Justizminister Jörg-Uwe Hahn besuchte das jetzt barrierefreie Amtsgericht / Insgesamt 2,5 Millionen Euro investiert / Kunstausstellung bis 21. Februar
Modell für weitere denkmalgeschützte Gerichte
Das Amtsgericht hat mit dem neuen Fahrstuhl seit Oktober einen barrierefreien Zugang. Die Besichtigungsfahrt unternahmen Justizminister Jörg-Uwe Hahn (rechts), Rechtsanwalt Torsten Kugler und Amtsgerichtsdirektor Lothar Schwarz. Rechtsanwalt Kugler genoss die „Freifahrt“, nachdem er im Sommer letzten Jahres mit einem rollstuhlfahrenden Mandanten und helfenden Wachtmeister auf der Treppe gestürzt war. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Fast lautlos fährt der neue Fahrstuhl die zwei Stockwerke hinunter zum Ausgang im Innenhof des Amtsgerichts, kaum wahrnehmbar ist die zügige Beschleunigung. Gläserne Wände geben den Blick frei auf einen grauen Regentag. Der prominente Fahrgast aus Wiesbaden ist begeistert und meint, hier sei eine Lösung gefunden, die auch woanders als Modell funktionieren könne. Auch weil diese markante Glas-Stahl-Konstruktion sich optisch so gut mit dem denkmalgeschützten Gerichtsgebäude aus dem Jahr 1905 verträgt und beides miteinander verbindet – einen barrierefreien, behindertengerechten Zugang zu schaffen und Berücksichtigung des Denkmalschutzes.
Jörg-Uwe Hahn, der Hessische Minister der Justiz, für Integration und Europa, der auch stellvertretender Ministerpräsident ist, wurde von Amtsgerichtsdirektor Lothar Schwarz zur Besichtigung durch das Amtsgericht geführt, das nun auch über eine barrierefrei umgestaltete Toilettenanlage verfügt. Hahn berichtete im vorangegangenen Pressegespräch im Büro des Amtsgerichtsdirektors von zahlreichen laufenden und geplanten Maßnahmen zur Ertüchtigung von Gerichtsgebäuden an 23 von insgesamt 73 Standorten. Bereits 2,5 Millionen Euro seien in zweieinhalb Jahren investiert worden, 400.000 Euro kostete der Umbau im kleinen südlichsten Amtsgericht Hessens. „Ein barrierefreies Lebensumfeld ist Voraussetzung für eine gleichberechtigte Teilhabe aller am sozialen Leben“, betonte der Justizminister, „daher legen wir großen Wert auf die Verbesserung der Barrierefreiheit an den Gerichtsstandorten“. Amtsgerichtsdirektor Schwarz erinnerte an den bis ins Jahr 2007 zurückreichenden Wunsch und den letztlichen Impuls zum Umbau durch den unglücklichen, gemeinsamen Treppensturz eines Rollstuhlfahrers mit zwei Helfern, einem Wachtmeister und Rechtsanwalt Torsten Kugler im Sommer vor einem Jahr. „Herzlichen Dank, dass dieses lange Kapital ein Ende gefunden hat“, sagte Schwarz dem hohen Besuch.
Die neu eröffnete aktuelle zweite Kunstausstellung dieses Jahres in den Fluren und Räumen des Amtsgerichtes mit Arbeiten von Gabriele Huth, Elvira Müller und Günther W. Kalt hatte es dem Justizminister angetan und er wusste, wie er dem Verein „Kunst im Amtsgericht Lampertheim e.V.“ eine Freude machen kann. Aus dem großen Topf der Lotto-Einnahmen hatte er eine Spende in Höhe von 500 Euro mitgebracht. „Die Veranstaltung von Bilderausstellungen ist in meinen Augen eine gute Möglichkeit, ein Gericht einem größeren Publikum zu öffnen und eine offene und angenehme Atmosphäre zu schaffen“, meinte Hahn. Der Justizminister hatte sich Zeit genommen, um anschließend mit Amtsgerichtsdirektor Schwarz ein Gespräch zu führen, an dem auch sein Pressesprecher Dr. Hans Liedel und der Leiter des Baureferats Felix Kunkel teilnahmen. Wie wird es nach der Regierungsbildung in Hessen am 18. Januar weitergehen? Jörg-Uwe Hahn, bis dahin noch Justizminister einer geschäftsführenden CDU/FDP-Koalition, zeigte sich gelassen und als gelernter Rechtsanwalt zuversichtlich gestimmt.