Diakoniestation qualifizierte ehrenamtliche Begleiter für die Tagesbetreuung
„Männer sind eine Rarität, aber sehr gefragt“
Es ist geschafft – und hat Spaß gemacht. Als qualifizierte ehrenamtliche Begleiterinnen und Begleiter für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz werden die Kursteilnehmer nun bei der Einzel- oder Gruppenbetreuung tätig. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Sie werden dringend gebraucht und es macht ihnen großen Spaß. So passt zusammen, was allen nützt. Am Samstagnachmittag ging ein Kurs für elf ehrenamtliche Begleiterinnen und Begleiter erfolgreich zu Ende, die nun ihr Wissen und ihr Engagement in der ambulanten Betreuung von Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz einbringen können. Bis zur letzten Minute waren die Kursteilnehmer in angeregte Gespräche vertieft. Doch dann knallten im Schulungsraum der Ökumenischen Diakoniestation in der Hospitalstraße 1 die Sektkorken und Pflegedienstleiterin Christa Gerhardt dankte allen Kursteilnehmern und den beiden Dozentinnen für den erfolgreichen Kursabschluss. Die Qualifizierung wurde mit einer Urkunde bestätigt, außerdem überreichte Pflegedienstleiterin Gerhard den Kursteilnehmern langstielige Rosen. Bunte Luftballons auf den Tischen, dazu die strahlende Nachmittagssonne, gaben der fröhlichen Stimmung den freundlichen Rahmen. Im Zeitraum von neun Tagen hatten die Kursteilnehmer 40 Unterrichtseinheiten mit dem inhaltlichen Schwerpunkt Demenz zu bewältigen. Dazu gehört, die Situation pflegender Angehöriger zu verstehen, die deeskalierende Kommunikation, die Bedeutung der Sinne wie Riechen, Hören, Schmecken, Sehen und Tasten, Singen und Musik und Gedächtnistraining. Thema sind auch Rechte und Pflichten im Ehrenamt, Konzept und Standard der sozialen Betreuung. Dozentin Frauke Bartsch-Meyer ist Gerontologin und seit sechs Jahren freiberuflich für die Diakoniestation tätig. Edelgard Hötzel ist zertifizierte Gedächtnistrainerin. Ehrenamt heißt, es gibt keine Bezahlung für geleistete Arbeit, nur eine Aufwandsentschädigung. Warum wollen die Kursteilnehmer dieses Ehrenamt übernehmen? Außerdem: Männer seien Raritäten, aber sehr gefragt, hatte Dozentin Bartsch-Meyer im Gespräch erklärt. Dirk Pabst ist einer der beiden Männer, die sich jetzt auf ihren Einsatz freuen. Seit über einem Jahr sei er Frührentner, erzählt er, vorher unter anderem Küchenmeister in Altenheimen. Von einem Bekannten hatte er vom Kurs erfahren, ein Anruf bei Pflegedienstleiterin Gerhardt und die Mitteilung: Morgen geht die Schulung los. „Das ist eine Klasse Sache“, findet Pabst. Bis zu 23 Stunden im Monat dürfe man ehrenamtlich tätig sein. Vorstellen könne er sich auch Einzelbetreuung. Kursteilnehmerin Gabi Hönig hat über vierzig Jahre im Reisebüro gearbeitet, hat viele Länder gesehen und viel mit Menschen zu tun gehabt. Sie möchte etwas tun, am liebsten mit Menschen. „Das ist mir wichtig“, sagt sie und lobt den Kurs: „Die Schulung ist sehr gut gestaltet“. Der Umgang mit alten Menschen ist ihr vertraut, so kümmert sie sich um ihre Mutter, die im Bonhoeffer-Haus lebt, aber nicht dement ist, wie sie betont. Auch andere alte Menschen dort habe sie schon betreut. Sie würde beides gerne machen: Einzel- und Gruppenbetreuung, zum Beispiel in der Tagesbetreuung „Meine Zeit“ in der Kaiserstraße 38. Ein- bis zweimal im Jahr bietet die Ökumenische Diakoniestation ihre Ehrenamtskurse an, wie Pflegedienstleiterin Gerhardt erklärte, und hofft auf viele weitere interessierte Männer und Frauen. Hannelore Nowacki