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Mo., 09. Januar 2023, 13:03 Uhr
BESONDERE EHRUNG: Chorleiterin Maria Karb mit fünftem Lampertheimer Kulturpreis ausgezeichnet / Bewegende Laudatio von Dr. Jürgen Haist
„Menschen durch Musik glücklich zu machen ist unbezahlbar”
Gottlieb Ohl, Vorsitzender der Kulturkommission (l.) überreichte Margit Karb den Kulturpreis der Stadt Lampertheim. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Es war eine emotionale und sehr persönliche Verleihung des fünften Lampertheimer Kulturpreises, die zahlreiche Familienmitglieder, Freunde und Wegbegleiter am Sonntag im gut gefüllten Sitzungssaal des Stadthauses erlebten: Die vielseitige und engagierte Chorleiterin von Ephata, Musikerin, Dozentin und ehrenamtliche Förderin desKinderchorprojekts Ephata Kids und des Jugendchors Ephata Juniors, Maria Karb, war war durch die zwanzigköpfige Kulturkommission einstimmig zur Preisträgerin desgewählt worden – zum Auftakt in das neue Jahr wurde ihr nun der mit 2.000 Euro dotierte Preis, eine mehrere Kilogramm schwere Skulptur, die der Hofheimer Künstler Bernhard Hossner gestaltete, überreicht.
Passender als mit dem Lied „Music in the Air” von Ryan Murphy hätte der Chor Ephata die Feierstunde nicht eröffnen können – unter der Leitung von Bobin Kim, der Maria Karb im weiteren Verlauf eine große Karriere prophezeite. Dann aber war das Augenmerk ganz auf die Preisträgerin gerichtet: Bürgermeister Gottfried Störmer betonte, dass die Kulturkommission eine würdige Preisträgerin ausgewählt habe. „Mit Stolz darf ich sagen, eine Lampertheimerin die die Welt bereiste, in ihrer Heimatstadt einen festsitzenden Anker hat und durch ihre vielseitigen Erfahrungen, ihr Wissen und Können, Lampertheim viele Impulse für ein lebenswertes Leben gibt. So wird man – zu recht – Kulturpreisträgerin der Stadt Lampertheim.”
Gottlieb Ohl, Vorsitzender der Kulturkommission, betonte die Rolle von Maria Karb als Kulturbotschafterin für Lampertheim und ging auf die Kriterien zur Nominierung und Verleihung des Preises ein. Dabei hob er besonders einen Schwerpunkt aus dem Vorschlag zur Prämierung mit dem Kulturpreis hervor – nämlich wie Maria Karb die Chorarbeit des von ihr gegründeten Chores Ephata mit digitaler Unterstützung während der Corona-Einschränkungen aufrecht erhalten und gefördert habe. Dabei habe Maria Karb die Online-Proben aus technischen Gründen auf drei Abende und mehrere Einzelgruppen verteilt – ein immenser Zeitaufwand. Hierbei wurden neue Lieder einstudiert, die in einem kurzfristig eingerichteten Tonstudio unter geltenden Hygienebedingungen und in Einzelterminen aufgenommen und dann zusammengeschnitten wurden. „Und dies alles, ohne dass sich die Chormitglieder oder Hausbewohner dabei auch nur gesehen hätte”, so Gottlieb Ohl. Aus diesen Proben seien Online-Videos und Videotakes entstanden, die unter anderem zur Gestaltung des würdigen Gedenktages an die Corona-Toten im Kreis Bergstraße beigetragen hätten. „Bei all diesen Aktivitäten haben Sie nie die Kinder und Jugendlichen vergessen und auch mit ihnen in freier Natur geprobt und Lieder einstudiert. Damit legten Sie das Fundament für die Kinder- und Jugendnachwuchsarbeit in Ihrem Chor Ephata”, ergänzte Gottlieb Ohl, der auch auf das Projekt „Prima Canta” einging. „Sie haben bei Ihrer Vorstellung als Kulturpreisträgerin betont, dass das Singen für Schulkinder ein Grundrecht sein sollte – dies hat mich sehr bewegt. Prima Canta heißt in einfache Sprache übersetzt ‚Singen ist super und macht viel Spaß‘ Singen als Grundrecht würde bedeuten, jedes Kind findet zu es einer Stimme. Vielleicht gelingt es Ihnen mit Ihrer Fachkompetenz dazu beizutragen, dass auch in Lampertheim eine zertifizierte pädagogische Einrichtung für Prima Canta entsteht.”
Herzliche Freude bei Chorleiterin Maria Karb angesichts der besonderen Ehrung, die Bürgermeister Gottfried Störmer vornahm. Foto: Benjamin Kloos
Ephata ist „gefühlvoller” Chor
Nach einem Video des Chors Ephata, welches unter anderem die vielfältigen Tätigkeiten des Chores und seiner Leiterin Maria Karb wiedergab, hielt auf deren besonderen Wunsch Dr. Jürgen Haist die Laudatio. Der ehemalige Schulleiter des Lessing-Gymnasiums und aktueller Leiter der Deutschen Schule in Quito in Ecuador lobte zunächst die Verantwortlichen in Lampertheim, dass hinter einer solchen Ehrung und der Schaffung eines Kulturpreises „die Philosophie einer Wertschätzung” steht, bevor er auf die vielfältigen Verdienste der Preisträgerin für die Kultur einging. Dabei sei er bei der Suche nach Besonderheiten unter anderem auf ein Video auf der Homepage des Chor Ephata gestoßen. „Hierhin geben Chormitglieder ungezwungen im Gespräch wieder, warum sie in diesem Chor singen: Sie sprechen davon, dass es keine Altersgrenzen gebe, dass sogar Familien etwas gemeinsam tun könnten, dass man sich aufgehoben fühle in einem, wie es formuliert wird, ‚gefühlvollen‘ Chor, in dem offen und aufrichtig miteinander umgegangen werde. Ephata ist also ganz offensichtlich mehr als Singen, es ist eine Beschäftigung, mit der man Lebensqualität steigern kann.” Ephata habe sich unter der Leitung von Maria Karb einen Namen gemacht – 60 Mitglieder singen überall zwischen dem Ried und Ecuador, wie es selbstbewusst auf der Homepage heißt. Dr. Haist ging dabei auf ein Konzert besonders ein – jedes zum 100-jährigen Jubiläum seiner derzeitigen Schule in Quito. „Ihr habt nicht nur die Schulgemeinde begeistert, sondern auch eine Messe in der Compania, einer der bekanntesten Kirchen in Südamerika, begleitet”, erinnerte er sich gerne zurück.
Auf die Frage, wie Maria Karb es schaffe, dass die Menschen gerne in den Chor kommen und gemeinsam Freizeit im Rahmen des Kulturangebotes verbringen, aber auch, warum es ein Genuss ist, den Konzerten von Ephata zu folgen, hatte er eine klare Antwort: „Dieses Ergebnis erreicht man nur durch harte Arbeit. In Zeiten, in denen man vom Chorsterben spricht, gehört aber mehr dazu, eine solche musikalische Gruppe nicht nur am Leben zu erhalten, sondern diese sogar zum Blühen zu bringen. Ein offenes Geheimnis für diesen Erfolg ist, dass Du die Gabe hast, Menschen anzusprechen, vor allem auch junge Menschen, und sie durch Deine eigene Begeisterung für das Singen zu gewinnen.” Dazu gehöre aber auch, dass Maria Karb das „Talent habe, die Menschen so lange zu plagen, bis Du das das bekommst, was Du willst. Beschreiben wir es ganz im positiven Sinne als kreativ und ausdauernd nach Möglichkeiten suchend, dabei das ziel fest im Blick. Vermutlich ist es die Mischung all Deiner Talente, die Dich Deine Ziele erreichen lässt.”
Auch Dr. Haist hob das außerordentliche Engagement der Kulturpreisträgerin in Coronazeiten für den Chor, aber auch gerade für die Jugend hervor: „In dieser gerade auch für Kinder und Jugendliche schwierigen Zeit hat Maria Karb auch diese Gruppe nicht vergessen und ist, um den Kontakt zum Singen nicht abreißen zu lassen, zum Proben aus der Wärme des Raumes in den kalten Schnee umgezogen. Die Mitglieder dieser inzwischen fest als Ephata Juniors installierten Gruppe können sicher im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied von diesen besonderen Proben singen.” Neben den Kindern und den Jugendlichen wünscht sich Dr. Haist für die Zukunft eine weitere Gruppe – „die Ephata Seniors, so ab 75 vielleicht, ohne Begrenzung nach oben. Ich meine das ganz ernst und ab 75 bin ich dann dabei.”
„Schönster Beruf der Welt”
Angesichts der zahlreichen lobenden Worte war Maria Karb sichtlich gerührt: „Von ganzem Herzen sage ich Danke für die Verleihung des Kulturpreises. Ich bin sehr berührt und stolz, als Lampertheimer Gewächs diesen Preis zu erhalten”, wandte sie sich an alle Anwesenden. „Ich habe den schönsten Beruf der Welt: Menschen durch Musik glücklich zu machen ist unbezahlbar. Und auch, junge Menschen für das Singen zu begeistern. Das Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro geht zur Hälfte an den Chor Ephata und die Ephata Juniors, um ein Probenwochenende zu realisieren. Die andere Hälfte wird gedrittelt und geht neben der Lebenshilfe Lampertheim auch an die Tafel sowie die Orgelsanierung in St. Andreas.” Einen besonderen Dank richtete Maria Karb abschließend an ihre Familie – und an die Ephata Juniors. Diese hätten ein anstrengendes Programm hinter sich und seien dennoch kurzfristig eingesprungen, um die Verleihung musikalisch mit zu gestalten, die selbstverständlich mit einem erneuten Aufritt des Chor Ephatas endete – sowie Schlussworten von Gottlieb Ohl, bevor bei einen Umtrunk auf die Kulturpreisträgerin Maria Karb angestoßen werden konnte. Benjamin Kloos