Comedian Detlev Schönauer präsentierte Kabarettprogramm „Oma ist jetzt bei Facebook“ im Schwanensaal
„Lachen für einen guten Zweck“
Jacques, alias Detlev Schönauer, strapazierte kräftig die Lachmuskeln der Gäste im Schwanensaal mit seinem aktuellen Programm „Oma ist jetzt bei Facebook”. Foto: Sigrid Samson
LAMPERTHEIM – „Mir macht das Alter keine Angst – früher war man in meinem Alter schon tot“ lauteten die Worte des Kabarettisten Detlev Schönauer, der sich in seinem aktuellen Programm „Oma ist jetzt bei Facebook“ über die Tücken des Älterwerdens auslässt und auch diesem Lebensabschnitt viele lustige Seiten abgewinnt. Viel Spaß erwartete die Gäste am 21. Januar im Schwanensaal bei einem musikalisch-satirischen Kabarett. Die Veranstaltung wurde vom Offenen Treff Lampertheim der St. Andreas-Gemeinde gemeinsam mit cultur communal veranstaltet. Die rund 250 Gäste im ausverkauften Schwanensaal konnten sich über einen unterhaltsamen und äußerst humorvollen Abend freuen. Bereits zum dritten Mal stand der beliebte Comedian, bekannt aus unzähligen bundesweiten Fernsehsendungen in den letzten 30 Jahren, auf der Lampertheimer Bühne.
Schönauer zeigte auf, wie witzig Älterwerden trotz Finanzmisere, Pflegenotstand und Rentenchaos ist - „Lieber alt und glücklich, als jung und dumm!“. Wer freut sich nicht insgeheim auf die Zeit des „Unruhestandes“. Dafür zeigt Schönauer eine Menge guter und auch skurriler Vorschläge. Endlich hat man Zeit, die Tücken des Internets zu lernen und „Facebook und co“ noch ganz neue Seiten zu entlocken. Mit Stand-up-Comedy, Parodien und Songs, in bunter Dialektvielfalt lästerte er über seine junggebliebenen Altersgenossen, über Heime, Kreuzfahrten, Smartphones und Facebook und gewinnt selbst der aktuellen politischen Lage noch viel Komisches ab. „Für viele junge Menschen gibt es jenseits der 30 oder 40 nur noch Leid, Tod und Verdammnis – es geht nur noch um Krankheiten, Rente und Alter“, so Schönauer, denn dabei hat gerade das etwas fortgeschrittene Alter, allein durch die großen und interessanten Lebenserfahrungen, einen ganz besonderen Reiz, den er in seinem aktuellen Bühnenprogramm gerne satirisch vermittelt. „Altern macht Spaß und ist richtig cool“ lautet seine Devise. Als er mit „Bon soir, guten Abend“ die Bühne betrat, zog er das Publikum mit seiner charmant-fröhlichen Art sofort in seinen Bann. Auf saarländischem, leicht französisch angehauchten Dialekt verkündete er: „Naturellement, ich habe mir jede einzelne Falte selbst erarbeitet“, um dem Ernst des Älterwerdens gleich zu entgegnen. Er verkündet, was er in seiner Rente macht: Nicht in ein Seniorenheim, sprich „Sterbesilo“ gehen, die Rente oder sogenannte „Abfrackprämie“ kassieren und dann auf große Kreuzfahrt gehen - „ich hau' das ganze Geld off de Kopp“, meinte er. Die Lacher des Publikums waren ihm gewiss. Im Seniorenalter könne man „froh sein über jeden Konservierungsstoff, den man mit der Nahrung aufnehmen kann“. Er stellte fest, dass das Wort „Vegetarier“ aus dem Indianischen kommt und so viel wie „der ist zu blöd zum Jagen“ bedeutet. Schönauers Bühnenfigur „Jacques“ erklärte den Anwesenden auch, wie Facebook funktioniert: „Das ist der erste Ort, an dem die Menschheit teilen gelernt hat“ merkte er an und verwies dabei auf die Möglichkeit, auf dieser Plattform Beiträge mit „Freunden“ zu teilen. Er hatte der Oma kürzlich einen Laptop geschenkt. „Wir sehen jetzt immer, was sie macht. Solange sie ständig Katzenbilder teilt, brauchen wir uns keine Sorgen zu machen und hinzufahren.“ „Schwupp, hat man ein paar hunderte Freunde auf Facebook“, so Schönauer – aber wenn man bei einem Umzug Helfer brauche, sei niemand da. Hilfreich sei es, die „nervige Verwandtschaft“ hier einfach zu „entfreunden“, also aus seiner Freundschaftsliste zu entfernen. Facebook mache nicht dumm, aber „es hilft, die eigene Dummheit bekannt zu machen“, so Schönauer.
'Jacques' mokierte sich auch über die heutigen „Helikoptereltern“, die ihre Kinder überall hinfahren und sogar mit einer App verfolgen, wo ihre Schützlinge gerade sind. „Das waren früher ganz andere Zeiten – da war es noch toll“ fügte er hinzu. Damals wurde noch viel im Freien gespielt. Durch den Fotoshop kann man heutzutage Bilder verbessern, auch „perspektivisch verzerren“, was somit die Schönheitschirurgie, die er scherzhaft als „Änderungsfleischerei“ bezeichnete, ersparen würde. Etwas nostalgischer wurde es, als er in Erinnerungen an die alten Telefone mit Wählscheiben schwelgte, die es nur in 3 Farben gab und mit Brokatdeckchen verschönt wurden. „Das war eine ruhige und friedliche Zeit früher; es gab auch keine mediale Volksverdummung“, so 'Jacques'. Das Handy sei heutzutage nicht mehr wegzudenken. „Ich bin mir sicher, dass wir die erste Generation sein werden mit Handy am Rollator und Klingelton XXL“ erheiterte er die Gäste. Auch bei den Erinnerungen an Filme wie Lassie, Fury und Bonanza konnten die Zuschauer spontan die Namen aller Mitwirkenden nennen – Erinnerungen wurden hervorgerufen, mit charmantem Witz verpackt. Auch die Clementine aus der Persil-Werbung und Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer war dem Publikum bestens bekannt. Hätte man die Clementine, die „Mutter der Nation“, schon damals als Kanzlerkandidatin vorgeschlagen, dann „hätte mer den Huddel heute net“.
Schönauer bewies auch, dass er mehrere Dialekte blendend beherrscht. Klaviereinlagen und Gitarrenbeiträge sorgten ebenfalls für Erheiterung der Gäste wie mit dem Lied „Kräutertee“ zur Melodie von 'Yesterday'. Im Seniorenheim könne man übrigens auch lustige Parties veranstalten, während die Pflegekraft eingesperrt wird: eine Rentner-Disco, ein Rollator-Biathlon oder eine Casting-Show „Deutschland sucht den grauen Star“ wäre denkbar. Tobender Applaus war Schönauer gewiss, der ohne Zugabe nicht von der Bühne gehen durfte – das Publikum war absolut begeistert.
„Wir machen noch mehr zusammen“, kündigte Gottfried Senfter vom Offenen Treff an, da die Zusammenarbeit beim ersten gemeinsamen Projekt mit cultur communal sehr gut funktioniert hat. Er richtete seinen Dank an Kulturamtsleiter Rolf Hecher, die Sponsoren und Pfarrern Patrick Fleckenstein von der katholischen St. Andreas-Gemeinde. Pfarrer Angelo Stipinovic, Vorsitzender der KCDF (Kavango Community Develpment Foundation) wies kurz darauf hin, dass ein Teil des Erlöses aus dem Kartenverkauf in ein Entwicklungsprojekt des Bistums Mainz in Namibia einfließt: ein Waisendorf, das bereits 45 Kinder beherbergt – ein „absolutes Herzblutanliegen“, wie Stipinovic es nannte. Er dankte den Organisatoren, die dieses „Lachen für einen guten Zweck“ initiiert hatten. Sigrid Samson