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Do., 08. August 2024, 09:26 Uhr
SPD-SOMMERTOUR: Baustellen der Biedensandbäder besichtigt – neuer Jugendtreff Biedensandbäder fraglich
Nächste Freibadsaison mit Edelstahlbecken – neue Duschanlage im Hallenbad
Rund 2,1 Millionen Euro wird insgesamt in die Sanierung des Schwimmerbeckens investiert.
LAMPERTHEIM – Sonniges Schwimmbadwetter begleitete am frühen Montagabend die SPD-Sommertour zu den Biedensandbädern. Doch nicht Schwimmen war angesagt, sondern zunächst eine Baustellenbesichtigung unter Führung des Ersten Stadtrats Marius Schmidt, der auch Geschäftsführer der Biedensandbäder ist. Schmidt freute sich über die große Gruppe von etwa dreißig Teilnehmern und das sonnige Wetter, das dem Freibad im August mehr Badegäste bringen soll. Mandatsträger, SPD-Mitglieder und interessierte Bürger waren gekommen, die sich bei einem Rundgang die gerade in der Sanierung befindlichen Duschanlagen und das Hallenbad mit dem wasserfreien Schwimmerbecken anschauen konnten. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jens Klingler hieß die Gruppe willkommen und skizzierte das bevorstehende Programm, zu dem im zweiten Teil ein Spaziergang zum Gelände des Angelsportvereins 1920 gehörte. Das beherrschende Thema waren hier die Pläne der Stadtverwaltung für die Schaffung eines Jugendtreffs Biedensandbäder mit umfangreichem Freizeitangebot und Basketballplatz in unmittelbarer Nachbarschaft, Seh- und Hörweite der Angler.
Eine besondere Badesaison
Biedensandbäder-Geschäftsführer Marius Schmidt ließ die Teilnehmer wissen, dass die diesjährige Badesaison eine ganz besondere sei, was sich auch beim Blick durch die große Fensterfront nach draußen zeigte – das Schwimmerbecken im Freibad ist eine Baustelle und das Hallenbad ist außer Betrieb. Schmidt rechnet mit der Fertigstellung des neuen Edelstahlbeckens Ende des Jahres, so dass in der nächsten Freibadsaison im sanierten und wettkampftauglichen 50-Meter-Schwimmerbecken dem Wassererlebnis mit acht Bahnen nichts mehr im Wege steht. Zurzeit machen die Baufirmen Betriebsferien. Das Edelstahlbecken soll eine Lebensdauer von 30 Jahren haben. Ein 5-köpfiges Spezialistenteam verschweißt die einzelnen Edelstahlteile. Der neue Komfort-Einstieg liegt außerhalb des Beckens, sodass alle acht Bahnen komplett nutzbar seien. Fachkräftemangel, Hochwasser und Grundwasser hätten für Verzögerungen gesorgt. Für die Badewassertechnik und die neue, größere Rücklaufkammer für das überlaufende Wasser, sind Lampertheimer Firmen beauftragt, denen Schmidt sein Lob aussprach. Insgesamt komme die Schwimmbeckensanierung auf 2,1 Millionen Euro. Aus Kostengründen werden die Edelstahlplatten auf den bisherigen eingekürzten gekachelten Wände installiert. Mit 1,80 Metern Tiefe wird das Becken flacher als das bisherige. In den letzten elf Jahren seien in den Biedensandbädern 10 Millionen Euro verbaut worden, teilte Schmidt mit und bekräftigte: „Wir wollen Standort für ein Hallen- und Freibad bleiben – und sehen einer guten Zukunft entgegen“.
Neue Hallenbad-Duschanlage im Bau
Für knapp 400.000 Euro wird die Duschanlage im Hallenbad seit Anfang Juli in dezentraler Bauweise mit drei neuen Boilern (vorher in Boiler) und neuen Duschköpfen komplett erneuert, um den Vorgaben des Gesundheitsamtes zu entsprechen. Alte Rohre werden stillgelegt, die neuen Kupferrohre werden isoliert – mit der Folge, dass der Boden der Empore höher gelegt und der Belag erneuert werden muss. Mit einer Bauzeit von 10 Wochen rechnet Schmidt. Zukünftig also keine defekten tröpfelnden Duschen mehr, dazu Wasserersparnis und längere Intervalle der Beprobung.
In der Hallenbadsaison können sich die Badegäste über die neue Duschanlage freuen. Für eine angenehme Atmosphäre sorgt die Akustik dank Schalldämmung. Foto: Hannelore Nowacki
Wohin kommt der geplante Jugendtreff?
Beim Angelsportverein 1920 (ASV) stand vor dem gemütlichen Abschluss mit Bratwurst vom Grill und kühlen Getränken eine Gesprächsrunde mit der Vereinsspitze und Mitgliedern im Grünen auf einer Wiese mit altem Baumbestand auf dem Programm – zahlreiche hungrige Stechmücken gesellten sich dazu. Das Gelände am Badesee hat der ASV von der Stadt Lampertheim auf Jahrzehnte gepachtet, eine Oase der Ruhe mit munteren Fischen im sauberen Wasser, blühenden Seerosen und einer schönen Terrasse. Mit der Ruhe wäre es vorbei, wenn die Stadtverwaltung ihre Rahmenplanung Altrhein mit einem „Jugendtreff Biedensandbäder“ hier direkt am Vereinsgelände umsetzen würde. Umfangreiche Freizeitanlagen bis zum Rheindeichund ein Basketballplatz sind in dem Gesamtkonzept Altrhein verzeichnet, das die Stadtverwaltung den Stadtverordneten in der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Bauausschusses (SEBA) am 25. Juni zum Beschluss vorgelegt hatte. Auch der ASV sei bei einem Termin vor Ort vom Fachbereich informiert worden, berichtete ASV-Vorsitzender Matthias Seidenspinner. Am Vorgehen der Stadtverwaltung setzte die Kritik des SPD-Fraktionsvorsitzenden Jens Klinger an, der erklärte, ein Vorhaben von dieser Dimension müsse von allen Stadtverordneten diskutiert werden, die am Ende auch den endgültigen Beschluss fassen. Die SPD-Fraktion sei jedenfalls nicht überzeugt gewesen.
„Dann dauert es halt länger – das ist Demokratie“
Auf über 30 Seiten der Präsentation sei es um die Umgestaltung der Strecke vom Wassersportverein bis zum Angelsportverein gegangen. Klingler zeigte sich erleichtert, dass der Ausschuss nicht abstimmte. Auch mit Blick auf die Erfahrungen mit dem Alfred-Delp-Platz bezüglich WC befürwortet Klingler keinen Schnellschuss. Vielmehr sollen Anlieger die Chance haben ihre Stimme zu erheben. „Dann dauert es halt länger – das ist Demokratie“. Vereinsvorsitzender Seidenspinner und Stellvertreter Markus Kern machten ihre Bedenken zu diesem „falschen“ Standort deutlich: Zu abgelegen für die Zielgruppe junger Leute von 13 bis 17 Jahren, der Basketballplatz direkt am Badesee, hohe Zäune und Drehtor zum Schwimmbad, weitere Freizeitanlagen und mehr Verkehrsaufkommen. Mitglieder hätten bereits mit Austritt gedroht, es gebe die allergrößten Bedenken und einen negativen Konsens, ließ Seidenspinner wissen. In der nächsten Sitzungsrunde im Herbst werde die SPD diese Bedenken mit einfließen lassen, kündigte Klingler an. Aber welche Alternativen gibt es? Dass ein Jugendtreff sinnvoll sei, fand in der Runde Zustimmung. Altstadtrat Fritz Götzmeinte, es gebe noch mehr Plätze in Lampertheim und Lara Strubel denkt, dass es kein Ort mit Konfliktpotenzial sein soll.
Hannelore Nowacki
Blick vom Angelsportverein 1920 über den Badesee der Biedensandbäder hinweg zur Rutsche im Freibad. Foto: Hannelore Nowacki