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  • Fr., 10. November 2017, 09:16 Uhr
    Würdiges Gedenken an die Opfer der Pogromnacht und Signal gegen Antisemitismus in Lampertheim

    „Lasst uns das Miteinander nach den Maßstäben der Menschlichkeit gestalten”

    Schüler der Klasse 9c des LGL zündeten Kerzen zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht an. Foto: Benjamin Kloos

    LAMPERTHEIM – Eine eindrucksvolles und würdiges Gedenken an die Zerstörung der Synagoge in Lampertheim und der Gräueltaten an den jüdischen Mitbürgern am 9. und 10. November 1938 vollzog sich am Donnerstagabend am ehemaligen Standort des jüdischen Gotteshauses im Herzen Lampertheims . Eindrucksvoll, weil sich erneut viele junge Menschen aktiv beteiligten und so die Erinnerung an die Gräueltaten wach halten, eindrucksvoll, weil sich zahlreiche Bürger versammelt hatten, die ein sichtbares Zeichen gegen Intoleranz, Rassismus und wieder aufkeimenden Antisemitismus setzen wollten und eindrucksvoll, weil Bürgermeister Gottfried Störmer in seiner Rede nicht nur an das Unrecht, das von 1933 bis 1945 besonders den jüdischen Mitbürgern Lampertheims widerfahren ist, erinnerte, sondern einen mutigen Brückenschlag in die Gegenwart vollzog, in dem er aktuell aufkeimenden Fremdenhass und Antisemitismus anprangerte.
    „Dem gilt es mutig und frühzeitig entgegenzutreten, auch wenn die Hassbürger in der Minderheit sind", forderte Störmer auf. „Wir sollten das Miteinander nach den Maßstäben der Menschlichkeit gestalten – heute und morgen und nicht nur an Gedenktagen. Was geschehen ist, können wir nicht Ungeschehen machen, aber nur mit dem Wissen und dem Bewahren der Erinnerung können wir eine gute Zukunft gestalten.”
    Am ehemaligen Standort der jüdischen Synagoge in Lampertheim gedachten am Donnerstag neben Bürgermeister Gottfried Störmer und Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass zahlreiche Bürger. Foto: Benjamin Kloos


    Zunächst blickte Bürgermeister Störmer jedoch in die Vergangenheit und gab einen kurzen Überblick, wie es zu den schrecklichen Ereignissen in der Reichspogromnacht kam. „7.000 jüdische Geschäfte und Gemeindeeinrichtungen wurden in dieser Nacht in Deutschland zerstört, 30.000 Juden aus ihren Wohnungen gezerrt und in die Konzentrationslager verschleppt. Dies war ein barbarischer Terrorakt, dem auch die Synagoge in Lampertheim zum Opfer fiel.” Dass das Gedenken auch heute noch wichtig war, zeige der Blick auf das Ergebnis der Bundestagswahl und aktuelle Entwicklungen. „Es ist eine Schande, dass Menschen in Deutschland heute wieder angepöbelt und angegriffen werden, die sich als Juden zu erkennen geben. Wir müssen Antisemitismus und jede Form der Menschenfeindlichkeit, nicht nur gegen Flüchtlinge, von Anfang an die Stirn bieten. Denn Verbrechen an der Menschlichkeit verjähren nie, wir müssen die Erinnerung daran wachhalten.”
    Wie wichtig die Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse von 1938 ist, daran erinnerten auch Schüler der Klasse 9c des Lessing-Gymnasiums – mit einer Inszenierung, die in ergreifender Art und Weise an die Geschehnisse im 3. Reich und den sich immer weiter verstärkenden Antisemitismus erinnerte. Erschreckend war die Aufzählung der Gesetze und Verbote, welche Juden erdulden mussten, mit der Reichspogromnacht als vorläufigen Höhepunkt – aber zu diesem Zeitpunkt noch lange kein Ende fand. Dies veranschaulichten auch Berichte junger jüdischer Mitbürger, die die stetig wachsende Beklemmung und Bedrohung schilderten, die schließlich für unzählige Menschen mit dem Tod in den Vernichtungslagern endete. Auch an den Lampertheimer Ehrenbürger Alfred Delp, der durch die Nationalsozialisten im KZ ermordet wurde, erinnerten die Schüler, die sich in ihren Projektstunden intensiv auf dieses wichtige Ereignis vorbereitet hatten.
    Ein Licht der Hoffnung und des Gedenkens: An die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus zündeten Lampertheimer Bürger Teelichter an – so wie Pfarrerin Sabine Sauerwein und Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass. Foto: Benjamin Kloos


    Anschließend luden die Schüler alle Anwesenden ein, Teelichter als Erinnerung an die Opfer anzuzünden und legten weiße Rosen vor der Tafel, die an die einstige Synagoge erinnert, nieder. Für die Stadt Lampertheim sowie für den DGB waren bereits zuvor Kränze aufgestellt worden, vor denen Bürgermeister Störmer und Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass schweigend der schrecklichen Taten gedachten. Musikalisch umrahmte Julia Schmidt, Schülerin des Lessing-Gymnasiums, die Gedenkstunde würdevoll mit zwei Geigenstücken, darunter dem 2. Satz des Israeli Concertino von George Perlman. Benjamin Kloos
    Weiße Rosen als Zeichen der Erinnerung wurden vor der ehemaligen Synagoge niedergelegt. Foto: Benjamin Kloos

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