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Mi., 07. August 2019, 09:57 Uhr
CDU-Sommertour traf Landrat Engelhardt an der Altrheinhalle
Kulturhalle im Campus Biedensand mit Synergieeffekten?
Bei der CDU-Sommertour war Landrat Christian Engelhardt (5. von rechts) eingeladen zum Stand der Planungen für den Campus Biedensand zu sprechen. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Zum Treffen mit Landrat Christian Engelhardt im Rahmen derCDU-Sommertour mit Mitgliedern und interessierten Bürgern hatte der Stadtverband der CDU den Parkplatz an der Altrheinhalle ausgewählt, ein neuralgischer Punkt in den Diskussionen der vergangenen Monate. Denn nach den Plänen des Kreises Bergstraße für den Neubau des Lessing-Gymnasiums und der Alfred-Delp-Schule soll als erstes Gebäude die Altrheinhalle abgerissen werden. An ihrer Stelle soll ein Schulgebäude für das Lessing-Gymnasium erbaut und sofort bezogen werden. Sportvereine fürchten daher um ihre Trainingsmöglichkeiten. Erwartet wurde der Landrat von einer großen Gruppe, die seinen Ausführungen aufmerksam folgte. In der anschließenden Diskussion ging es vor allem um die Frage der Kosten der Stadt Lampertheim für eine mit den Schulen gemeinsam genutzte Kulturhalle, deren Standort von der CDU-Fraktion im Stadtparlament auf dem Campus Biedensand favorisiert wird. Landrat Engelhardt stellte in dieser Kostenfrage klar, dass die Schulen keine Doppelversorgung mit eigener Aula und einer Kulturhalle brauchen. Bei Nutzung der Kulturhalle durch die Stadt Lampertheim und die Schulen müssten die Kosten anteilig verrechnet werden. Allerdings würden bereits beim Bau der Kulturhalle mit Funktionsräumen die Kosten von etwa 10 auf 18,5 Millionen Euro hochtreiben. CDU-FraktionsvorsitzenderEdwin Stöwesand begrüßte den Landrat und die große Runde mit über zwanzig Mitgliedern, Mandatsträgern als politische Entscheidungsträger und Interessierten. Das Programm war in einem kurzen Satz des Fraktionsvorsitzenden umrissen: „Der Landrat soll erklären, wie weit der Stand Biedensand Campus ist“. In seiner ausführlichen Stellungnahme ging Engelhardt bis zur vorgeschalteten Phase 0 der Planungen zurück und erläuterte das vollkommen neue Baukonzept, das von einem völlig neu gedachten pädagogischen Konzept abgeleitet wurde. Im Schulbauprogramm des Kreises Bergstraße seien seit 2000 etwa 400 Millionen Euro investiert worden – das sei aber nur für ein Drittel der Schulen aufgewendet worden: „Der größte Teil liegt noch vor uns“. Außerdem seien auch die Grundschulen nach dem Schulentwicklungsplan zu klein. Obwohl der aktuelle Schulentwicklungsplan aus dem Jahr 2015 noch laufe, müsse ein neuer aufgestellt werden. Das Wachstum der Neubaugebiete müsse berücksichtigt werden, auch soll nicht die Bauweise, sondern die Bildung im Vordergrund stehen, einschließlich von Themen wie Inklusion und Schulsozialarbeit. „Die Zukunft mitdenken“ sei der Plan und neue Schulentwicklungen ermöglichen, „die wir noch gar nicht kennen“. Dies sei ein Novum. Das Wissen der Elternschaft werde in angebotenen Workshops berücksichtigt, es gebe Bürgerbefragungen im Herbst. Das Lessing-Gymnasium werde mit sieben Zügen deutlich größer werden. Ein Jahr sei für zwei pädagogische Raumfunktionsbücher die Pädagogik neu gedacht worden. „Das ist sehr gut gelungen“, urteilte Engelhardt und dankte den beteiligten Lehrern, Schulleitungen und Schülern. Auch für den Außenbereich soll ein solches Konzept erarbeitet werden, wobei viele Außenbereiche in der Verantwortung der Stadt Lampertheim lägen. Mit Blick auf den Stadtumbau gehe es bei gemeinsamen öffentlichen Flächen zum Beispiel um den Weg zum Altrhein und die Frage, ob es bei einer Kulturhalle mit 700 Plätzen für Besucher und eine Küche für die Bewirtung im Foyer eine gemeinsame Nutzung geben könne. Engelhardt kann sich eine gemeinsame Bücherei und Musikräume mit Synergieeffekten vorstellen. Von der Stadt Lampertheim erwartet Landrat Engelhardt nach den Sommerferien eine Stellungnahme. Ihm sei klar, dass es für Lampertheim keine einfache Sache sei. Bürgermeister Gottfried Störmer schaute zu einem kurzen Hallo in bester Urlaubsstimmung und mit Hund an der Leine vorbei.
Die meisten Kosten von der Stadt zu tragen
Der größere Teil der Kosten sei von der Stadt Lampertheim zu tragen. „So eine Kulturraum ist nicht geschenkt zu haben“, gab Engelhardt zu bedenken. Die Machbarkeit habe der Kreis geprüft. Dann die spannende Überlegung des Landrats: „Was würde ich raten?“. Engelhardt sieht einen Mehrwert an Angeboten, die zur Attraktivität der Stadt beitragen würden, ob es Fördermittel gebe wisse er nicht. Die neue Turnhalle werde größer als die Altrheinhalle, die Kulturhalle käme ganz am Ende der Maßnahmen, das wäre in etwa acht Jahren. „Für uns ist der Synergieeffekt nur darstellbar, wenn wir die Musikräume nicht in den Schulen bauen“, machte Engelhardt deutlich. Am Ende müssten die Stadtverordneten entscheiden. Engelhardts Ausführungen dämpften die Begeisterung der CDU-Mitglieder für eine Kulturhalle auf dem Campus Biedensand kaum, wenngleich der Stadtverordnete Frank Korb darauf hinwies, dass man in der CDU nicht einer Meinung sei. Fraktionsvorsitzender Stöwesand erinnerte an die Entscheidung der Klausurtagung, die klar heißt: „Wir wollen eine Kulturstandort hier haben – Lampertheim hat viele Jahre geschlafen, hier ist ein prädestinierter Platz“. Allerdings gebe es auch das Problem Bauhof. Andreas Ott interessierten die 8 Millionen Euro für die Funktionsräume und wie die gemischte Nutzung abgerechnet würde. Beispiele für die Abrechnung bei Kooperationen gebe es genug, meinte Engelhardt, bezahlt würde nach Quoten soweit wie „für unsere Bedürfnisse nötig“. Die Stadt müsse entscheiden, was ihr die Kulturarbeit wert ist. An einem Beispiel machte Engelhardt deutlich, dass die Halle im Betrieb eine dauerhafte Last sei und Erlöse aus Vermietungen niedriger als gedacht ausfallen. Von der Idee „Flanieren von hier bis zum Stadtpark“ aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept(ISEK) sprach Franz Korb als Vision, ähnlich wie sie frühere Bürgermeister wie Hans Pfeiffer hatten, „die heute noch tragen“. Stadtverordneter und CDU-Vorstandsmitglied Alexander Scholl stellte fest: „Eine Kulturhalle kostet immer viel Geld, aber die Stadt habe hier die meisten Synergieeffekte“. Und beim Thema Sporthalle sieht Scholl Licht am Ende des Tunnels, nachdem der Landrat von einer verkürzten Bauzeit gesprochen habe. Engelhardt teilte mit, dass die Straßenzufahrten jetzt in Planung seien, das gemeinsame Campus-Herz jedoch nicht von außen erschlossen werde. Korb will die Chancen jetzt packen und Stöwesand meinte abschließend: „Gut zu wissen wie der Stand ist und dass Politik und Stadtverwaltung liefern müssen“. Hannelore Nowacki
BUZ 2: CDU-Fraktionsvorsitzender Edwin Stöwesand begrüßte Landrat Christian Engelhardt, der im Laufe seines Vortrags klipp und klar sagte, dass eine Kulturhalle nicht geschenkt zu haben sei. Foto:Hannelore Nowacki