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  • Mi., 08. September 2021, 09:20 Uhr
    BEWEGTER KINDERGARTEN: Zertifikate an vier Lampertheimer Betreuungseinrichtungen überreicht / Nicole Reinhardt als Schirmherrin

    Mehr Beweglichkeit bereits im Kleinkindalter erreichen

    In Lampertheim erhielten mit der Kinderkrippe Zauberwald, der Kindertagesstätte Rosengarten, dem Waldkindergarten Fuchsbau und der Kinderkrippe Zwergenschloß vier Kinderbetreuungseinrichtungen am Dienstag ihre Zertifikate zum Projekt „Bewegter Kindergarten”. Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM — Im Wald tollen, rückwärts laufen oder auf einem Bein balancieren – viele Kinder können das heute gar nicht mehr. Oft sind die motorischen Fähigkeiten nicht so weit entwickelt, wie sie es sein sollten. Das haben die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen der letzten Jahre gezeigt. Um dem entgegenzuwirken, hat der Kreis Bergstraße das Projekt „Bewegter Kindergarten“ ins Leben gerufen. Dabei geht es vor allem darum, dass die Kinder mit einfachen und spielerischen Mitteln im Kindergarten die eigene Beweglichkeit verbessern. In Lampertheim haben mit der Kinderkrippe Zauberwald, der Kindertagesstätte Rosengarten, dem Waldkindergarten Fuchsbau und der Kinderkrippe Zwergenschloß vier Kinderbetreuungseinrichtungen an der ersten praktischen Fortbildung teilgenommen. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte bisher leider keine Zertikatübergabe stattfinden – dies wurde am Dienstag nachgeholt. Positiv: Weitere Lampertheimer Kindertagesstätten und -krippen haben sich mittlerweile für dieses sinnvolle Projekt, dessen Schirmherrin die Lampertheimer Kanu-Olympiasiegerin Nicole Reinhardt ist, angemeldet.

    Die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz erläuterte die Ziele des Projektes „Bewegter Kindergarten”. „Es gibt eine ganze Reihe gesundheitsfördernde Projekte im Kreis Bergstraße, wie etwa den Yolo-Day, der seinen Ursprung an der Alfred-Delp-Schule in Lampertheim hat. Dies ist auch sehr wichtig, denn die Schuleingangsuntersuchungen der letzten Jahre haben in alarmierende Form deutlich gemacht, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Zehn Prozent der Kinder sind übergewichtig, bei Kindern mit Migrationshintergrund liegt der Anteil noch höher. Extremer sind die Zahlen zudem bei der Fein- und Grobmotorik, hier herrscht häufig ein hohes Defizit. Und das im Alter von fünf bis sechs Jahren, wo Kinder sich normalerweise viel bewegen sollten. Daher müssen wir früher ansetzen. Reimar Bezzenberger hat das Konzept ‘Bewegter Kindergarten‘ erarbeitet und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Denn durch Corona hat sich das Problem weiter verstärkt, viele Kinder haben sich noch weniger bewegt. Wir wollen das Projekt daher jetzt mit voller Kraft angehen, zehn weitere Einrichtungen haben sich bereits neu angemeldet”, so die Gesundheitsdezernentin. „Wir haben mit Nicole Reinhardt eine kompetente Schirmherrin, die dem Projekt ein Gesicht gibt. Und wir hoffen, das Sie bereits viel in den Alltag Ihrer Einrichtung integrieren konnten und auch Familien sich immer mehr mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzen”, wandte sich Diana Stolz an die anwesenden Erzieherinnen. 

    Nicole Reinhardt, Olympiasiegerin 2008 und Schirmherrin, stellte klar, dass sie dieses Projekt gerne unterstützt. „Mein Leben ist geprägt von Sport, bereits von Kindesbeinen an. Ich habe selbst eine kleine Tochter und möchte, dass diese sich bewegt, um das Lernen zu fördern. Dabei geht es keineswegs um Leistungssport, sondern vielmehr um eine frühstmögliche Förderung, damit Bewegung im Alltag selbstverständlich wird. Denn je älter ein Kind wird, desto schwieriger wird dies. Dabei ist es wichtig, die Bewegung für Kinder im Spiel zu integrieren und in den Alltag mit einzubeziehen. Es ist toll, dass Sie sich bereit erklärt haben, mitzumachen und dem Programm Schwung geben.“ Reimar Bezzenberger ergänzte, dass die Grundlagen für das, was im Leben an Bewegung wichtig ist, hier geschaffen wird. Dabei sei es wichtig, so früh wie möglich auch das Elternhaus mit einzubinden.

    Lampertheims Erster Stadtrat Marius Schmidt begrüßte die Idee des bewegten Kindergartens und betonte die gute Partnerschaft zwischen Stadt und Kreis bezüglich Projekten wie diesem. „Gesundheitsprävention ist ein wichtiges Thema und die Bewegung in der kindlichen Entwicklung von großer Bedeutung, da diese in direktem Bezug zur kognitiven Entwicklung steht. Das Interesse an Sport und Bewegung muss daher bereits im frühkindlichen Alter geweckt werden. Ich hoffe, dass es durch Corona keine Einschränkungen mehr geben wird und die die Kindertagesstätten auch in diesem Bereich wieder das sein können, was sie sind: Bildungseinrichtungen”, erläuterte Marius Schmidt. 

    Abschließend berichteten die Vertreterinnen der Kinderbetreuungseinrichtungen über ihre Erfahrungen mit dem Programm. Dabei stellten sie klar, dass die Kinder viel begeisterter mitmachen, wenn die Erzieherinnen die Bewegungen mit ausführen und das viele Aspekte in den Alltag integriert werden konnten. So kann der Singkreis nicht nur im Sitzen durchgeführt sondern durch Bewegung noch besser gestaltet werden. Geplante Elternabende wurden bisher wegen Corona nicht durchgeführt, sollen aber baldmöglichst folgen um die Eltern besser mit einzubinden. 

    Neben den Zertifikaten und entsprechenden Urkunden erhielten die Vertreterinnen der Kinderkrippen und -tagesstätten anschließend auch eine Ballspielsammlung, die durch die Uni Münster eigens entwickelt wurde und die anhand von Karteikarten vielfältige Ideen für Ballspiele bietet.Benjamin Kloos

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