Stadtverwaltung betont Bedeutung als reines Verwaltungslogo / Viele Bürger sehen keinen Bezug zu Lampertheim
Kritik an neuem Stadtlogo reißt nicht ab
Zu blass, zu wenig Bezug zu Lampertheim?: Die Kritik am neuen Logo der Stadt reißt nicht ab. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Es schlägt derzeit hohe Wellen: Das neue Logo der Stadt Lampertheim. Dieses besteht aus drei Symbolen auf weißem Grund und dem großen Schriftzug „Stadt Lampertheim“, gepaart mit der Aussage „Natürlich mittendrin“. Grün stehe für den Wald und die Natur, den Biedensand und die Spargelbalken, das gelbe Symbol in Form eines „L“ zeige wie die Gemarkung liegt - oben Hüttenfeld. Blau stehe für das Wasser, den Rhein und Altrhein, so hieß es bei der offiziellen Vorstellung des Logos. Das Logo stelle Spargelfelder, Natur Wald und den Rhein dar, Gelb die Dynamik. Doch offenbar erkennen sich viele Lampertheimer, sei es aus der Kernstadt oder den Stadtteilen, im neuen Logo nicht wieder – nicht nur bei Facebook, auch auf der Straße kam es in den letzten Tagen und Wochen immer wieder zu Kritik, die der Redaktion des TIP immer wieder auch in persönlichen Gesprächen mitgeteilt wurde.
Viele Bürger betonen hierbei, dass sie Lampertheim lieben – denn es ist ihre Heimat, mit all seinen Stärken und Schwächen – aber dass sie sich mit dem Logo nicht identifizieren können, da sie hierin keinerlei Bezug zu Lampertheim sehen.
Mangelnde Bürgerbeteiligung?
Besonders dass die Stadtverwaltung Lampertheim, die sich die Bürgerfreundlichkeit und die aktive Bürgerbeteiligung auf die Fahne geschrieben hat, eben eine solche nicht ermöglichte, kam nicht gut an. Bei der Wahl zum Logo des Stadtumbaus hatten die Lampertheimer noch ein Mitspracherecht – aber ausgerechnet bei einem so wichtigen und sensiblen Bereich wie dem Stadtlogo wurde dies nicht ermöglich, so die Kritik weiter.
„Wir haben uns im Vorfeld der Einführung viele Gedanken über die Art und Weise gemacht. Und natürlich hat hier auch eine Bürgerbefragung ein Thema gespielt. Allerdings haben wir uns bei diesem Prozess immer wieder hervorgerufen, für wen das Logo gedacht ist. Und das ist die Stadtverwaltung. Somit war der Prozess nicht vergleichbar mit dem Stadtumbauprozess und eine Bürgerbefragung wurde dadurch ausgeschlossen”, so die Stadtverwaltung auf Nachfrage des TIP. „Wie viele andere Städte auch, wollten wir ein Logo für die Verwaltung, um auch die inflationäre Nutzung des Wappens zurückzufahren. Wir nehmen also niemandem etwas weg, sondern möchten lediglich der Verwaltung mit dieser Maßnahme ein einheitliches Erscheinungsbild geben. Das Wappen ist und wird auch weiterhin das Symbol für Lampertheim bleiben!” Zudem habe die Verwaltung „in vielen persönlichen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern aber auch mit Gewerbetreibenden durchweg positives Feedback bekommen. Wir wissen aber auch, dass ein neues Logo nicht jedem gefällt, da es immer auch um individuelle Geschmäcker geht.”
Lampertheimer Farben fehlen
Viele Bürger vermissen auch die typischen Lampertheimer Farben rot und weiß. Während weiß zumindest im Hintergrund auftaucht, ist die rote Farbe überhaupt nicht wieder zu finden. Stattdessen seien Farben gewählt worden, die mit der Spargelstadt in keinerlei Verbindung stehen würden – wie etwa Blau. Hier verweist die Stadtverwaltung darauf, dass in den Überlegungen für das neue Logo die Attribute „Spargel“, „Wald/Natur“ und „Rhein/Altrhein“ eine große Rolle gespielt hätten. „Dass man für ein Gewässer die Farbe Blau und für einen Wald bzw. die Natur die Farbe Grün nimmt, ist naheliegend. Der Gelbton im L soll für die Sandböden stehen, die für den Spargel extrem wichtig und gut sind und in unserer Gemarkung vorkommen. Schaut man sich die Logos der Vergangenheit an, so hat die Farbe Rot noch nie eine Rolle gespielt. Aber auch hier wollen wir den Bürgern die Angst nehmen: Genau wie beim Wappen, werden die Farben Rot und Weiß immer für Lampertheim stehen. Daran wird sich auch durch das neue Logo nichts ändern. Es muss sich an der Lambadder Kerwe niemand eine Fahne mit dem neuen Logo an die Fenster hängen”, so die Verwaltung auf Frage zu den fehlenden Lampertheimer Farben.
Kritik kommt auch aus den Stadtteilen, die sich im neuen Logo in kleinster Art und Weise repräsentiert sehen – auch wenn das gelbe L nicht nur für Lampertheim stehen, sondern auch die Gemarkung von Hofheim über Rosengarten und Lampertheim bis Neuschloß und Hüttenfeld widerspiegeln soll.
Zudem sehen viele Bürger die durch die Neuaufstellung des Stadtmarketings sowie den geplanten Stadtumbau angefachte Aufbruchstimmung bereits wieder zumindest stark gefährdet, da die identifikationsstiftenden Elemente wie ein gelungenes Stadtlogo nicht gegeben sind und so diesem Prozess eher schaden als nützen würden.
Humorvolle Alternative
Auch an der Aussage „Natürlich mittendrin” wurde Kritik geäußert. So sei beispielsweise „Lampertheim am Rhein” wesentlich aussagekräftiger und identitätsstiftender als die nun gewählte Aussage, die beliebig für jede Stadt oder Gemeinde verwendbar wäre. Der ein oder andere konnte sich in diesem Zusammenhang einen Seitenhieb auf das benachbarte Bürstadt nicht verkneifen – aber selbst das Logo „Bürgerstadt mit Herz”, das ebenfalls überall Anwendung finden könnte, kam besser an als das eigene neue Lampertheimer Logo. Auf Facebook kursiert mittlerweile ein alternatives Logo, welches jedoch stark an das Logo eines Softdrinks angelehnt ist – vielen gefällt dies jedoch besser, vor allem weil hier die Lampertheimer Farben Rot und Weiß für Identifikation sorgen, und auch der Dom als Wahrzeichen sowie das Wappen der Stadt hier ihren Eingang gefunden haben.
Es sei richtig und wichtig, dass sich Bürgerinnen und Bürger zu Wort melden, wenn ihnen in ihrer Stadt etwas nicht gefällt, ergänzte die Stadtverwaltung auf TIP-Nachfrage. „Daher wünschen wir uns, dass solche Diskussionen auch bei anderen und auch wichtigeren Themen stattfinden. Wir nehmen die Kritik am Logo, die bis auf wenige Ausnahmen sehr sachlich verlaufen ist, auf jeden Fall auf. Aber auch auf die Gefahr hin sich zu wiederholen, handelt es sich dabei rein um das Logo der Stadtverwaltung. Somit macht die Diskussion ab dem Punkt nur noch wenig Sinn, ab dem es keine neuen Argumente mehr dafür oder dagegen gibt.” Nichtsdestotrotz fühlen sich viele Lampertheimer hier übergangen und betonen, dass es das Logo ihrer Stadt ist, das nach außen wirkt und dass dieses nichts mit Lampertheim zu tun habe – auch wenn es „nur” ein Verwaltungslogo sei. Benjamin Kloos
Kommentar zum neuen Stadtlogo von Benjamin Kloos
Chance zur aktiven Bürgerbeteiligung vertan
Wie bei allen Entscheidungen gibt es Menschen, die diese gut finden und Menschen, die dieses kritisieren – so auch beim neuen Stadtlogo in Lampertheim. Doch auch wenn die Stadtverwaltung sich darauf beruft, dass es sich um ein reines „Verwaltungslogo” handelt und die Verwaltung zudem viele positive Rückmeldungen durch Bürger zum neuen Logo bekam, muss sich die Stadtspitze hier auch Kritik gefallen lassen. Denn natürlich ist es das Recht der Stadtverwaltung, ein neues Logo zu kreieren und dieses zu präsentieren – aber gerade wenn man sich als bürgerfreundliche Stadt sieht, der das Engagement der Bürger wichtig ist und die diese nicht nur im Rahmen des Bürgerhaushaltes bei wichtigen Entscheidungen aktiv mit einbeziehen will, ist eine Nichteinbeziehung der Bürger in diesem Fall äußerst ungeschickt. Ebenso übrigens wie eine öffentlichkeitswirksame Präsentation, wenn es sich doch „nur” um ein reines Verwaltungslogo handelt. Der Verweis darauf, dass die Bürger beim Logo zum Stadtumbau Mitspracherecht hatten und dieses kaum nutzten, kann hier nicht gelten. Denn das Logo für ein Projekt kann keineswegs mit einem Logo verglichen werden, mit dem sich die Menschen in Lampertheim und den Stadtteilen dauerhaft identifizieren sollen. Und auch dass es ein reines Verwaltungslogo ist, muss in diesem Fall als untergeordnet betrachtet werden, denn das Logo prangt als Aushängeschild auf der Internetseite und den Briefbögen der Stadt Lampertheim und ist somit ein identifikationsstiftendes Element. Und ja, es gibt mit Sicherheit dringlichere Themen, aber wer in Lampertheim lebt und seine Heimatstadt liebt, für den ist eben auch das neue Logo von großer Bedeutung. Hier hätte, bei allem Respekt und den teilweise sicher auch positiven Rückmeldungen, etwas mehr Fingerspitzengefühl gut getan. So hätte man wirklich ein Zeichen der Bürgerfreundlichkeit und der aktiven Bürgerbeteiligung setzen können – auch wenn es sich um ein reines Verwaltungslogo handelt.