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Do., 24. Januar 2019, 07:59 Uhr
Onlinezugangsgesetz verlangt bis 2022 digitale Verwaltungsdienstleistungen
„Live-Hack-Event“ informierte Stadtverwaltung über Datensicherheit
Die beiden Trainer und Berater für IT-Sicherheit Markus Beier und Michael Peter (rechts) mit dem komödiantischen Talent brachten ihr Publikum zum Lachen, verbunden mit überraschenden Erkenntnissen aus der digitalen Welt. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Unzählige Schadprogramme nutzen Sicherheitslücken, davor will sich die Stadt Lampertheim schützen und verwendet viel Mühe auf diese Aufgabe, denn sie hat auch die Verantwortung für die Daten Dritter. Darauf wies Bürgermeister Gottfried Störmer zu Beginn einer ganz besonderen Schulung hin, an der am Dienstag alle Verwaltungsmitarbeiter teilnahmen, die meisten am Vormittag, aber auch am Nachmittag war der Sitzungssaal im Stadthaus gut besetzt. „Interessant und aktuell“ befand er die Veranstaltung mit „lehrreichen Sätzen“. Gerade erst am Morgen habe er selbst einen Fall erlebt – er hatte eine E-Mail mit Bestellbestätigung erhalten, obwohl er bei dem Versandhändler gar nichts bestellt hatte. Der Mensch sei wichtig, der auf das IT-System einwirke, Sicherheit sei nur so stark wie das schwächste Glied in der Kette, gab Störmer zu bedenken. Nach Auskunft der IT-Mitarbeiter der Stadtverwaltung im nachfolgenden Pressegespräch ist die Datensicherheit technisch auf höchstem Standard und die Mitarbeiter seit Jahren erfahren. In der Verwaltung seien 80 Fachanwendungen im Einsatz, erläuterte Ralf Müller vom Fachbereich IT- und Organisationsmanagement, darunter ein Programm für Kindertagesstätten, ein Friedhofsbewirtschaftungsprogramm und eine Anwendung für den Katastrophenschutz. Bei Wahlen sei die Verwaltung dem hessenweiten Verbundsystem angeschlossen. Als 2014 sogar das Handy der Bundeskanzlerin gehackt wurde, habe auch das Land Hessen die Bemühungen verstärkt. Eine Sicherheitsüberprüfung habe es in der Lampertheimer Verwaltung 2015 gegeben, nachdem das Land Hessen seit 2014 Kommunen mit über 30.000 Einwohnern dabei finanziell gefördert habe. Auch die Sicherheitsüberprüfung 2018 durch das Kommunale Dienstleistungszentrum für Cybersicherheit habe ergeben, dass die Verwaltung gut aufgestellt sei, jedoch die Dokumentation optimieren müsse. Es gehe um die Bewirtschaftung von Daten Dritter, um Zugriffsrechte, um das Einsehen von Daten. Technisch gehöre die Verwaltung zu den obersten zehn Prozent der Kommunen. In den Organisationsrichtlinien, die über acht Monate mit den Fachbereichen erarbeitet wurden, sei beschrieben wie IT zu funktionieren habe. Diese Dienstanweisung des Bürgermeisters befinde sich jetzt in der finalen Phase. Pressesprecher Christian Pfeiffer nannte als Ziel die Sensibilisierung der Mitarbeiter für Daten und Bürgerdaten. Müllers IT-Kollege Maximilian Thode fand es wichtig, dass sich alle Fachdienstleiter an der Ausarbeitung beteiligen. Im März oder April werde das Kommunale Dienstleistungszentrum ein „Re-Audit“ durchführen und darüber ein Zertifikat ausstellen. Die Mitarbeiter werden ein Jahr lang geschult und danach jährlich eine Fortbildung erhalten. Müller betonte, dass es eine absolute Sicherheit nicht geben könne: „Ziel ist der höchstmögliche IT-Sicherheitsschutz“. Im Hintergrund gebe es die Serverlandschaft als zentrale IT-Anlage, am „Frontend“ seien die Mitarbeiter, die für die Datensicherheit sensibilisiert werden. „So machen wir es seit Jahrzehnten, aber wir haben nicht alles aufgeschrieben“. Hintergrund für die forcierte Digitalisierung sei das „Onlinezugangsgesetz“, ein Bundesgesetz, das die Länder und damit auch die Regierungspräsidien, Kreisverwaltungen und Kommunen verpflichtet, bis 31. Dezember 2022 Verwaltungsdienstleistungen online zur Verfügung zu stellen – die Schnittstelle von Verwaltung und Bürgern. „Die Veranstaltung heute war ein Schritt dahin“, erklärte Müller. „Die Hacker kommen!“ hieß die Auftaktveranstaltung im Stadthaus, die alle Verwaltungsmitarbeiter am Dienstag erlebten, ein „Live-Hack-Event“ mit Unterhaltungswert und zugleich hohem Informationsgehalt. Kein trockenes Referat, keine vierhundert Folien mussten die Mitarbeiter verarbeiten – ihnen wurde eine einprägsame gut zweistündige Vorführung im humorvollen Dialog zweier Fachleute der Firma Allgeier CORE geboten, die genau wissen, was sich Hacker, Datendiebe und Erpresser einfallen lassen, um digital in Computer, Netze und Smartphones einzubrechen. Gar nicht so einfach, alle Fallen zu erkennen und zu vermeiden – im Live-Hack wurden mehrere Handys erkannt und auch das Tablet des Ersten Stadtrats Jens Klingler meldete sich. Beide IT-Experten sind Trainer und Berater für IT-Sicherheit, Markus Beier mimte den einfallsreichen Hacker, der seinen fachlich gewitzten Kollegen Michael Peter mit den unzähligen Hackerfallen konfrontierte, die jeden Internetnutzer und Smartphonebesitzer treffen können. Unter den vielen Tipps für das Leben im Netz waren Empfehlungen für möglichst vielstellige und komplexe Passwörter, für jedes Portal ein anderes und je länger umso besser. Einen Virenscanner kaufen? Oder doch lieber Schuhe? Das Geld sollte man für den Virenschutz ausgeben, meinte das IT-Duo. Bei 200.000 bis 300.000 Schädlingen pro Tag eine gute Investition. Fremde USB-Geräte, auch Kameras sollte man nie ungeprüft an den Computer anschließen, das Smartphone immer im Blick haben und sperren, aber lieber nicht mit biometrischen Merkmalen. Mit dem Rathauschef abgesprochen sei das Programm GMV 20.19: „Nutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand“. Hannelore Nowacki