VIDEOPRESSEKONFERENZ: Landrat Engelhardt mahnt zu Einhaltung der Hygienemaßnahmen / Zahl der Neuinfektionen stagniert
„Konstanter Wert auf niedrigem Niveau”
Nicht nur beim Einkaufen gilt: Mund- und Nasenschutz sowie die Einhaltung der Abstandsregelungen sind Pflicht. Foto: www.pixabay.com
KREIS BERGSTRASSE – „Wir sind in einer Woche der Lockerung von Verordnungen. Dies bedeutet für uns, dass wir fieberhaft Gespräche führen. Es ist eine echte Herausforderung, unsere Aufgaben bewältigen zu können”, erläuterte Landrat Christian Engelhardt zu Beginn der wöchentlichen Videopressekonferenz am Donnerstag.
„Beginnen möchte ich mit einem Thema, das mir besonders am Herzen liegt: Die Einschränkungen sind angesichts der niedrigen Infektionsrate für viele nicht zu verstehen, aber wir haben diese glücklicherweise niedrigen Zahlen eben genau aufgrund dieser getroffenen Maßnahmen. Wenn man andere Länder betrachtet, sieht man, was passieren kann, wenn entsprechende Maßnahmen nicht getroffen werden. Daher ist es wichtig, sich weiter an die Schutz- und Hygienemaßnahmen zu halten”, betonte Landrat Engelhardt und verwies aus das sogenannte Präventionsparadoxon: „Je erfolgreicher die Maßnahmen sind, desto kritischer werden sie gesehen. Viele Menschen haben Sorge, dass es mit Lockerungen zu schnell geht, vielen geht es aber auch zu langsam. Wir dürfen aber nicht von diesen Maßnahmen abweichen.”
Bezüglich eines Interviews mit Leiter eines Rettungsdienstes in der lokalen Presse, das in dieser Woche veröffentlicht wurde, war es Landrat Engelhardt ein Anliegen, die Aussage „Es wird für Rettungsdienste langsam schwierig zu handeln, da die Zahlen der Infizierten am Ansteigen sind und nicht genügend Schutzkleidung vorhanden ist” richtig zu stellen: „Es ist wichtig, dass die aktuelle Situation dargestellt wird. Wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, ob die Rettungsdienste ihre Aufgaben ausführen können. Die Zahlen der Infizierten sind deutlich zurückgegangen und wir haben dank des Landes Hessen genügend Schutzkleidung.”
Zu den geplanten Öffnung der Kindertagesstätten zum 2. Juni erläuterte Landrat Engelhardt, dass das Land Hessen derzeit einen Plan erarbeite, wie diese Öffnung erfolgen soll. „Das Land wird aber die Verantwortung an die Träger und Einrichtungen vor Ort übergeben müssen. Zwischen 10 und 40 Prozent der Erzieherinnen fehlen je nach Kindertagesstätte, da diese Risikopatienten sind. Und auch die räumlichen Gegebenheiten machen es in manchen Einrichtungen schwierig, Gruppen aufzuteilen. Hier wird es eine Leitplanung des Landes geben und die Träger werden anschließend ein entsprechendes Konzept für einen eingeschränkten Regelbetrieb erarbeiten.”
Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz ergänzte mit Blick auf die Kinderbetreuung, dass die Nachfrage an der Notbetreuung in den letzten Wochen deutlich gestiegen sei. „Mitte April waren 2,2 Prozent der Kinder in der Notbetreuung, seitdem ist die Zahl kontinuierlich von Woche zu Woche gestiegen, so dass in der letzten Woche 10,6 Prozent der Kinder in der Notbetreuung waren.”
Positiv sei die Entwicklung bei den an Corona Infizierten im Kreis: „Wir hatten zu Beginn einen sehr starken Anstieg. Anschließend waren die Zahlen rückläufig und in den letzten Tagen stagniert die Zahl, wobei wir einen konstanten Wert auf niedrigem Niveau haben. Aktuell liegen wir mit 5,9 deutlich unter dem Grenzwert von 50 Neuinfizierten in den letzten sieben Tagen pro 100.000 Einwohnern. Allerdings: Wir schauen bei jedem Infektionsgeschehen im Landkreis genau hin, unabhängig von Grenzwerten und reagieren entsprechend. So haben wir eine weitere Maßnahme ergriffen und ein Softwareprogramm angeschafft, das ganz andere Möglichkeiten zulässt, da es vielfältigere Analysen ermöglicht, mit anderen Parametern. So ist eine noch schnellere Beurteilung und Reaktion möglich.” Besonders beobachtet werde die Situation bei Infizierten in Pflegeeinrichtungen: „Wir haben drei betroffene Bewohner in drei unterschiedlichen Pflegeeinrichtungen, bisher konnten wir glücklicherweise eine Ausbreitung verhindern“, so Diana Stolz.
Der Kreisbeigeordnete Karsten Krug zeigte sich mit Blick auf den ÖPNV optimistisch: „Ab kommenden Montag werden nahezu alle Kommunen, die den Service des Ruftaxi anbieten, zum normalen Ruftaxifahrplan zurückkehren.” Da ab Montag zudem weitaus mehr Schüler in der Schülerbeförderung seien, ist der alte Fahrplan in Umsetzung. „Unter Umständen ist hier mit längeren Wartezeiten zu rechnen, da einige Schulen teilweise ihre Unterrichtszeiten ändern. Wichtig ist, dass die Schüler in den Bussen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.”
Im Bereich der Bußgeldbescheide ist im Vergleich zu Beginn der Festsetzung ein Rückgang an Verstößen zu beobachten, insgesamt gibt es mittlerweile 355 Verfahren, von denen sich zwei Drittel im Anhörungsverfahren befinden. Benjamin Kloos