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  • Mo., 16. Oktober 2017, 09:46 Uhr
    Stellungnahme zum Bericht über die Messergebnis in Bürstadts Brunnen durch den VSR Gewässerschutz

    Landwirte wehren sich gegen Generalverdacht bei Nitratbelastung

    Die Landwirte der Region wehren sich gegen den Generalverdacht, für zu hohe Nitratwerte verantwortlich zu sein und bieten bei der Nitratproblematik ihre Kooperation an. Foto: oh

    BÜRSTADT – Bezüglich der Ergebnisse der Messungen in Bürstadts Gartenbrunnen durch den VSR Gewässerschutz und der dabei entdeckten hohen Nitratwerte beziehen die Landwirte der Region in Person von Willi Billau, Vorsitzender Regionalbauernverband Starkenburg, Stellung:
    „Es ist richtig und bekannt, dass stadtnahe und flachgründige Gartenbrunnen erhöhte Nitratgehalte aufweisen. Umweltbewusste Gärtner entsorgen keine Nahrungsmittelreste, sie kompostieren sie und düngen damit organisch ihr Gemüse. Das ist gut und recht so. Nur reicht die Fläche oftmals nicht, um den ganzen organischen Dünger unterzubringen. Die oftmals parallel betriebene Hühnerhaltung jahrzehntelang auf der gleichen Stelle führt auch zu hohen Stickstofffrachten des Bodens. So ist es wenig verwunderlich, wenn die Gartenbrunnen hohe Nitratwerte aufweisen. Ebenso wissen wir, dass Kommunen marode Kanalsysteme haben. Wir sehen das daran, dass „hinter“ Gemeinden – bezogen auf die Flussrichtung des Grundwassers – die Nitratwerte gleich oder nahe Null sind und vor den Gemeinden teilweise über 50 mg gehen. Das trifft vor allem auf manche Gemeinde entlang der Bergstraße zu, hinter denen der Forst beginnt. Die Messung unserer Feldbrunnen belegt, dass wir in den meisten Fällen sehr geringe Grundwasserbelastung mit Nitraten haben: Zum Beispiel liegen alle Brunnen zwischen Lampertheim, der Lache und Rosengarten bei Null, überhaupt sind 50 mg entlang der Rheinschiene die Ausnahme. In Lampertheim haben wir erhöhte Werte neben ehemaligen Deponiestandorten. Wir entnehmen übrigens unsere Wasserproben erst nach mehrstündigem Abpumpen, um sicherzustellen, dass Verunreinigungen im Feldbrunnen keine Verfälschung der Ergebnisse bringen.
    Es geht nicht darum, die Landwirtschaft von allen Vorwürfen frei zu sprechen. Es kann durchaus Situationen geben, (Wetterlage, Hangneigung, Viehdichte) in denen es zu Nährstoffverlagerung kommen kann. Diese zu vermeiden gibt es erstens die Offizialberatung, zweitens die Zertifizierung der Betriebe, sowie die Mitarbeiter der Wasserrahmenrichtlinie. Hier werden flächendeckend in Herbst und Frühjahr Bodenproben gezogen, anhand derer die spätere Stickstoffdüngung der Kulturen bemessen wird. Freiwillig überdüngen wird niemand, denn Dünger ist erstens teuer, zweitens werden unsere Produkte (Gemüse, Kartoffeln,) auf den Nitratgehalt hin gemessen. Wer riskiert schon eine Weigerung wegen Nitrat. Drittens wird bei zertifizierten Betrieben alles nochmals anhand der Dokumentationen kontrolliert. Übrigens kommen in unseren Ballungsgebieten bis zu 45 kg N/ha durch Autoabgase und Ölheizungen runter (Ellenberg und Leuschner 2010).
    In viehstarken Regionen werden enorme Anstrengungen unternommen, dass die anfallende Gülle in die Ackerbauregionen gebracht wird, um dort die Flächen zu entlasten. Das kommt daher, dass es eine permanente Spezialisierung der Betriebe gegeben hat, vor allem auch regional. Dieses Problem haben wir in Starkenburg – unseren fünf Südhessischen Landkreisen – auch nicht.
    Unsere Position ist seit Jahren diese: Wir Landwirte sind bereit, bei der Nitratproblematik mitzuarbeiten und alles zu tun, Nitrateinträge ins Grundwasser zu vermeiden. Wir sind allerdings nicht bereit, den alleinigen Sündenbock zu spielen. Deshalb fordern wir schon seit Jahren vom Regierungspräsidium und dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) Ursachenforschung zu betreiben. Verschärfungen im Düngerecht akzeptieren wir nur da, wo es einen Einfluss unserer Wirtschaftsweise gibt. Bei Nullwerten brauchen wir an unserer guten fachlichen Praxis nichts zu ändern (so viel wie nötig, so wenig wie möglich). Leider wurde mir im letzten Jahr schriftlich mitgeteilt, dass es leider an finanziellen Mitteln für das von uns allen gewünschte „Leuchtturmprojekt Ursachenforschung“ fehle. Wir Landwirte bedauern das zutiefst.
    Die hohen Nitratwerte in den Messungen des VSR Gewässerschutz können aus Sicht der Landwirte zahlreiche Ursachen haben, die nicht in der Landwirtschaft begründet sind. Foto: oh


    Wir würden uns in Zukunft von den Verantwortlichen des VSR Gewässerschutzes wünschen, dass sie sich vorher bei uns Landwirten informieren, bevor sie uns pauschal beschuldigen. Ebenfalls empfehlen wir dem VSR Gewässerschutz sich bei den Mitarbeitern der Wasserrahmenrichtline in Griesheim kundig zu machen. Eigentlich wollen wir beide dasselbe: Sauberes Grundwasser!” zg

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