Erster Spatenstich zum Mehrgenerationenhaus auf dem Martin-Luther-Platz
Miteinander leben und reden, getrennt wohnen
Zu Hause in Lampertheim – das Mehrgenerationenhaus auf dem Martin-Luther-Platz erhielt bei der Feier zum ersten Spatenstich große Anerkennung. Erster Vorsitzender des Vereins MEWOLA sieht die zukünftigen Bewohner in einer guten Nachbarschaft vernetzt, zu der auch die Martin-Luther-Gemeinde gehört. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Am Anfang war die Idee ein Mehrgenerationenhaus zu bauen, eine Anregung aus den Reihen der Lampertheimer Bürgerstiftung. Das war 2012, ein Jahr später wurde der Verein MEWOLA gegründet, der sich auch von unerwarteten Hindernissen nicht vom eingeschlagenen Weg abbringen ließ. Fünf Jahre später ist der Erfolg für alle sichtbar – auf dem 2.750 Quadratmeter großen Grundstück an der Königsberger Straße, auf dem Martin-Luther-Platz, ist der Boden für beide Gebäudeteile vorbereitet, der Bauzaun steht. Zu den jeweils drei Geschossen kommen ein Solitär- und ein Staffelgeschoss. Auf einer Gesamtwohnfläche von 2.413 Quadratmetern entstehen 28 Wohnungen mit 51 bis 122 Quadratmetern Wohnfläche. In der Tiefgarage wird es 40 Stellplätze geben, überirdisch zwei. Acht Wohnungen gehören der Wohngenossenschaft pro gemeinsam bauen und leben eG aus Stuttgart als Teil der Baugemeinschaft. Nur noch wenige Wohnungen sind zu haben. „Lieber gemeinsam als einsam“ war das griffige Motto, das die altersgemischten Interessenten zur geplanten neuen Wohnform zusammenführte. Am Freitagnachmittag war ein Bagger der beauftragten Baufirma dekorativ auf dem Gelände platziert, ein beachtlicher Erdhügel war akkurat aufgeschüttet, mit genügend Platz für alle kleinen, bunten Spaten und die vielen großen Spaten für den ersten Spatenstich. Zur Feier hatte der Verein die Baugemeinschaft und die Nachbarn, Bürgermeister Gottfried Störmer, Ersten Stadtrat Jens Klingler, Landrat Christian Engelhardt, Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass und Vertreter der Parteien eingeladen. Auch aus der Bundespolitik war Besuch gekommen – die Bundestagsabgeordneten Christine Lambrecht (SPD) und Dr. Michael Meister (CDU) hatten bereits vor einem Jahr Interesse bekundet. Da die Wahlkämpfer unter den Besuchern noch weitere Verpflichtungen hatten und fünf Redner auf der Liste standen, wollte sich MEWOLA-Vorsitzender Frank-Rüdiger Kirschner mit dem Rückblick und den Projektzielen kürzer fassen. Seinen besonderen Dank sprach Kirschner der Stadtverordnetenversammlung und dem Landrat aus, die das Projekt in verschiedenen Phasen unterstützt hatten. Bevor der Kreis Bergstraße die Baugenehmigung erteilen konnte, musste die Stadt Lampertheim 2016 zunächst einen Bebauungsplan aufstellen. Trotz aller Widrigkeiten habe die Baugemeinschaft am Projekt festgehalten, freute sich Kirschner. Begeistert erklärte der Erste MEWOLA-Vorsitzende die Besonderheit des Mehrgenerationenhauses, eine gemeinschaftliche Wohnform mit Eigentümern und Mietern verschiedenen Alters, mit jungen Familien und Senioren, die nachbarschaftlich verbunden miteinander leben, aber ihre Privatsphäre behalten. In seiner Grußadresse lobte Bürgermeister Störmer das Projekt als „zukunftsweisendes Modell“ für das Zusammenleben mehrerer Generationen in Eigenständigkeit, Vertrauen und Verlässlichkeit, eine „großartige Sache für uns in Lampertheim“. Landrat Engelhardt stellte anerkennend fest: „Dieses Projekt ist mustergültig“. Auf die kleinen bunten Spaten im aufgeschütteten Sandhügel wies er als gelungenes Sinnbild des Mehrgenerationenprojekts hin: „Ein Gedanke wird hier rund“. Für die Wohngenossenschaft pro sprach Dimo Haith, der die Workshops zum Projekt durchführte und das Bauprojekt begleitet. Nach seiner Prognose wird das Mehrgenerationenhaus Ende 2018 bezugsfertig sein. „Ganz großen Respekt“ sprach MdB Lambrecht den Projektbeteiligten aus. „Spannend wird, zu sehen wie es funktioniert“, meinte MdB Meister, der von „Leuchttürmen“ sprach. Der Bund fördere Pilotprojekte mit dieser Konzeption seit fünfzehn Jahren, das Lampertheimer Projekt gehöre nicht dazu. Nach dem anschließenden ersten Spatenstich waren alle Besucher zum Umtrunk und Imbiss eingeladen. Weitere Informationen auf der Homepage des Vereins www.mewola.de Hannelore Nowacki