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  • Mo., 02. September 2013, 17:19 Uhr
    Windrad auf der Mülldeponie: „Wind muss wehen“ – der hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch vor Ort

    Mit Gegenwind in die weitere Planung

    Staatsminister Florian Rentsch kam pünktlich und wurde freundlich begrüßt. Foto: Hannelore NowackiHütten


    HÜTTENFELD – Spätsommerlicher Sonnenschein am Sonntagnachmittag und kaum Wind, da hätte sich vielleicht auch eine gemütliche Kaffeestunde mit Kuchen auf der häuslichen Terrasse angeboten. Doch etwa vierzig Bürger, Hüttenfelder und zwei bekennende Lorscher, hatten sich zum Gasthaus Rebstock aufgemacht, um zu hören, was der hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) zum gegenwärtigen Thema Nummer 1 auf dem Gebiet regenerativer Energien mit Schwerpunkt Windrad auf der Mülldeponie zu sagen hatte. Im aufmerksamen und diskussionsfreudigen Publikum waren auch zwei der vier Bürgermeisterkandidaten, Frank Schall und Gottfried Störmer, sowie die Protagonisten von „Gegenwind“ und „Pro Hüttenfeld“. Zuhörende Veranstaltungsteilnehmer an den hinteren Tischen konnten den ohne Mikrofon sprechenden Rednern zum Teil akustisch nicht folgen und forderten mehr Lautstärke. Der Minister war auf Einladung des Vereins Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald nach Hüttenfeld gekommen. Mit Gegenwind musste er rechnen, auch mit der gleichnamigen sehr rührigen Bürgerinitiative, die sich mit über 60 Bürgerinitiativen zur „Interessengemeinschaft gegen Windwahn“ (IGW) zusammengeschlossen hat.

    Erst vor wenigen Tagen hatte ihm diese Interessengemeinschaft eine Petition mit über 15.000 Unterschriften und dreitausend Kommentaren überreicht, überschrieben mit „Windkraft ja – aber“. Davon zeigte sich Rentsch sehr beeindruckt, doch mahnte er: „Die Windkraft ist überall ein Riesenthema, aber wir müssen aus einer emotionalen zu einer rationalen Debatte zurückkehren“. Als Vorsitzender des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald leitete Landrat Matthias Wilkes die Veranstaltung. Geo-Naturpark-Geschäftsführer Reinhard Diehl, der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf und Landtagsabgeordneter Frank Sürmann (FDP), standen ebenfalls für Fragen und Informationen zur Verfügung. Landrat Wilkes sprach auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des UNESCO-Geoparks und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft hessischer Naturparke von der reizvollen hiesigen Landschaft an Bergstraße und Odenwald, die zunehmend für Touristen und Erholungssuchende aus der Region interessant werde. Der Kreis investiere in einen nachhaltigen Tourismus. Als Beispiele nannte Wilkes elf Millionen Euro für das Weltkulturerbe Kloster Lorsch, das Draisinenprojekt und die Sommerrodelbahn. Insgesamt gehe es um ein Gebiet, das sich auf einer Fläche von 3.500 Quadratkilometern zwischen dem UNESCO-Welterbe Grube Messel im Norden bis zum Neckartal im Süden erstrecke.

    Seine ausdrückliche Botschaft für den Erhalt schöner Landschaftserlebnisse: „Windräder mit höherer Sorgfalt und mit ein bisschen mehr Defensive zu planen“. Minister Rentsch berichtete von massiven Landschaftsveränderungen durch Windräder, die er in Nordhessen gesehen habe. Andererseits gab Rentsch zu bedenken, dass die Wirtschaft starke Wettbewerber auf fast allen Kontinenten habe. „Meine feste Überzeugung ist, in Deutschland wurde ein Fehler gemacht, eine Energiewende rein national zu machen ist ein Fehler“. Nicht über die Köpfe der Bevölkerung entscheiden, die Frage der Akzeptanz ist wichtig, da waren sich Minister und Landrat einig. „Sonst gibt es sehr schnell Widerstand“, resümierte Wilkes, der im Übrigen meinte: „Es geht hier nicht um parteipolitische Fragen, sondern dass es am Ende für die Menschen zu guten Entscheidungen kommt“.  Fragen bezogen auch auf den Abstand zur Wohnbebauung von tausend Metern, die befürchtete zunehmende Grundwasserverschmutzung, Infraschall und auf die Bündelung von Anlagen.

    Schimpf sagte dazu: „Im Kreis ist festgelegt, es gibt keine Einzelstandorte, nur die Bündelung“. Auf Sichthöhe der Starkenburg würde das geplante Windrad kommen, gab ein Bürger zu bedenken, zudem sei der Investor eine Gebietskörperschaft. Sürmann sprach sich dafür aus, dass öffentliche Unternehmen wie der ZAKB sich nicht wirtschaftlich betätigen sollten. Private Investoren hätten sich hier und im Ried nicht engagiert. „Es muss Wind wehen“, fasste Minister Rentsch einen Effizienzgesichtspunkt zusammen, wie er beim Energiegipfel beschlossen worden sei. Nach der über einstündigen Veranstaltung waren die Anwesenden eingeladen, mit Minister Rentsch an der Mülldeponie den Standort des geplanten Windrades gemeinsam zu besichtigen. Eine Anwohnerin, die sich nicht zu Wort gemeldet hatte, erzählte nach dem Ende der Veranstaltung im Gespräch mit dem TIP, sie wohne nur 600 Meter von der Deponie entfernt. Ihre Sorge – wird das Windrad bei einem erlaubten Abstand von 1.000 Metern trotzdem gebaut?

    Hannelore Nowacki

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