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  • Do., 14. November 2024, 10:20 Uhr
    FÜR GEORGIA & JULIUS: Sackschdoahogger organisierten 1. Fastnachtsspendenlauf in Bürstadt / 300 Runden absolviert

    Kostümiert ums Rathaus gelaufen um Kindern zu helfen

    Eine gelungene Aktion für einen guten Zweck! Georgia und Julius mit den Protagonisten des 1. Fastnachtsspendenlaufs in Bürstadt.
    Foto: Hannelore Nowacki

    BÜRSTADT – Einen Tag vor Beginn der neuen Fastnachtskampagne waren die Sackschdoahogger am Sonntagmorgen bereits hochaktiv, doch ging es nicht um die lustige Narretei, der Fastnachtsclub hatte ein neues soziales Spendenprojekt mit Unterstützung von Athletes for Charity und der Stadt Bürstadt organisiert, das weit über hundert teilnehmende Läufer in bester Stimmung auf die Beine brachte. Für mehr Lebensqualität werden zwei schwerkranke Kinder mit den Spenden unterstützt: Der vierjährige Julius Schwarz und die elfjährige Georgia Imhof, die beide im Rollstuhl sitzen, waren mit ihren Eltern gekommen. Der TIP berichtete. Zu den Regularien gehörte, dass nicht nur laufen und rennen zählte, auch das ganz normale Gehen war gefragt. Auf einem Rundkurs um Rathaus und Bürgerhaus durch die alla-hopp-Anlage und den Bürgerhauspark liefen viele Teilnehmer auf Anregung der Fastnachter in Kostümierungen, andere nahmen die sportliche Herausforderung in windschnittiger Sportkleidung an. 

    Die schönsten Kostüme wurden mit gestifteten Preisen prämiert. Im Bild sind die am Sonntag noch amtierende Stadtprinzessin Annalena I., Sackschdoahogger-Vorsitzende Julia Scheffler mit den Preisträgern.
    Foto: oh

     

    Mit jeder gelaufenen Runde wuchs das Spendenaufkommen, am Kontrollpunkt vergaben die Streckenposten Armbänder. Alle Läufer sollten einen Sponsor haben, wer ohne Sponsor antrat, dem half die Stiftung Athletes for Charity pro gelaufener Runde mit zwei Euro für das Spendenkonto aus. Mitglieder des Fördervereins von Bundeswehrangehörigen „Stab Division Schnelle Kräfte“ waren zum Mitlaufen mit einer 200-Euro-Spende angereist. Außerdem überreichte der Vorsitzende Martin Würz Bürgermeisterin Barbara Schader eine gelbe Solidaritätsschleife im schweren Großformat, die einen Platz an der Rathauswand bekommen soll. Überall leuchteten die grünen Jacken der Sackschdoahogger – die über 50 Mitglieder waren bei der Laufkartenvergabe, am Getränkewagen und als Streckenposten eingeteilt. Der Verein zählt insgesamt 160 Mitglieder. Nachdem die Vereinsvorsitzende Julia Scheffler und die am Sonntag noch amtierende Stadtprinzessin Annalena I. zur Zuschauermenge gesprochen hatten, gingen die Läufer pünktlich zur närrischen Uhrzeit um 11.11 Uhr an den Start. Eine große Strecke mit 600 Metern, eine kleine Strecke für Kinder mit 150 Metern und eine Rollstuhlstrecke waren eingerichtet, doch schnell zeigte sich, dass die Rolli-Fahrer die große Strecke bevorzugten. 

    Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehren Bürstadt/Hofheim bot zunächst ein Platzkonzert, dann gingen die Musiker musizierend auf den Rundkurs. Vereine, Firmenbelegschaften und Privatpersonen nahmen die Strecke unter die Füße. Helfer des DRK-Ortsverbandes standen im Rathaus für die Erste Hilfe bereit. Die Läuferbilanz steht fest: Insgesamt wurden 300 Runden gelaufen. Ein Tisch voller Gewinne stand bereit für die Sieger und Prämierungen. Platz 1 erlief sich mit 70 Runden Chris Deubel, der von Bürstadt Furniture gesponsert wurde. Annita Hofmann kam mit 61 Runden auf Platz 2 und der von EDEKA Krebs gesponserte Dominik Streuwald erreichte Platz 3 mit 58 Runden. Prämiert wurden die schönsten Kostüme bei Kindern und Erwachsenen. Marco Steffan von der Stiftung Athletes for Charity, mit Partnerin als Dinos unterwegs, kam auf Platz 1, Platz 2 belegte ein Wolf, der ein Schaf als Partnerin hatte, auf Platz 3 kam der Esel. Zur Stärkung waren Fleischkäsebrötchen, Wiener Würstchen, frisch gebackene Waffeln, Kuchen und Brezeln im Angebot. 

    Spaß mit sportlichen und fastnachtlichen Akzenten brachte der 1. Fastnachtsspendenlauf den zahlreichen Mitläufern.
    Foto: Hannelore Nowacki

    Hilfe für Georgia und Julius

    Beim Gruppenfoto mit den Organisatoren des Fastnachtsspendenlaufs und Bürgermeisterin Schader gemeinsam mit Julius und Georgia mit den Eltern waren die beiden kranken Kinder ganz aufmerksam. Im Alltag haben es die beiden nicht leicht. Doch sie haben Eltern, die positiv in die Zukunft schauen. Georgias Mama Michelle Imhof erzählt, wie dramatisch es sechs Monate nach der Geburt weiterging, nachdem vorher alles normal gewesen war. Mit einem Fieberkrampf kam das Kind ins Krankenhaus, ein Antiepileptikum wurde ihr gegeben, eine frühkindliche Epilepsie sollte es sein. Die Tabletten hätten alles verschlimmert, nach einem Jahr waren Muskeln verkümmert, sie konnte sich nicht mehr bewegen, sie wechselte in eine andere Klinik. Noch vor einem Jahr konnte sie laufen, mit dreieinhalb Jahren hatte sie es gelernt. Sie geht in die Seebergschule in Bensheim, wird im Unterricht betreut und braucht eine Schulbegleitung. Doch Georgia spricht nicht, „non-verbal“ sage man, und sie ist auf den Rollstuhl angewiesen. „Aber sie spricht mit den Augen und dem Körper“. Eine Delphin-Therapie in der Türkei würden Tim und Michelle Imhof gerne mit Georgia als Familie machen, darauf sparen sie. Das sei günstiger als in Florida. Auch ein hilfreiches Galileo-Board zur Muskelanregung würden sie gerne anschaffen, wie bereits in der Physiotherapie erprobt. Die nächste Spezialpraxis sei weiter weg. Eine Reha-Therapie in der Slowakei mit fünf Stunden Training täglich habe schon nach sechs Tagen viel gebracht. Zu Marco Steffan habe sie schon länger Kontakt. Ein Rollrad und ein Lastenfahrrad haben sie bekommen, das sie wieder an die Stiftung zurückgegeben habe, nachdem Georgia größer wurde. 

    Julius kam mit einem offenen Rücken auf die Welt, das sei in der Schwangerschaft unerkannt geblieben. Sein Rücken wurde zwar operativ gleich 48 Stunden nach der Geburt geschlossen, doch seitdem ist Julius ab dem Bauchnabel gelähmt. „Kognitiv ist er top fit“, freut sich seine Mama. Aber das Kleinhirn fehlt, mit Folgen: Im Schlaf muss er beatmet werden und die Hände sind motorisch betroffen. Seit drei Monaten besucht er den Schulkindergarten in Mannheim, der an die Martinschule angeschlossen ist und nimmt einmal in der Woche am Schulunterricht teil. „Er hat uns einen ganz neuen Blick auf die Welt geschenkt“, sagt Michelle Imhof, „wir machen das Beste draus“. Zurzeit ist die Sozialpädagogin in Elternzeit, das Geschwisterkind ist acht Monate. 

    Hannelore Nowacki

     

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