore Nowacki


    Die Kommunen waren mit 12 Millionen Euro beteiligt. ÖPNV-Dezernent Krug lobte die Erweiterung des Angebots, wies jedoch auf den „kleinen Nachteil“ der Taktung hin, weil S-Bahn und Regional-Express nur etwa 10 Minuten auseinander liegen. In diesen „47 Minuten Luft“ sieht auch der Lampertheimer Bürgermeister Gottfried Störmer eine Aufgabenstellung für die Zukunft, damit der Anschluss an die Buslinien klappt. Die ICE-Neubautrasse könnte Abhilfe schaffen, wenn nicht dem Güterverkehr Vorrang gegeben würde. Dagegen müsse gekämpft werden.  „Einen Riesenschritt nach vorne“ sieht Bürgermeister Rainer Bersch auch für die täglich 800 bis 900 Pendler aus Groß-Rohrheim erreicht. Rampen wären ihm lieber gewesen als die Fahrstühle, erklärte Bersch, das habe die Bahn jedoch abgelehnt. Der Bibliser Bürgermeister Volker Scheib sieht seine Gemeinde mit den Park&Ride-Parkplätzen am Bahnhof in einer Vorzugsstellung, jedoch das äußere Erscheinungsbild des Bahnhofs, besonders in der Unterführung, sei eine tägliche Aufgabe. Eine gute Investition in die Lebensqualität sieht Scheib in der S-Bahnlinie, was der Landrat mit Blick auf den Autoverkehr in Mannheim bestätigte.   Hannelore Nowacki

     
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