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Fr., 03. Juli 2015, 11:41 Uhr
Integration durch Sport – Vereine sind aufgerufen sich zu beteiligen
Koordinierungsausschuss Flüchtlinge setzt auf Sport und deutsche Sprache
Der Koordinierungsausschuss Flüchtlinge Lampertheim wurde von Bürgermeister Gottfried Störmer ins Leben gerufen. Vorsitzender Kurt Stass (stehend), Horst Schmitt von der Stadtverwaltung sowie die beiden Sportkoordinatoren Marius Schmidt (links) und David Westerheide (rechts) bewältigen vielfältige Aufgaben und hoffen auf weitere Unterstützung durch Bürger und Vereine. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Sport verbindet – eine Erkenntnis, die der Koordinierungsausschuss Flüchtlinge mit seinem neuen Konzept mit Hilfe der Lampertheimer Vereine umsetzen will. Wie können Flüchtlinge leichter integriert werden, damit keine Parallelgesellschaften entstehen? Eine Frage, die den ehrenamtlichen Unterstützern auf den Nägeln brennt, denn weitere Neuankömmlinge werden in Lampertheim erwartet, bis Ende nächsten Jahres können es insgesamt über 400 Flüchtlinge sein, die in Lampertheim leben. Mit einem Anschreiben an alle Lampertheimer Sportvereine hat der Koordinierungsausschuss einen Fragebogen verschickt, um zu erfahren, wie die Vereine Flüchtlinge integrieren können, welche Sportarten und welche Zeiten in Frage kommen. Zu seiner Sitzung am Donnerstagabend hatte der Koordinierungsausschuss die Sportvereine eingeladen. Gekommen waren Vertreter von AS Azzurri, vom FC Waldhorn, VfB, SG Hüttenfeld und TV Lampertheim, vom Badminton-Verein BV Lampertheim sowie vom Odenwald-Klub und Boxclub, der in seinen beiden Abteilungen Boxtraining und Fitnesstraining anbietet. Einige Vereine engagieren sich bereits mit sportbegeisterten Flüchtlingen, andere wollen jetzt aktiv werden. Beim TV Lampertheim gibt es seit einem halben Jahr eine 18- bis 20-köpfige Flüchtlingsmannschaft bei den Kickern, andere Vereine machen gute Erfahrungen mit gemischten Teams. Beim FC Waldhorn und anderen Vereinen beteiligen sich die Flüchtlinge an den verschiedenen Festen und geselligen Treffen, eine gute Gelegenheit weitere Kontakte außerhalb des Flüchtlingsmilieus zu knüpfen und die deutsche Sprache zu erlernen. Beim FC Waldhorn ist sogar Deutschunterricht geboten, den Michaela Fleischhauer ehrenamtlich übernommen hat. Die SG Hüttenfeld hat noch keine Erfahrung mit Flüchtlingen, aber Ideen, in welchen Sportarten die Flüchtlinge aktiv werden könnten, wie Fußball, Badminton oder beim Volleyball. Kurt Stass, Vorsitzender des Koordinierungsausschusses, teilte mit, dass sowohl die trainierenden Flüchtlinge als auch die ehrenamtlichen Helfer über den Landessportbund kostenfrei versichert sind – auf dem Hin- und Rückweg und während des Trainings. Voraussetzung ist der Eintrag in eine Liste, die beim Koordinierungsausschuss geführt wird. Auch wird der Koordinationsausschuss die sportwilligen Flüchtlinge interviewen, um sie dann an den passenden Verein vermitteln zu können. Nach dem Prinzip, die vielen Aufgaben auf viele Schultern zu verteilen, hat der Koordinationsausschuss mit Marius Schmidt und David Westerheide nun auch zwei Sportkoordinatoren. Ansprechpartner für Flüchtlingsfragen bei der Stadtverwaltung ist Horst Schmitt. Viele Sportarten erfordern eine Erstausstattung an Bekleidung und Schuhen, auch dürfen die Hallen nicht mit Straßenschuhen betreten werden. Kurt Stass regt an, die Vereinsmitglieder zu bitten, in ihren eigenen Beständen nach gut erhaltenen Sachen zu schauen und diese dann zu spenden. Integration läuft über soziale Kontakte und die deutsche Sprache – der Sport bietet hierfür ideale Voraussetzungen. Kurt Stass hofft, dass noch weitere Vereine „auf diesen Zug aufspringen“. Auch Paten für den Alltag werden noch gesucht, die keine Fremdsprache können müssen, denn die Flüchtlinge sollen ja in der deutschen Umgangssprache fit werden, betonte Stass. Darüber hinaus komme es auf die Vermittlung von Werten und Kenntnissen an, damit die Flüchtlinge erfahren, wie die Gesellschaft hier funktioniert. Hannelore Nowacki