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  • Do., 30. Juli 2015, 15:57 Uhr
    Landfrauen aus dem Kreis Bergstraße „Im Dialog mit der Politik“ – Ministerin Priska Hinz nimmt Anregungen mit

    Landwirtschaftliche Vielfalt, aber regionale Produkte im globalen Wettbewerb

    Freundlicher Empfang für die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (3. von rechts) auf dem Sonnenhof von Winfried und Klaudia Knaup in Einhausen. Zum Dialog hatten Hildegard Schuster (2. von rechts), Präsidentin des größten Frauenverbandes in Hessen außerhalb der Kirchen und Marita Billau, Vorsitzende des Bezirkslandfrauenvereins Heppenheim, eingeladen. Der Bürgermeister von Einhausen wurde von Bernd Gärtner vertreten. Foto: Hannelore Nowacki


    EINHAUSEN – Zwei wertvolle Arten sind in Hessen stark gefährdet – die Bienen und die Bäuerinnen. Wobei es den geflügelten Honigproduzentinnen zurzeit deutlich schlechter geht, doch durch das Höfesterben, von Strukturwandel ist oft die Rede, gibt es in Hessen auch weniger Bäuerinnen. Ein Pressebericht über die fleißigen Bienen lieferte für die Gesprächsrunde der südhessischen Landfrauen mit Priska Hinz, der Hessischen Staatsministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, das erste Stichwort. „Im Dialog mit der Politik“ auf dem Sonnenhof der Familie Knaup wurde am Mittwochnachmittag die Scheune zum Diskussionsforum mit etwa dreißig Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die südhessischen Bäuerinnen aus dem Kreis Bergstraße waren vom Landfrauenverband Hessen und vom Bezirkslandfrauenverein Heppenheim eingeladen, um der Ministerin ihre Probleme und die gelebte Realität der modernen Landwirtschaft vorzustellen und über neue Möglichkeiten und Chancen zu sprechen. Dies gelang in freundlicher Atmosphäre – etwa 90 Minuten lang stand die Landwirtschaftsministerin den Landfrauen Rede und Antwort. „Sie haben mich an Ihrer Seite“ oder „ich verstehe Ihr Anliegen“, sagte die Ministerin mehrfach. Anregungen zur Lösung der angesprochenen Probleme wollte Hinz mitnehmen, doch ein Patentrezept gebe es nicht. Ob und was sich in Wiesbaden entwickelt, wollen die Landfrauen in einem halben Jahr bei einem Treffen im Rahmen der südhessischen Landwirtschaftswoche nachprüfen. Schon zum dritten Mal war Ministerin Hinz vom Landfrauenverband Hessen zum Dialog eingeladen, diesmal war der Kreis Bergstraße mit seiner landwirtschaftlichen Vielfalt dran, die auch von vielfältigen und besonderen Problemen geplagt wird. Was hier angebaut wird, ist von bester Qualität, davon sind die Bäuerinnen überzeugt. Und doch schauen viele Verbraucher eher auf den vermeintlich günstigeren Preis bei anderen Anbietern wie Discountern und Supermärkten, beklagen sie. Das wollen die Landfrauen ändern und die Verbraucher vom Einkauf regionaler Produkte überzeugen – Erfolge in dieser Richtung stimmen sie bereits hoffnungsvoll.

    Die Landfrauen hatten sich auf den Dialog gut vorbereitet. Große Themen und Probleme kamen im Gespräch mit Landwirtschaftsministerin Priska Hinz in offener Atmosphäre zur Sprache. Foto: Hannelore Nowacki


    Nach der  Landtagswahl in Hessen hatte sich eine schwarz-grüne Regierungskoalition gebildet, vor allem ein von den Grünen geführtes Landwirtschaftsministerium machte den Landfrauen zu Beginn Sorge. Durch die Dialogreihe wollen die Landfrauen ihre Positionen verständlich machen und eine Verbesserung ihrer Lage erreichen. „Kleine Schritte, aber mühsam“ so lautete am Ende die positive Einschätzung von Hildegard Schuster, Präsidentin des hessischen Landfrauenverbandes. Marita Billau, Vorsitzende des Bezirkslandfrauenvereins Heppenheim, dankte den Landfrauen, dass so viele gekommen waren. „Die Gesprächsrunde war gut“, fand sie. Wichtig sei die Aussage der Ministerin, dass sie die Familienbetriebe stärken wolle. Auch ein Bienenprogramm soll es geben. „Gemeinsam sind wir stark – denkt an den Bienenschwarm“, gab die Präsidentin den Landfrauen mit auf den Weg. Und: „Sie wissen, in zwei Jahren sind wieder Wahlen“. Der Erhalt und die Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft auf Basis von Familienbetrieben war mehreren Bäuerinnen ein großes Anliegen. In Hessen werde schon über die Hälfte der Landwirtschaft im Nebenerwerb betrieben, berichtete die Ministerin. Von der erfolgreichen Nachfolge hänge auch die Altersversorgung der nicht mehr aktiven Generation ab. Ist keine Nachfolge möglich, gibt es Probleme mit der Altersversorgung. Andere Betriebe, die bei ihren Sonderkulturen auf Erntehelfer angewiesen sind, beklagen die hohen Lohnkosten, die der Mindestlohn verursache, und die neuen Arbeitszeitregelungen mit der täglichen Höchstarbeitszeit von zehn Stunden. Die Vielfalt landwirtschaftlicher Produktion im Kreis Bergstraße führe zu unterschiedlichen Interessenlagen, gaben die beiden Landfrauen-Repräsentantinnen zu bedenken – Milchvieh, Mast und Forstwirtschaft im Odenwald, Wein an der Bergstraße, Gemüse, Sonderkulturen und Getreide im Ried. Dass Öko-Betriebe gefördert werden, die konventionelle Landwirtschaft in Hessen dabei das Nachsehen habe, stört nicht nur Marita Billau. „Ich sehe gar nicht ein, warum ‚Öko‘ besser sein soll“, sagte sie der Ministerin, bei Sonderkulturen wie Spargel sei „Öko“ schwer durchführbar. Hinz entgegnete, dass die hohen Nitratwerte im Boden und Grundwasser nicht wegzudiskutieren seien, auch wenn sie nicht nur durch die Landwirtschaft verursacht werden. Eine verbesserte Verbraucheraufklärung könnte die Akzeptanz regionaler Produkte weiter erhöhen, hoffen die  die Bäuerinnen. Vielfach sind sie Bäuerinnen schon aktiv geworden – zum Beispiel lernen die Kinder im „Klassenzimmer auf dem Bauernhof“, wo das Essen herkommt. Eine Vielzahl an Ideen brachten die Landfrauen ins Gespräch. So könnte die Qualität von Obst und Gemüse mit dem Refraktometer objektiv gemessen werden. Dieses handliche Messinstrument würde  sogar einen Teil der Bürokratie überflüssig machen – nicht mehr die Prozesse, sondern die Produkte würden zertifiziert. Hannelore Nowacki

     

     

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