Bürger und Politik zur Hilfe aufgerufen / Informationsveranstaltung am 28. November im Stadthaus
„Letzte Chance den Altrhein zu retten“
So schön ist der Altrhein bei Lampertheim, wenn er genügend Wasser führt und kein Algenteppich auf der Oberfläche schwimmt – ein Paradies für Erholungssuchende, Wassersportler, Freizeitpaddler und Motorbootbesitzer. Wie gelingt die Rettung? Archivfoto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Das Wasser steht den Altrhein-Rettern bis zum Hals, während der geliebte Fluss zunehmend unter einer immer dicker werdenden Schlammschicht leidet und zu verlanden droht. Weitere Probleme sind aufgetaucht, nachdem es vor zwei Jahren zunächst einen Silberstreif am Rettungshorizont gegeben hatte. Ein Pilotprojekt mit Ausbaggern und Trocknen des Schlamms sollte starten, doch das Wetter spielte nicht mit. Das augenblickliche Hindernis ist eine Vermutung, es könnten Bomben und Munition aus dem zweiten Weltkrieg im Schlamm verborgen sein. Damit ist das Ausbaggern unmöglich geworden. Die notwendige Untersuchung würde etwa 100.000 Euro kosten, ein dicker Brocken, für den Sponsoren gefunden werden müssten.
Im Rahmen eines Pressegesprächs erläuterten Rudolf Klippel und Karl-Heinz Barchfeld, die Sprecher der Initiativgruppe „Rettet das Naturschutzgebiet Lampertheimer Altrhein“, den aktuellen Sachstand und die nächsten Schritte. Schon seit 2003 engagiert sich die Gruppe aus Vertretern mehrerer betroffener Wassersportvereine, des Motorbootklubs und Naturschutzverbänden zur Rettung des Altrheins. Viele Bürger und Fürsprecher aus der Politik haben sich für den Erhalt dieses einmaligen Naturparadieses stark gemacht, das Wassersportlern, Erholungssuchenden und Naturfreunden gleichermaßen am Herzen liegt. Nun sieht die Initiative die letzte Chance gekommen, den Altrhein bei Lampertheim zu retten und lädt deshalb alle Bürger, Vereine und Institutionen am 28. November um 19.30 Uhr in den Sitzungssaal des Stadthauses zu einer Informationsveranstaltung ein.
Landrat Matthias Wilkes habe die Rettung schon in den letzten Jahren unterstützt und werde an dieser Veranstaltung teilnehmen und eine Stellungnahme abgeben. Staatssekretär Dr. Michael Meister (MdB) wolle danach mit den Entscheidern der hessischen Landesregierung und des Regierungspräsidiums Darmstadt eine Besprechung veranlassen, an der die am Erhalt des Altrheins Interessierten teilnehmen, berichtete Klippel. Acht Meter Schlamm liegen im Altrhein, davon ist ein Meter mit giftigen Stoffen verunreinigt. Teilweise sei der Altrhein eine Bundeswasserstraße, teilweise gelte der Altrhein durch die Wasserrahmenrichtlinie als See, erklärte Klippel. Entschieden wendet er sich gegen diese Definition, da Messungen ergeben hätten, dass es in Zeiträumen von weniger als dreißig Tagen zufließendes und abfließendes Wasser aus und zum Neurhein gebe.
Ein See werde nicht saniert und dürfe verlanden. Die Initiativgruppe hofft nun auf die weitere Unterstützung durch die Bürger. Auch sollten sich Zeitzeugen melden, die belegen können, dass der Altrhein nach dem zweiten Weltkrieg, Anfang der 70er Jahre schon einmal ohne Bombenfund ausgebaggert wurde. „Es ist ein solch dickes Brett, was wir da bohren müssen“, stellten die Sprecher der Initiative fest - eine Aufgabe, die sie mit Hilfe der Bürger und Politik meistern wollen.