Unterbringung der Flüchtlinge: Zentrale Lösung in Florianstraße? / Appell an Kommunalpolitiker
„Müssen uns dieser Aufgabe gemeinsam stellen"
Hier könnten Wohnungen für 240 Flüchtlinge entstehen: Auf dem städtischen Gelände in der Florianstraße in Lampertheim. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM - Keine einfache Aufgabe wartet derzeit auf die Stadt Lampertheim ebenso wie für alle anderen Kommunen im Ried: 116 Flüchtlinge kamen 2014 nach Lampertheim, 70 sollen im ersten Quartal des neuen Jahres folgen, in 2015 insgesamt 280. Doch wo sollen diese wohnen? Bisher ist es gelungen, die Menschen, die vor Gewalt und Terror in ihren Heimatländern geflohen sind, in Häusern und Wohnungen unterzubringen, die bereits bestehen. „Dabei decken wir den gesamten möglichen Spielraum ab, seien es städtische Wohnungen, von der Stadt angemietete Wohnungen oder vom Kreis Bergstraße angemietete Wohnungen", stellte der Erste Stadtrat Jens Klingler im Rahmen des Magistratspressegesprächs am Mittwoch klar.
Containerlösung vermeiden
Fakt ist: „Wir müssen die Flüchtlinge unterbringen", betont Bürgermeister Gottfried Störmer. „Was wir auf keinen Fall wollen, ist eine Containerlösung." Vielmehr setzt die Stadtverwaltung auf eine zentrale Lösung in der Florianstraße, hier sollen Wohnungen für 240 Flüchtlinge entstehen.
Die Baugenossenschaft Bensheim würde den Bau übernehmen und eine Hausmeisterstelle schaffen, der Kreis Bergstraße würde bei einer Unterbringung von Flüchtlingen in dieser Größenordnung zudem 1,5 Stellen kreieren, um die Betreuung der Flüchtlinge vor Ort zu übernehmen. „Dies wäre besonders wichtig, denn eine ehrenamtliche Betreuung von Bürgern unserer Stadt, wie sie bisher in herausragendem Maße für die mittlerweile hier lebenden Flüchtlinge angeboten wird, könnte bei einer Größenordnung von 240 neuen Flüchtlingen nicht mehr gewährleistet werden. Hier wäre die Unterstützung des Kreises sehr wichtig- das Angebot des Kreises gilt aber nur für eine Lösung in dieser Kategorie", so Störmer weiter. „Ein weiterer Pluspunkt bei dieser Variante: Für die Zeit nach den Flüchtlingen würde bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehen", stellte Störmer mit Blick auf den Bedarf gerade im sozialen Wohnungsbau dar. So könnte in der Florianstraße eine gepflegte Anlage entstehen, in der die Flüchtlinge gute Voraussetzungen für eine gelungene Integration hätten.
Von Diskussion überrascht
Umso überraschter zeigten sich sowohl Bürgermeister Gottfried Störmer als auch der Erste Stadtrat Jens Klingler angesichts der Diskussion in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschusses am Dienstag. Dort wurde eine hoch emotionale Debatte geführt, in der eine zentrale Lösung in der Florianstraße in Frage gestellt wurde. Seitens der Fraktion hätte es noch Klärungsbedarf gegeben, daher wurde die Entscheidung in die nächste Sitzung am 26. März vertagt. „Offenbar haben wir es nicht geschafft, den Kommunalpolitikern zu verdeutlichen, welche Aufgaben in diesem Bereich auf unsere Stadt zukommen. Dabei haben wir bereits frühzeitig gesagt, dass die zentrale Lösung wichtig sei, um Containersiedlungen zu vermeiden. Bereits im August hatten wir ein Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden bezüglich der Variante in der Florianstraße. Durch die Verschiebung der Entscheidung verlieren wir viel Zeit", waren sich die beiden Politiker einig. „Wir haben keinen wirklichen Plan B. Die Alternative für die Florianstraße wäre einerseits eine Containerlösung, die wirklich niemand möchte, oder die Aufteilung in verschiedene Gebiete." So könnten neben der Florianstraße auch in den Neubaugebieten in Hüttenfeld und in Hofheim Häuser für die Flüchtlinge entstehen. „Dadurch hätten wir weniger Flüchtlinge an einem Ort, aber auch nicht mehr die Unterstützung seitens des Kreises mit den 1,5 Stellen zur direkten Betreuung vor Ort", stellte Bürgermeister Störmer fest. Die Betreuung würde dann dezentral durch den Kreis erfolgen, die Stadt müsste sich um alles selbst kümmern.
Appell an Kommunalpolitiker
„Die Unterbringung der Flüchtlinge ist eine Aufgabe, der wir uns gemeinsam stellen müssen. Es wäre wichtig, eventuelle Fragen im Vorfeld zu klären und nicht erst in öffentlicher Sitzung Ängste zu schüren, die völlig unbegründet sind. Die Emotionen sind verständlich, aber wenig hilfreich. Hier geht es um die Menschen, die vor Terror und aus Angst geflohen sind, diesen sollten wir bestmöglich helfen", appellierten Bürgermeister Störmer und der Erste Stadtrat Jens Klingler mit Blick auf die anstehende Entscheidung an die Kommunalpolitiker.
Am Donnerstagabend erfolgte übrigens eine Information für die direkt betroffenen Anwohner der Florianstraße, um die Situation zu erörtern. Benjamin Kloos