Stadtverordnete von Bündnis 90/Die Grünen vor Ort / Alfred Laut informierte über Bedeutung
„Lampertheim benötigt noch mehr Blühflächen”
Die Stadtverordneten von Bündnis 90/Die Grünen informierten sich vor Ort über die Blühfläche hinter dem Küblinger Damm. Foto: oh
LAMPERTHEIM – In der vergangenen Woche war eine Gruppe von Stadtverordneten mit den Fahrrädern unterwegs Richtung Rosengarten, wo sie sich mit dem 0rtsvorsteher Schmitt zu einem Gespräch verabredet hatten (wir berichteten). Dabei legten sie einen von Dieter Melchior, Gründungsmitglied der Grünen, organisierten Zwischenstopp ein, um sich auch mit den lokalen Wirkungen grüner Politik an einem konkreten Beispiel zu befassen.
Ihre Fahrt führte die Gruppe der Parlamentarier auf der alten Wormser Landstraße Richtung Rheindamm. Hinter dem Küblinger Damm unterhalb des Dammwachthäuschens an einer neu angelegten Blühwiese wurden sie von Alfred Laut, Vorsitzender der Jagd- und Hegegemeinschaft Südliches Ried, erwartet. Laut, Sprecher der lokalen Agendagruppe „Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen" und Mitinitiator der Blühfläche, erklärte der Gruppe die Hintergründe und den Sinn und Zweck dieser Pflanzmaßnahme.
Schüler des Lessing- Gymnasiums hatten im Juni in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung auf einer städtischen Fläche von einem halben Hektar eine besondere Blumensamenmischung per Hand ausgesät. Die Samen waren in der Zwischenzeit aufgegangen, und so zeigte sich das Wiesenstück mit blühenden Sonnenblumen, Malven und Wegwarten im Sommerflor, wenn auch die anhaltende Trockenheit einigen Blühpflanzen sichtlich zu schaffen machte.
Nach Alfred Laut ist diese Blühfläche eine von mehreren Flächen, die auf Initiative der Agendagruppe in der freien Feldflur um Lampertheim angelegt wurde. Damit will man erreichen, dass Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen und der Natur wieder zurückgegeben werden. So entstehen mitten in der ausgeräumten landwirtschaftlich genutzten Landschaft neue Lebensräume und Nahrungshabitate für Insekten und Eidechsen und Rückzugsräume für Wildtiere. Die blühenden Sonnenblumen und andere Blühpflanzen stellen nicht nur eine optische Bereicherung der Landschaft dar sondern bieten Meisen und anderen Samenfressern bis in den Winter Nahrung und damit die Möglichkeit zum Überleben.
Mit Blick auf die weitgehend ausgeräumte Feldflur weiter östlich in der angrenzenden Gewann meinte Laut, dass hier erhöhter Bedarf bestehe nach weiteren Biotopen wie Hecken und Blühstreifen und Feldgehölzen und dass diese Lebensräume so miteinander verbunden werden müssten, dass ein möglichst engmaschiges Verbundsystem entstehe. Mit dieser Forderung stieß Laut bei den Grünen, die seit Jahren auf parlamentarischer Ebene vergeblich um eine flächendeckende Biotopvernetzung kämpfen, auf offene Ohren. Beide Seiten waren sich einig, dass die Stadt Lampertheim noch mehr Flächen für den Biotop- und Artenschutz zur Verfügung stellen müsste, wenn sie ihrem Anspruch auf mehr Biodiversität gerecht werden wolle.
Über den oftmals kaum zu lösenden Widerspruch zwischen den Anforderungen des Naturschutzes, der Landwirtschaft und der Jägerschaft ergab sich noch einen rege Diskussion mit Alfred Laut, der auch als Jäger aktiv ist und vor Ort die Jagdpacht inne hat. zg