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Mo., 15. August 2016, 14:42 Uhr
Martin-Luther-Gemeinde feierte „Gottesdienst unter der Linde“
Lebendiges Evangelium in Lampertheimer Mundart
Zum „Gottesdienst unter der Linde“ im Garten an der Martin-Luther-Kirche hatten himmlische Kräfte für gutes Sommerwetter gesorgt. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Hoch in den Himmel hinauf ragt der alte Lindenbaum im Garten hinter der Martin-Luther-Kirche, mit dem Altar und dem großen Kreuz vor der Linde ein würdiger Ort zur Feier des „Gottesdienstes unter der Linde“ am Sonntagmorgen. Im Schatten der Kirche hatten sich bei bestem Augustwetter zahlreiche Gemeindemitglieder zum Gottesdienst versammelt, den Pfarrer Roland Schein mit einem herzlichen Willkommen eröffnete. Organist Michael Tagliente aus Biebesheim begann sein besinnliches Präludium, nachdem der letzte Glockenschlag verklungen war, und begleitete den Gottesdienst bis zum Postludium nach dem Segen. „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobt der Name des Herrn“, betete Pfarrer Schein und las aus dem Epheserbrief: „Gott öffne euch das innere Auge, damit ihr seht, welche Hoffnung er euch gegeben hat“. Um das Sehen ging es auch in der biblischen Geschichte, die Erika Krämer-Tomczak und Peter Medert im mundartlichen Dialog vortrugen, eine lebhafte Erzählung aus dem Johannes-Evangelium, die von der Heilung eines von Geburt an blinden jungen Mannes berichtete, dem Jesus ausgerechnet an einem Sabbat, dem Ruhetag, zum Sehen verhalf. Das gefiel den Pharisäern nicht, die Jesus, den vermeintlichen Missetäter, zur Rechenschaft ziehen wollten. Dabei habe der Sabbat durchaus seine guten Seiten, stellte die Sprecherin fest, vor allem weil die „Monsbilder a Ruh“ geben, „koan Garde dä riefd, kaona hämmert douw rum un muss uubedingt noch was ausbessern – alles ist ruhisch“. Doch „jetzt kimmts noch gonz dick“, berichtete Sprecher Medert, denn der junge Mann wurde aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Völlig unverständlich, denn „was konn donn dä Bu dezu, dass ä grad om Sabbat uff den Jesus trifft?“. Aus der Geschichte im Johannes-Evangelium wurde auf diese Weise eine bildhafte Erzählung über das Wirken Jesu, die mit neuzeitlichem Alltagshumor und Lampertheimer Mundart ein besonderes, ein lehrreiches Erlebnis wurde. Vor 21 Jahren hatte sich Erika Krämer-Tomczak zum ersten Mal der Aufgabe angenommen, biblische Texte in Mundart zu übertragen, Peter Medert ist seit über zehn Jahren ihr Dialogpartner im „Gottesdienst unter der Linde“. Im Rahmen dieses Gottesdienstes wurde die kleine Catalina getauft, der Pfarrer Schein einen Wunsch mitgab: „Sei mutig, lass dich durch nichts erschrecken“. Christsein müsse man lernen, betonte Pfarrer Schein, in der Regel ein ganzes Leben. Wichtig sei, das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren, nicht blind zu sein für die Liebe. Die Kollekte gehe an die Christoffel Blindenmission in Bensheim, kündigte Pfarrer Schein an und erinnerte an das Wirken des Auslandspfarrers Ernst Jakob Christoffel, der in der Türkei zu seiner Zeit einiges für die Armenier getan habe. Mit nur 30 Euro könne der graue Star operiert werden, der in vielen Entwicklungsländern zur Erblindung führe, mit 125 Euro könne eine Augenoperation mit Narkose bei Kindern durchgeführt werden. Pfarrer Schein dankte allen Helfern, die im Hintergrund unter anderem dafür gesorgt hatten, dass niemand stehen musste. Hannelore Nowacki