Information und Kommunikation in würziger Waldluft - die SPD-Sommertour führte zu Fuß und mit dem Fahrrad in den städtischen Waldkindergarten. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Das Elterntaxi fährt nicht direkt vor den Waldkindergarten, die Kinder gehen zu Fuß hin und auch wieder zurück – täglich fast drei Kilometer. Vierzig Minuten ungefähr brauchen die kleinen Füße für die einfache Strecke. Wer als Erwachsener mit zügigem Tempo durch den Wald geht, kann in etwa fünfzehn Minuten am Waldkindergarten „Fuchsbau“ ankommen, in der Nähe ist die Grillhütte. Wie sich dieses Erlebnis anfühlt, wollte eine Teilnehmergruppe der SPD-Sommertour am Montagabend mit Marius Schmidt zusammen ausprobieren. Als sie das Ziel erreichten, war die Fahrradgruppe schon eingetroffen und bestaunte die Betreuungseinrichtung für drei- bis sechsjährige Kinder, die so ganz anders ist. Mit von der Partie war die SPD-Spitze mit dem Ortsvereinsvorsitzenden und Ersten Stadtrat Jens Klingler und Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass sowie weiteren Amts- und Mandatsinhabern und Mitgliedern. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht war unter den Besuchern, die Kindergartenleiterin Susanne Jäger in großer Runde empfing. Mitten im Lampertheimer Wald auf einer Lichtung steht ein großer neuer Bauwagen, ein herzliches Willkommen ist auf ein Fenster gemalt. Diese Spezialanfertigung mit 9 Metern Länge aus Bensheim hat Platz für 20 Kinder, ein freundlicher Raum mit einem langen Tisch. Ein kleiner Gemüsegarten ist eingezäunt, Schnecken mögen das Grünzeug, aber die Wildschweine und Rehe bleiben draußen, erzählte die Leiterin und erläuterte den Besuchern Gestaltung und Konzept des Waldkindergartens. Eine Sitzgruppe mit Feuerstelle lädt zum kommunikativen Beisammensein ein, während Zauneidechsen die Wärme des Feuers schätzen. Hessen Forst hat die Möblierung aus Baumstämmen zugeschnitten, die Kinder haben gepinselt. Ein in die Jahre gekommener Bauwagen steht ein wenig abseits, ein Geschenk des Bauhofs, das noch aufgefrischt werden soll. Tief und zufrieden durchatmen in würziger Waldluft war angesagt - die SPD-Sommertour hatte mitten in ein Naturparadies geführt. Ein Fuchs ließ sich nur einmal von Ferne blicken, berichtete Kindergartenleiterin Jäger. Der Kindergartenname „Fuchsbau“ sei aus Elternvorschlägen ausgewählt worden, das Schild über dem Eingang habe Waldpädagoge Mirko Klein gezimmert. Drei Erzieherinnen und ein männlicher Kollege kümmern sich zurzeit um neun Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren, 17 Kinder stehen auf der Warteliste. „Hier ist Natur pur – die Eins-A-Wahl“, lobte SPD-Vorsitzender Klingler den Standort. Fast zwei Jahre habe es gedauert, bis das Konzept und sonstiges geklärt worden sei, „eine Herzensangelegenheit“. Der städtische Kindergarten „Fuchsbau“ könne jedoch im Moment kein warmes Mittagessen leisten, deshalb sei die Öffnungszeit nur sechs Stunden bis 14 Uhr möglich. Dennoch ist die Warteliste lang. „Ich war auch überrascht“, meinte Klingler, „ich glaube, wir haben den Zeitgeist getroffen“. Seit 2. Mai hat der Waldkindergarten geöffnet, mit guten Erfahrungen, auch in der Müllvermeidung und im Gärtnern, mit dem Fazit: „Wir sind auf dem richtigen Weg“, ist die Leiterin überzeugt. Sogar bei Regen wollen die Kinder draußen sein, erfahren die Besucher, aber es gibt die Regel „nicht weglaufen und nicht verstecken, wenn nicht Verstecken gespielt wird“. Wie in anderen Kindergärten gebe es den Morgenkreis und das gemeinsame Frühstück. Manches ist anders, fließendes Wasser gibt es nicht, nur eine Handpumpe, und das schön mit Holz verkleidete Dixi-WC steht ein wenig abseits. Besuche von Freunden und anderen Einrichtungen sind gerne gesehen. Und wenn es gewittert wie kürzlich am frühen Morgen, dann gibt es ein vereinbartes Ausweichquartier im Kindergarten in Neuschloß. Jäger kennt nur positive Reaktionen von Eltern, während Klingler auch beim Personal großes Interesse vorfand. Der Anstoß für den Waldkindergarten sei ursprünglich von Erzieherinnen gekommen, die für ihre Idee in der Politik und Stadtverwaltung schnell Verbündete fanden. „Super“ findet sie den Waldkindergarten und versichert mit leuchtenden Augen: „Wir alle vier sind mit Begeisterung dabei“. Hannelore Nowacki