
LAMPERTHEIM – Das Tor zur Domkirche und zum Reichtum der Lampertheimer Musikszene öffnete sich im Zeittakt des Programms – Menschen strömten aus dem Gotteshaus ins Freie, Wartende eilten hinein und schauten sich nach freien Plätzen um. Nicht immer fand sich ein gemütlicher Sitzplatz in einer Kirchenbank, doch auch die Stehplätze waren genehm. Denn es war Außergewöhnliches geboten bei diesem Konzert unter dem Titel „Open the door – klingender Dom“: Musikerlebnisse mit 26 Gruppen, Orchestern und Chören von 18 Uhr bis 2 Uhr nachts mit 500 Mitwirkenden, nur jeweils kurz unterbrochen vom Publikumswechsel. Wobei viele Zuschauer über Stunden blieben. Wenige Stühle standen auf der Empore zur Verfügung, die im Wechsel mit dem Raum vor dem Altar für Chöre, Bands und Blasorchester zur Bühne wurde. So wurde Zeit gespart, nahezu nahtlos folgte ein Auftritt dem anderen. Auch wenn es häufig schwerfiel, der Applaus sollte aus Zeitgründen erst nach jedem Auftritt erfolgen. Heike Ittmann, Kantorin der Lukasgemeinde und Organisatorin dieses musikalischen Marathons vieler Musikstile, war es gelungen den Reichtum der Lampertheimer Musikszene glänzen zu lassen. Viele Helfer unterstützten den reibungslosen Ablauf, denen Ittmann herzlich dankte, vor allem auch Mitgliedern ihrer beiden Chöre „Mosaik“ und „Dekanatskantorei Ried“.
Foto: Hannelore Nowacki
Einmal am späteren Abend merkte Ittmann an: „Wir sind zwei Minuten in Verzug“. Ein Aufruf, der wirkte. „Der Abend war von einem großen Gemeinschaftsgefühl getragen“, betonte Ittmann gegenüber dem TiP. Und auch die Zuschauer haben ihren Teil dazu beigetragen. Bis zum Schluss gegen 2 Uhr habe sie noch 120 Musikbegeisterte gezählt. Die Reporter des Hessischen Rundfunks seien beeindruckt gewesen von diesem Großereignis. In Gesprächen mit Zuschauern wurde deutlich: Ein solches Konzert wünscht man sich wieder – noch einmal acht Jahre zu warten: nicht vorstellbar. Im Jahr 2018 hieß es unter Regie von Kantorin Heike Ittmann zum ersten Mal: „Open the door – klingender Dom“. Allerdings bedeute die Organisation viel Aufwand neben ihren täglichen Aufgaben, sagt Ittmann. Anlass war diesmal, den Wiederaufbau der Domkirche vor 70 Jahren nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg zu feiern. Unterstützt wurde die Veranstaltung von cultur communal der Stadt Lampertheim und der Musikschule, die mit Bands und ihrem Leiter Joachim Sum als Musiker vertreten war. Bürgermeister Alexander Scholl hatte sie als Schirmherr gewinnen können, der im Wechsel mit Ittmann und Pfarrerin Sauerwein auch die Moderation übernommen hatte. Wann war die Domkirche am vollsten? Ittmann schätzt, dass der Auftritt von Bürgermeister Scholl als Gesangssolist mit dem Stück „Die Rose“ von Amanda McBroom gemeinsam mit seinem Amtsvorgänger Gottfried Störmer am Piano besonders viele Konzertbesucher anlockte. Scholl war bereits am früheren Abend als Gesangssolist beim Katholischen Kirchenchor und Gesangverein Cäcilia Hofheim aufgetreten. Altbürgermeister Störmer brachte außerdem noch die große blaue Vleugels-Orgel mit einem Stück von Johann Sebastian Bach zum Klingen, berührend begleitet von Barbara Mauch-Heinke an der Violine. Vor der Domkirche hatte der Förderverein Domkirche die Bewirtung übernommen, ein Angebot, das bei den Konzertbesuchern gut ankam.
Foto: Hannelore Nowacki
Abwechslungsreiches Programm im Viertelstundentakt
„Herzlich willkommen“, ein Lied von Rolf Zuckowski, schmetterten die Kinder aus zwei Klassen der Schillerschule, weitere fünf Lieder folgten. Nach dem Auftritt der Kinderchöre Crescendo unter Leitung von Thomas Braun, zupfte die Tischharfen-Gruppe der Musikschule sich mit sechs Stücken in die Herzen der Zuschauer. Die inklusive Musikgruppe „Grenzenlos stark“, gegründet in Kooperation von Lebenshilfe und Musikschule, spielte unter das Stück „Freiheit“. Weitere Bands waren Musikschulband „LA4ever and Friends“, „Pace of Life“ und „Second Chance“, die Erwachsenenband der Musikschule. Die „Drowsy Players“ mit Bandleader Daniel Salecich nahmen die Zuschauer mit in die besondere irische Musikwelt, mit leidenschaftlichen Rhythmen. Gesangssolist Dieter Goll faszinierte die Zuhörer mit dem Lied „Wild Mountain Thyme“, das im Programmheft abgedruckt war, um den Refrain mitsingen zu können. Weitere Chöre bereicherten das Programm: Der Singkreis 60+ der Lukasgemeinde, der Männerchor MGV 1840, die Musikergruppe Volksliedersingen, das Männerensemble und der Chor Joyful, beide unter Leitung von Elisabeth Seidl; die Chöre Ephata und Ephata juniors unter Leitung von Maria Karb, Swinging Rose und Männerchor Cäcilia/Sängerrose Lampertheim mit Chorleiter Frank Aiglstorfer, die Dekanatskantorei Ried und Chor Mosaik unter Leitung von Heike Ittmann und der Frauenchor Chorisma, geleitet von Dr. Elke Voelker.
Zu den Blechbläsern und Blasorchestern gehörten der Evangelische Posaunenchor Lampertheim, der Evangelische Posaunenchor Hofheim/Ried 1912 und der Katholische Musikverein Lampertheim. Gegen Mitternacht unterhielten Helmut Wehe und Siggi Groß das Publikum mit Stücken von Simon & Garfunkel, „My Sweet Lord“ von George Harrison und „Imagine“ von John Lennon. Tief in der Nacht gegen zwei Uhr setzte die „cross-over Band“ mit Joachim Sum (Gitarren), Frank Willi Schmidt (Bass), Hans-Jürgen Götz (Drums) und Heike Ittmann an der Orgel zum Energie geladenen musikalischen Finale an, das die Nacht noch einmal zum Leuchten brachte.
Hannelore Nowacki
Mehr Bildimpressionen entnehmen Sie bitte der Bildergalerie unter https://tip-suedhessen.de/impressionen-vom-klingenden-dom-open-the-door-in-lampertheim-am-25-september
Beitrag aus der Rubrik