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  • Di., 05. November 2019, 08:53 Uhr
    Kulturpreis 2019 an Musikschulleiter Joachim Sum verliehen

    „Kultur, ohne anstrengend zu wirken, zu den Menschen bringen“

    Joachim Sum erhielt den Kulturpreis 2019 der Stadt Lampertheim aus der Hand von Gottlieb Ohl, Vorsitzender der Kulturkommission und Stadtrat. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Im voll besetzten Foyer der Hans-Pfeiffer-Halle hatten die Besucher am späten Sonntagnachmittag ein besonderes Vergnügen vor sich. Joachim Sum wurde der Kulturpreis 2019 der Stadt Lampertheim verliehen, nachdem sich die Kulturkommission unter acht Vorschlägen für ihn entschieden hatte. Vor einem Jahr wurde der Kulturpreis erstmals verliehen. Der Preis besteht aus einer Prämie von 2.000 Euro und einer Siegertrophäe. Preisträgerin war Kantorin Heike Ittmann. Zur Begrüßung sprach Bürgermeister Gottfried Störmer, der Kunst und Kultur für eine Kommune für unverzichtbar hält und Joachim Sum für sein Wirken würdigte, der den musikalischen Grundstein bei vielen Musikern in der Stadt gelegt hat. Gottlieb Ohl, Vorsitzender der Kulturkommission, betonte, dass der Kulturpreis eine Auszeichnung sei, die höchste Anforderungen an die Bewerber und Vorgeschlagenen enthalte. Den Kulturpreis „in Anerkennung Ihrer herausragenden künstlerischen Leistung“ in Form einer acht Kilogramm schweren Skulptur des Künstlers und Stadtrats Bernd Hossner überreichte Ohl, während Bürgermeister Störmer die Urkunde verlas und dem Preisträger überreichte. Musik spielte bei der Verleihung des Lampertheimer Kulturpreises 2019 eine tragende, unterhaltsame Rolle, denn der Preisträger Joachim Sum ist vielseitiger Musiker und Künstler, der mit und für die Musik lebt und die Menschen für Musik zu begeistern weiß. Im Jahr 1993 zog es ihn nach Lampertheim, um an der Musikschule zu unterrichten. 2006 wurde er deren Leiter mit Ausstrahlung seines Wirkens in so ziemlich alle Bereiche des städtischen gesellschaftlichen Lebens hinein. Seine kreativen Fähigkeiten und seine geerdete Haltung, sein pädagogisches Geschick, sein kultivierter Witz und Humor, sein soziales Engagement prägen sein Wirken und seine Wirkung bei den Menschen. An der Musikhochschule Heidelberg/Mannheim hat der heute 61-jährige Joachim Sum klassische Gitarre studiert. Ebenso leidenschaftlich widmete er sich historischen Instrumenten wie der Laute, das alpenländische Hackbrett hat er sich selbst erarbeitet. Der Liebe zum Jazz und Rock-Jazz ist Sum treu geblieben, zu dessen großen Idolen die Rolling Stones gehören. Ihm ist der Aufbau des Musiktherapie-Fachbereichs an der Musikschule zu verdanken, die Gründung von Bands und Projekten hat er initiiert. In Zusammenarbeit mit Cultur Communal entstand an einem Freiwilligentag der Schlagerchor mit Band, der durch die Seniorenheime tourt und bei der Preisverleihung mit dem Oldie „Dschingiskhan“ nicht nur den Preisträger begeisterte. Heißen Rock brachte die reife Erwachsenenband „Second Chance“ mit. Für zwei besonders attraktive Ereignisse in der Musiklandschaft zeichnet Sum verantwortlich – das Lichterfest im Stadtpark in Kooperation mit der Stadt Lampertheim und die neuere Konzertreihe „Tach, Herr Bach“, einer Mischung aus Musik, Wein, leckeren Kleinigkeiten und Sums witziger Moderation, die sogar bei völliger Sinnfreiheit zum Lachen anregt. Sum will die Menschen dort begeistern, wo sie ansprechbar sind, praktisch überall, um so „Kultur, ohne anstrengend zu wirken, zu den Menschen zu bringen“. So komprimierte  Laudator Walter Renneisen Sums Wirken in einem Satz, nachdem er dem Publikum eine schier unendliche Geschichte von Kindheit an nahebrachte, mit Aktivitäten, Erfolgen und Kooperationen des Preisträgers über Jahrzehnte. Und dies auf seine temperamentvolle, unterhaltsame Art, die dem Preisträger und dem Publikum gefiel. Damit war eine Sorge vom Tisch, die Sum nach eigenem Bekunden zunächst geplagt hatte, nachdem er vom beschlossenen Ehrenerweis der Kulturkommission erfahren hatte – die Preisverleihung könnte eine trockene Angelegenheit werden. Nach einem Anruf bei Walter Renneisen, der sich seiner Aufgabe als Laudator gerne stellte, wusste Sum, dass er die Lösung an seiner Seite hatte. Renneisen, musizierender Schauspieler und Kabarettist, der bei Gelegenheit auch mit seinem hessischen Zungenschlag brilliert, und Sum wollten noch mehr. Sum mit seiner Mundharmonika und der trompetende Renneisen boten dem Publikum eine einzigartige Kostprobe kreativer Improvisation.

    Joachim Sum (links) und Laudator Walter Renneisen hatten gemeinsam eine Menge Spaß beim Improvisieren mit Mundharmonika und Trompete. Foto: Hannelore Nowacki


    In seiner Dankesrede sprach Sum allen seinen Dank aus, einer langen Reihe von Menschen bis hin zu seinen Eltern und seiner Lebenspartnerin. Zur feierlichen Eröffnung bot Pianistin Ju-Hee Oh, Lehrerin an der Musikschule, einen klassischen Musikbeitrag, später kam Anja Leonbacher an der Klarinette dazu. Zum Abschluss musizierte das von Sum in den 90er Jahren gegründete Trio TGV (Trio à grande vitesse) mit Sum, Cathrin Ambach und Jochen Seiterle. In seinem Grußwort wies Dr. Hans-Joachim Riess, Amtsvorgänger Sums und Geschäftsführer des Verbandes der Musikschulen Hessen, auf die musikalische Breitenarbeit und professionell musikalische Ausrichtung Sums hin, mit  Kultur als Motor für die gesellschaftliche Weiterentwicklung. „Wir sind stolz auf dich“, sagte er im Namen der Kollegen. Von Dr. Nikolaus Selzer, Vorsitzender des Trägervereins der Musikschule, war eine sehr persönliche Wertschätzung Sums zu hören: „Er ist sehr bescheiden geblieben, er ist ein Teamplayer, mit einer unaufdringlichen Art – es macht Spaß im Vorstand mit ihm zusammenzuarbeiten“. Was gar nicht selbstverständlich sei, Sum mache nebenbei die Verwaltungsarbeit für die Musikschule mit 30 Lehrkräften und über tausend Schülern und organisiere zwei Großveranstaltungen. Hannelore Nowacki

     

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