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  • Do., 13. Januar 2022, 10:18 Uhr
    INTERVIEW: TIP im Gespräch mit Marius Schmidt, seit knapp einem Jahr Erster Stadtrat in Lampertheim

    „Möchte mit vollem Einsatz für unsere Heimatstadt da sein”

    Der Ausbau der  KITA-Plätze, ein BürgerInnen-Rat, eine schulraumorientierte Jugendarbeit, der Tag der Vereine oder der Aktionsplan Inklusion — für Marius Schmidt stehen als Erster Stadtrat 2022 vielfältige Aufgaben auf dem Programm. Archivfoto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Die Stadtverordnetenversammlung Lampertheim hatte Marius Schmidt am 11. Dezember 2020 zum Ersten Stadtrat für Lampertheim gewählt, am 1. Februar 2021 trat er seinen Dienst an. Der TIP hat knapp ein Jahr nach Beginn seiner Amtszeit mit dem Kommunalpolitiker gesprochen – welches waren die bisherigen Höhepunkte im neuen Amt; was steht für das neue Jahr auf der Agenda und welche guten Vorsätze hat er für sich persönlich gefasst?

    TIP: Herr Schmidt, ein ereignisreiches Jahr liegt hinter Ihnen. Wenn Sie jetzt im neuen Jahr auf 2021 zurückblicken, welche waren Ihre glücklichen/besonderen beruflichen Momente?

    M. Schmidt: Als wir im Sommer erstmals das Stadtparkfestival starteten oder als Menschen mit der Aktion ‚Kultur auf dem Wochenmarkt‘ nach Monaten mal wieder Livemusik hörten und ich bei der Begrüßungsrede in so viele fröhliche, erwartungsvolle Gesichter schauen konnte wurde mir persönlich klar, wie sehr man Menschen mit seiner Arbeit in der Stadt berühren und ihnen einfach auch Freude machen kann. Und als über 200 Menschen neugierig und erleichtert mit dem Bürgermeister, dem Bäder-Team und mir das Hallenbad mit neuem Vorplatz mitsamt Außengastronomie wiedereröffneten, war eine sehr intensive Arbeit schlussendlich erfolgreich abgeschlossen - wir alle hatten gemeinsam gefiebert und das Team hart auf diesen Tag hingearbeitet. Das waren wirklich schöne Momente. Ganz persönlich habe ich mich auch über die tolle Aufnahme durch alle Kolleginnen und Kollegen im Rathaus gefreut - wir haben sofort gemeinsam loslegen können.

    TIP: Welche Ihrer Ziele als Erster Stadtrat konnten Sie in den ersten beinah zwölf Monaten Ihrer Amtszeit erreichen?

    M. Schmidt: Wir haben eine innovative Sozial-, Bildungs- und Kulturpolitik entwickeln können. Sichtbar wurde dies zum Beispiel in den neuen Vereinsförderrichtlinien, mit denen wir unsere Vereine bei ihrer tollen Arbeit weiter auf hohem Niveau fördern und die Ehrenamtlichen eng bei der Ausgestaltung mitgenommen haben. Unsere neue offene Hebammensprechstunde hat sogar Radio FFH interessiert. Als erste Kommune in Hessen haben wir mit dem ‚8er-Rat‘ die Jugendbeteiligung weiter gestärkt und, auch das nahezu einmalig für Städte unsere Größe, eine eigene Kinderrechtesatzung auf den Weg gebracht. Im Sommer lernten nahezu 100 Kinder in den Ferienkursen zusammen mit der SG Neptun und der DLRG in unserem Freibad schwimmen. In der Bücherei lesen nun alle Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren kostenlos, ins Schwimmbad kommen Kinder bis zum Alter von 10 Jahren frei. Der Anbau an der KITA Guldenweg konnte verwirklicht werden- besonders schön war hier, dass mein Vorgänger und Ideengeber für diese Maßnahme, Jens Klingler, bei der Eröffnung mit dabei sein konnte. Toll ist auch, wie eng wir gemeinsam mit unseren Beiräten und allen Fraktionen Lampertheim voranbringen. Gemeinsam gelingt es.

    TIP : Welche Themen stehen für Sie auf der Agenda der Stadt Lampertheim im Jahr 2022 – wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf?

    M. Schmidt: Der Ausbau der  KITA-Plätze mit der Umnutzung des Hortes in eine zweigruppige KITA oder auch der seitens der Verwaltung avisierte weitere Ausbau der Waldkindergartenplätze. Vorankommen wollen wir auch bei der geplanten neuen KITA Siedlerstraße und dem Anbau für die KITA Europaring Der Einstieg in die Streetworkarbeit, um das Quartier östlich der Bahnline zu stärken, aber auch aufsuchend bei Menschen zu sein, die unsere Hilfe brauchen, und der Aufbau einer ‚Partnerschaft für Demokratie‘, die zum Beispiel mit einem BürgerInnen-Rat eine neue Beteiligungsform bereithalten wird, stehen ebenso auf der Agenda. Freuen dürfen wir uns auch auf den Start der ehrenamtlichen Seniorenbegleitung oder Kulturpartnerschaften wie jener mit der Popakademie. In der Überlegung ist auch ein ‚Lampertheimer Tag der Vereine‘ und neue Ansätze in einer auch schulraumorientierten Jugendarbeit. Im Sommer soll der Aktionsplan Inklusion vorgelegt werden, erste Früchte trägt diese Arbeit schon mit neuen inklusive Kursen an der Volkshochschule oder in der geplanten barrierefreien Ausgestaltung des Foyers im Hallenbad. Ebenso natürlich auch die Sanierung des Schwimmerbeckens im Freibad, wo die Planungen bereits laufen- und wenn im Winter dann unser Winterdorf in den Bädern nicht wieder Corona zum Opfer fällt, wäre ich mit allen Gästen sehr froh. 

    TIP : Wenn man über den Tellerrand hinausblickt – was wünschen Sie sich auf Landesebene und/oder Bundesebene seitens der Politik?

    M. Schmidt: Uns wäre sehr geholfen, wenn Land und Bund stärker bei der Finanzierung der frühkindlichen Bildung mithelfen würden. Gerade der Betrieb von KITAs und Krippen muss besser ausfinanziert werden. Würden wir hier zu einer Drittellösung kommen, bei der sich Stadt, Land und Bund die Kosten teilen, würde uns dies sehr helfen. Und dann natürlich unsere großen Themen in Lampertheim, wo wir Bund und Land dringend brauchen: Bei der Entschlammung des Altrheins, dem Kampf für einen bergmännischen Tunnel bei der Bahntrasse, der Verschwenkung der ULTRANET-Trasse oder der Umsetzung der Umgehung für Rosengarten.

    TIP: Gibt es für Sie Ereignisse, die Sie 2021 besonders erfreut haben?

    M. Schmidt:  In den KITAs und Krippen leisten unsere Erzieherinnen Großes. Wir haben sie mit Raumlüftern, Co2-Messgeräten und einer eigenen Coronateststrategie mithilfe von Lollitests so gut es irgendwie geht unterstützt. Trotzdem ist Corona im Moment dort ein großes Thema und bindet viele Kräfte. Wir haben es dennoch geschafft, innovative Konzepte wie die Partnerschaft mit der Stiftung "Achtung,Kinderseele!", die Kooperation mit dem Bildungszentrum für Gesundheitsberufe oder auch den Aufbau des Umwelt- und Naturbildungsnetzwerkes ins Auge zu fassen. Das ist ein großer Verdienst des gesamten Teams in diesem Bereich. Diese Leidenschaft bei der Arbeit erfreut mich immer wieder aufs Neue.

    TIP: … oder auch traurig gestimmt haben?

    M. Schmidt: Jedes Opfer der Coronapandemie macht nach wie vor unendlich traurig.

    TIP: Wer ist für Sie die Person des Jahres 2021 und warum?

    M. Schmidt: Da kann ich Personen nennen: Krankenpflegende, Ärztinnen und Ärzte, Altenpflegerinnen und -pfleger, aber auch Polizei, Rettungssanitäterinnen und -Sanitäter und Feuerwehrleute. Sie alle haben in den schweren Stunden der Pandemie Haltung und Einsatz für andere bewiesen, auch unter Gefährdung ihrer selbst. Das macht sie zu Vorbildern für uns alle.

    Vor einem Jahr wurde Marius Schmidt (l.) als Erster Stadtrat vereidigt – der TIP sprach mit ihm über bereits erreichtes und zukünftige Ziele. Archivfoto: Hannelore Nowacki


    TIP: Was wünschen Sie sich für das neue Jahr?

    M. Schmidt: Für alle Gesundheit, Zufriedenheit und die Erfüllung der persönlichen Wünsche. Für Europa und die Welt vor allem Frieden. Wir alle wünschen uns natürlich die nachhaltige Überwindung der Pandemie. Und für unsere Stadt eine gute Entwicklung zu einem lebendigen, guten Wohn- und Arbeitsstandort. Gerade die Entwicklung des Gewerbegebietes Wormser Landstraße II sowie die Schaffung von neuem Wohnraum im Gleisdreieck, aber auch bezahlbarem und barrierefreien Wohnraum im Stadtgebiet wäre alle Wohnraumsuchenden eine tolle Sache.  Und etwas mehr Leben in der Innenstadt täte Lampertheim natürlich gut.


    TIP: Und was haben Sie sich persönlich fest vorgenommen?

    M. Schmidt: Bei guter Gesundheit bleiben und vor allem mit vollem Einsatz für unsere Heimatstadt da sein. Erster Stadtrat zu sein ist viel mehr als ein Job. Das Amt bekleiden zu dürfen, macht mich dankbar und demütig. Die Bürgerinnen und Bürger verdienen wirklich, dass ich zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen im Rathaus, jeden Tag alles gebe und mich um ihre Anliegen kümmere und ansprechbar bin. Das werde ich weiter mit Leidenschaft tun.

    TIP: Vielen Dank für das Gespräch!

     

     

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