
LAMPERTHEIM/BÜRSTADT – Am 25. November jedes Jahr wieder wird der Internationale Gedenktag unter dem Motto „NEIN zu Gewalt an Frauen“ begangen, von der UN-Generalversammlung bereits 1999 bestimmt, um das öffentliche Interesse auf das Thema zu lenken und Strategien zur Bekämpfung der Gewalt anzuregen. In diesem Jahr stellt UN Women Deutschland jene Gewalt in den Mittelpunkt der Kampagne, die Frauen und Mädchen täglich in der Öffentlichkeit erleben – auf der Straße, am Arbeitsplatz oder in der digitalen Welt. Bei den Veranstaltungen in Lampertheim und Bürstadt machten die Frauen- und Gleichstellungs-Beauftragten der beiden Städte mit ihrem Vortrag die Gewalt an Frauen fast fühlbar. Berührend war der Klang der Glocke, die sie als Zeichen für verübte Femizide, also Morde an Frauen, vor allem durch ihre Partner und Ex-Partner, am Lampertheimer Stadthaus untereinander weiterreichten – ein Läuten für jede betroffene Frau. In der Schweigeminute schien sogar der Verkehrslärm zu schweigen. Nina Hartmann sprach im Vortrag von der aktuellen Statistik, die einen Anstieg der Gewalt gegenüber dem Vorjahr offenbart, vermutet wird jedoch eine sehr viel höhere Dunkelziffer. Allein im Kreis Bergstraße habe es in den vergangenen neun Monaten zwei Femizide gegeben. Gerasimoula Grigoraki, die Bürstädter Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, machte deutlich, dass in Deutschland alle zwei Tage ein Mann seine (Ex-)Partnerin tötet und 63 Prozent der politisch engagierten Frauen digitale Gewalt erleben. Sogar 90 Prozent der jungen Frauen empfinden nachts bei der Begegnung mit unbekannten Männern Angst.
Foto: Hannelore Nowacki
Seit 2004 wird in Lampertheim und Bürstadt jährlich zum Internationalen Gedenktag die Fahne gehisst, um ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt und für ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes und freies Leben von Mädchen und Frauen zu setzen. Das Thema könne nicht verdrängt werden, meinte Bürgermeister Gottfried Störmer in seiner Ansprache, es müsse doch was getan werden, dass die Gewalt verhindert werde. Sein Rat an alle, die in ihrer Umgebung etwas mitbekommen: Nachfragen und Rat holen, aber nicht eigenständig aktiv werden oder gar an der Tür klingeln. „Wir müssen aufmerksam bleiben“, mahnte Störmer. Auch im Kreis Bergstraße gebe es Fälle häuslicher Gewalt. Laut Statistik seien 2024 über 187.000 Fälle in Deutschland erfasst worden, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 3,5 Prozent. Im angenehm temperierten Foyer des Stadthauses war die orangefarbene Sitzbank mit der Botschaft „STOPP! Hier ist kein Platz für Gewalt gegen Frauen!“ aufgestellt. Zahlreiche Teilnehmer der Kundgebung nahmen hier Platz und wurden von Stefanie Reis, der stellvertretenden Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten aus Bürstadt zur Erinnerung fotografiert. In Bürstadt wurde die Fahne am Rathaus abends gehisst, auch hier lud eine orange lackierte Aktionsbank zum Platznehmen ein.
Hannelore Nowacki