Fr., 22. September 2017, 09:15 Uhr
Antrag der Fraktion Bündnis 90/DieGrünen für freiwilligen Verzicht auf Glyphosat gescheitert
Mehrheit der Stadtverordneten sieht keine Chance
BÜRSTADT – Ist der Einsatz von Glyphosat und anderen Pestiziden Krebs erregend? Die Fraktion der Grünen ging von der Wahrscheinlichkeit aus, wie es auch einige Untersuchungen nahelegen. In ihrem Antrag an die Stadtverordnetenversammlung forderten sie einen freiwilligen Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden zum Schutz von Menschen und Natur, insbesondere von Glyphosat. Die Verwaltung sollte beauftragt werden, die Bevölkerung und die landwirtschaftlichen Betriebe auf Bürstädter Gemarkung ebenfalls zum freiwilligen Verzicht aufzufordern. Dem Antrag hatten die Grünen eine neue Untersuchung des Umweltbundesamtes und eine Studie zum Nachweis von Glyphosat im Urin beigegeben. In der Debatte kam es zum verbalen Schlagabtausch, befeuert auch durch ironische Bemerkungen von Stadtverordneten im Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss. Uwe Metzner, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hatte sich darüber sehr geärgert, wie das Thema ins Lächerliche gezogen worden sei. „Ich empfand es persönlich als Unverschämtheit“. Salami sei auch Krebs erregend, sei gesagt worden. Die Grünen wollen aufklären, nicht verbieten, betonte Metzner. 3,5 Liter Glyphosat verwende die Stadtgärtnerei jährlich. In der Debatte meldete sich der Stadtverordnete Dr. Richard Kohl (CDU) zu Wort, der meinte: „Ohne Spritzen geht es leider nicht“. Der Bürger verlange, dass Flächen sauber sind. Kohl nannte wiederum die Salami und den Schinken als Krebs erregend, wie auch weitere Probleme, wie Hormone, Nitrat und Keime. Doch es liege am Kaufverhalten, wenn nach Geldbeutel statt nach Qualität gekauft werde. Erhard Renz (Grüne) meinte: „Immer Profit vor Gesundheit“. Lothar Ohl (SPD) sah eine Chance in Bürstadt mit der Schadstoffreduzierung voranzugehen. Nach Gesprächen mit Landwirten war sich Burkhard Vetter (FDP) sicher: „Einen freiwilligen Verzicht bei Landwirten werden Sie nicht erreichen. Wegen des Flächenverbrauchs müssten sie mehr erwirtschaften, zudem sei Glyphosat ein Breitbandmittel, das viele schlimmere Mittel ersetze. Die Stadtgärtnerei setze es nur ein, wenn es notwendig ist“. Alexander Bauer (CDU) nannte als eigentliches Problem den starken Mengenzuwachs von Pestiziden im privaten Bereich. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt. Hannelore Nowacki