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  • Do., 29. Januar 2015, 13:09 Uhr
    60. Landwirtschaftliche Woche Südhessen: Auftaktveranstaltung am 26. Januar in Gernsheim

    Mindestlohn, unakzeptable Marktregulierungen & bessere Exportstrategien

    Rund 300 Landwirte kamen zur Auftaktveranstaltung in die Stadthalle Gernsheim. Foto: Petra Pettmann


    GERNSHEIM - Rund 300 Landwirte kamen am Montag in die Stadthalle Gernsheim, um zu hören, was ihnen die hessische Politik & Landwirtschaftsexperten im Rahmen der Auftaktveranstaltung zur 60. Landwirtschaftlichen Woche Südhessen mit auf den Weg zu mehr Erfolg in der Landwirtschaft geben wollen. „Umweltschutz darf nicht zur Auslöschung der Bauernfamilien führen“ betonte Dr. Willi Billau, Vorsitzender der Südhessischen Woche e.V. provokativ. Die Lage ist ernst, die Probleme groß. Durch EU und internationale Politik verwässerte Qualitätsstandards machen es den Produzenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Deutschland derzeit immer schwerer, für ihre qualitativ hochwertigen Produkte den entsprechenden Lohn zu erhalten. Dies gilt für konventionelle Anbieter gleichermaßen wie für Biobauern. Er fordert: „Nicht Standards aus den USA sollten für uns gelten, sondern umgedreht.“ Verbraucher müssen für Qualität aus der Region in der sie leben sensibilisiert werden. Doch wie genau dies geschehen soll, ist unklar. Solange bei Lebensmitteln Preisdumping stattfindet, wird für Qualität zu wenig bezahlt. Auch wenn einige Besucher im Raum darauf nicht gerade begeistert reagierten, hörten sie den Worten von Priska Hinz, Hessischer Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz doch intensiv zu, die sich dem hochexplosiven Thema stellte und mit Weitblick über „Landwirtschaft in Hessen – zukunftsfähig und verbraucherorientiert“ sprach. Jedoch wurde von den Landfrauen bemängelt, dass das Ministerium Projekte wie etwa den „Bauernhof als Klassenzimmer“ zu wenig fördern und unterstützen würde. Ernährungsbildung fängt in der Schule an. „Dafür muss mehr Geld zur Verfügung stehen.“ Für Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, standen globalere Themen im Fokus. So führte er die schwächelnde Weltkonjunktur und den Rohölpreis als kritische Punkte auf, die den wirtschaftlichen Erfolg landwirtschaftlicher Produzenten schnell schwinden lassen und sprach über die für einige Sparten der Landwirtschaft dramatische Marktsituation. Fallende Ferkel- und Milchpreise führen das Engagement der hart arbeitenden Landwirte ad absurdum. Er forderte deshalb: „Wir brauchen die gesellschaftspolitische Begleitung!“ Auf der grünen Woche in Berlin hätte man aber lieber darüber diskutiert, ob ein Systemwechsel notwendig sei. „Wer von Doping im Stall und Tierqual spricht, träte die Bauern mit Füßen.“ Sein Lösungsvorschlag für den schwindenden Markt in Deutschland: „Wir müssen im Export besser werden wenn wir überleben wollen!“ Das Thema Mindestlohn betrifft besonders die Produzenten von Sonderkulturen wie Spargel, Erdbeere & Co. Rukwieds Credo: „Der Mindestlohn ist ein signifikanter Nachteil. Auch was die Schädlingsbekämpfung anbetrifft, sieht er nicht umkehrbare Folgen durch Verbot von Pestiziden, die die Feldfrüchte schützen. Besonders im Hessischen Ried – einem früheren Feuchtbiotop per se, in dem Insekten großes Unheil anrichten können. Auch der Forderung nach einem transparenten Qualitätsmanagement mit minutiöser Dokumentation der Arbeitszeiten sieht er kritisch entgegen, da die Arbeit so schon nicht von den meist im Familienverbund geführten Betrieben zu bewältigen ist. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung wurde auch der neue südhessische Verbraucherratgeber mit mehr als 300 Hofläden, Direktvermarktern, Imkern und Hofcafés den Anwesenden übergeben. Dieser bietet dem Verbraucher ein attraktives Spektrum qualitativ hochwertiger Produkte und regionaler Spezialitäten aus erster Hand. zg

     

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