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  • Di., 27. Februar 2018, 14:00 Uhr
    Interview mit SPD-Landtagskandidat Marius Schmidt über dessen Ziele, Wünsche und Chancen der Politik

    „Möchte Sprachrohr der Menschen und der Region in Wiesbaden sein”

    Möchte für die SPD und die Menschen im Ried in den Landtag: Marius Schmidt. Foto: oh


    LAMPERTHEIM/RIED – Marius Schmidt wurde im Februar durch die SPD-Wahlkreisnominierungskonferenz mit einem Ergebnis von 97,7 Prozent zum Kandidaten der SPD für den künftigen hessischen Landtag gewählt. Die Wahl findet am 28. Oktober statt – der TIP sprach mit dem Vorsitzenden der SPD-Fraktion in der Lampertheimer Stadtverordnetenversammlung über seine Ziele, Wünsche und Beweggründe, als Landtagskandidat anzutreten.

    TIP: Herzlichen Glückwunsch zur Nominierung durch Ihre Partei. Mit welchen Zielen treten Sie bei der Landtagswahl für die SPD an? Und warum wollen Sie in den Landtag?

    Marius Schmidt: Die SPD hat auf Landesebene drei wesentliche Handlungsfelder erkannt, die für mich von besonderer Bedeutung sind: Das erste ist die gebührenfreie Bildung von  Anfang an, von der Krippe und Kita bis zum Ende der Ausbildung. Hierzu gibt es einen Stufenlan, um die kompletten Gebühren für Kita und Krippen abzuschaffen. Der finanzielle Spielraum ergibt sich hierbei aus den zusätzlich zur Verfügung stehenden Mitteln aus dem Länderfinanzausgleich. Ein weiterer Punkt ist die Schaffung bezahlbaren Wohnraumes. Hier ist noch viel Luft nach oben. In den nächsten Jahren fehlen 3.000 Wohnung im Kreis, hier brauchen wir eine Landesstrategie –besonders in finanzieller Hinsicht, um bezahlbaren  Wohnraum zu schaffen. Und drittens gibt es ein für mich ganz persönliches Thema, weil ich mich besonders dafür einsetzen möchte, eine bessere finanzielle Ausstattung für Kommunen zu bekommen. Was vor Ort geregelt werden kann, soll auch vor Ort geregelt werden, aber dazu benötigt man finanzielle Freiräume, beispielsweise für Straßen, Vereinsförderung und die Integration. Für genau diese möchte ich mich einsetzen.

    TIP: Wie sind Sie zur Politik gekommen?

    Marius Schmidt: Bei der Landtagswahl 2008 gab es ein großes Porträt von Andrea Ypsilanti. Meine Mutter kam damit in mein Zimmer und fragte: „Andrea Ypsilanti war bereits Sprecherin der Jusos, als sie so alt war wie du. Was machst du für die Allgemeinheit? Du hast gute Ansichten, kannst gut reden – wir melden dich mal an.” Aufgrund der sozialen Einstellung und der Grundwerte fiel die Wahl auf die SPD. An einem Sommertag klingelte Jens Klingler bei mir und überreichte mir das Parteibuch – verbunden mit dem Hinweis, dass die SPD Lampertheim derzeit keine Internetseite habe. Er fragte ob ich helfen kann – ich sagte ja und wurde so in die Arbeit der SPD Lampertheim eingebunden. Das Interesse war zuvor schon da, sich politisch einzubringen, aber der Anstoß kam bei mir eindeutig von außen.

    TIP: Was nutzt dem Bürger vor Ort die Landespolitik?

    Marius Schmidt: Landespolitik regelt ganz viele konkrete und greifbare Dinge wie Schule, Justiz, die finanzielle Ausstattung der Kommunen oder den Bereich der Polizei – dies sind alles klassische Aufgaben der Landespolitik, die ganz direkt das tägliche Leben der Menschen in Lampertheim und der Region beeinflussen. Diese sind sehr bedeutend und werden oft unterschätzt.

    TIP: Was werden die Schwerpunktthemen Ihres Wahlkampfes sein?

    Marius Schmidt: Einiges habe ich bereits erwähnt, hinzu kommen die Digitalisierung und die Mobilität: Gerade im Bereich des Internet benötigen wir eine gute Infrastruktur, um dauerhaft als Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben. Kreisweit 50 mbit werden hierfür nicht ausreichen, auch eine flächendeckende UTMS-Abdeckung ist hierbei von großer Bedeutung. Ein weiterer Schwerpunkt ist für mich der Ausbau des ÖPNV, denn in diesem liegt die Zukunft: Die verkehrliche Infrastruktur gerät an ihre Grenze, wir müssen intensiv an eine Gesamtkonzeption aus Bus, Bahn und Schiene denken, um den Verkehrskollaps auf den Straßen zu vermeiden.

    Und welche Ziele wollen Sie konkret für Lampertheim und das Ried erreichen?

    Marius Schmidt: Neben den genannten: Ob den Ausbau der B 47 und damit verbunden die Ortsumgehung Rosengarten zu forcieren, die Altrheinausbaggerung voranzutreiben, den Strukturwandel in Biblis gestalten, gegen die geplante ICE-Trasse Stellung zu beziehen oder die Verkehrsinfrastruktur in Bürstadt zu verbessern – ich werde mich ganz konkret dafür einsetzen, diese Dauerbrenner zu einem erfolgreichen Ende zu führen.

    TIP: Sie sind Vorsitzender des SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Lampertheim und kennen daher die Schwierigkeiten im Bereich der Finanzen für die Kommunen. Wie soll deren Finanzlage verbessert werden?

    Marius Schmidt: Die Stadt Lampertheim schreibt jährlich alleine bei den Kitas 6 Millionen Euro Defizit – nicht, weil wir schlecht wirtschaften, sondern weil wir Qualität wollen. Hier gibt es wichtige Aufgaben, die bezahlt werden müssen. Daher wollen wir als SPD nicht nur die Kita-Gebühren abschaffen, sondern gleichzeitig auch mehr finanzielle Unterstützung seitens des Landes für die Kommunen im Bereich der Kitas generieren – nicht nur beim Bau, sondern besonders auch beim Betrieb der Kita. Es ist wichtig, dieses Defizit bei den Kommunen nachhaltig und deutlich zu reduzieren. Und eines muss klar sein: Das Land kann nicht jede Maßnahme auf Kosten der Kommunen finanzieren, leider ist genau dies in den letzten Jahren zu häufig passiert.

    TIP: Wie hilft Ihre bisherige lokalpolitische Erfahrung in anderen Bereichen  für die Aufgabe in Wiesbaden?

    Marius Schmidt: Weil ich als Anwalt der Kommunen agieren kann, denn ich kenne die Sorgen, Ängste, Nöte und Herausforderungen vor Ort. In der Kommunalpolitik habe ich gelernt, engagiert und voller Einsatz die Anliegen der Menschen anzunehmen und sichtbar vor Ort meinen Einsatz zu leisten.

    TIP: Nennen Sie bitte drei Gründe, warum Sie der beste Kandidat in Ihrem Wahlkreis sind?

    Marius Schmidt: Zunächst einmal vereine ich frischen Wind und Elan für diese Aufgabe mit fundierter politischer Erfahrung in Kreis und Kommune. Zudem kann ich mich mit den genannten Themen auch aus eigenem Erleben heraus voll und ganz identifizieren: Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie und habe studiert. Von daher sind es keine Lippenbekenntnisse, sondern die kostenfreie Bildung von Anfang an ist für mich ein Herzensthema. Ich habe selbst erlebt, wie wichtig kostenfreie Bildung bis zum Ausbildungsabschluss ist. Und drittens bin ich von hier, ich kenne die Region und die Menschen und identifiziere mich mit diesen. Ich würde mich freuen, Sprachrohr hierfür in Wiesbaden sein zu dürfen.

    TIP: Ist es ein Vor- oder ein Nachteil, als junger Kandidat gegen einen erfahrenen Landespolitiker anzutreten?

    Marius Schmidt:  Ich glaube es ist ein Vorteil. Trotz meiner jungen Jahre konnte ich eine gewisse Lebenserfahrung sammeln: Seit ich 16 bin habe ich immer nebenher gearbeitet. Dabei weiß ich Lebenserfahrung mit jugendlichem Elan zu verbinden und in diesem Fall ist es mit Sicherheit gut, wenn ich aus neuer Perspektive insbesondre im Interesse der jungen Generation neue Themen und Farbe in den Wahlkampf einzubringen – ohne jemanden zu vernachlässigen, denn es ist wichtig, sich für alle Generationen einzusetzen um ein gelungenes Miteinander in der Gesellschaft zu erreichen.

    TIP: Wenn es nicht klappt mit dem Direktmandat. Glauben Sie, es könnte für Sie auch über die Landesliste reichen?

    Marius Schmidt: Die Landesliste wird am 9. Juni beim Landesparteitag aufgestellt, dann wissen wir mehr. Der sicherste Weg ist der Gewinn des Direktmandats, bei der Landesliste ist es neben dem Listenplatz vom Ergebnis der SPD bei der Landtagswahl anhängig.

    TIP: Wie bauen Sie jetzt Ihren Wahlkampf auf?

    Marius Schmidt: Es wird ein sehr inhaltlich geprägter und moderner Wahlkampf, der alle Generationen ansprechen soll – im realen Leben als auch im Internet. Ich möchte besonders zwei Farben setzen: In Unternehmen, Vereinen und Verbänden möchte ich mich aktiv einbringen, auch durch Praktika, um einen persönlichen Einblick zu gewinne. Und ich möchte das Thema Bürgerbeteiligung fernab von klassischen Veranstaltungsformaten neu beleben, ganz nach dem Motto „Sagt mir was Euch wichtig ist!”. Natürlich werden aber auch die klassischen Wahlkampfelemente wie Informationsstände und -veranstaltungen nicht fehlen.

    TIP: Manche Menschen fühlen sich abgehängt. Wie kann Politik diese Menschen zurückgewinnen, damit Sie nicht rechten Parolen nachrennen?

    Marius Schmidt:  Wichtig ist, das Politik gute Arbeit macht. Das heißt: Einsatz für das Gemeinwohl zeigen und täglich versuchen, das Leben der Menschen besser zu machen. Und ebenfalls ganz wichtig: Vertrauen schaffen. Denn Vertrauen ist die wichtigste Währung. Dieses gewinnt man durch Zuhören, Haltung und Glaubwürdigkeit. Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau hat gesagt: Tun was man sagt und sagen was man tut. Ich füge noch hinzu: Ehrlich den Menschen erklären, was funktioniert. Vor der Wahl und nach der Wahl.

    TIP: Vielen Dank für das angenehme und offene Gespräch!

    Das Interview führte Benjamin Kloos.

     
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