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  • Di., 28. Mai 2019, 08:48 Uhr
    Bürgerinformationsveranstaltung zur Grundwassersanierung

    Neues Verfahren, um das Arsen loszuwerden

    Im verlängerten Ulmenweg arbeitet diese Anlage im Rahmen der Grundwasserreinigung.  Foto: Hannelore Nowacki


    NEUSCHLOSS – Die chemische Fabrik, die in Neuschloß großflächig den Boden und das Grundwasser mit Abfallprodukten unter anderem aus der Produktion von Soda, Säuren und später auch Kunstdünger vergiftete, produzierte in der Zeit von 1827 bis 1927, wurde nach der Schließung abgerissen, die Fundamente und Rückstände jedoch im Boden belassen. Nachdem das Gelände zwanzig Jahre brachgelegen hatte, wurden hier seit den 1950er Jahren Wohnhäuser gebaut. In einer großen Sanierungsaktion von 2003 bis 2013 wurden im Wohngebiet mit 126 betroffenen Grundstücken 200.000 Tonnen Boden ausgebaggert und entsorgt sowie über drei Millionen Kubikmeter Grundwasser gefördert und in der 2003 erbauten Grundwasseraufbereitungsanlage gereinigt. Seitdem wird fortlaufend kontaminiertes Grundwasser gefördert und Arsen entfernt. 50 Tonnen Arsen im Boden wurden von 2003 bis 2013 beseitigt. 10 Tonnen Arsen sind aktuell an feste Stoffe im Boden gebunden, davon sind 5 bis 7 Tonnen mobilisierbar. Ein Glücksfall ist das neue Verfahren zur Grundwassersanierung für Neuschloß, das als Pilotprojekt erfolgreich war und nun großtechnisch in mehreren Phasen umgesetzt werden soll. Im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung im Bürgersaal wurden die Planungen vorgestellt. Bislang musste mit etwa 100 Jahren gerechnet werden, bis das mit Arsen verseuchte Grundwasser abgepumpt sein sollte. Die Erfindung eines weltweit einzigartigen Verfahrens zur Arsenmobilisierung am Institut für Geowissenschaften an der Universität Heidelberg soll jedoch schon in acht bis zehn Jahren zum Erfolg führen. Allerdings wird der Untergrund auch dann nicht völlig frei von Arsen sein, jedoch in unschädlicher Konzentration, wie die Experten der HIM-ASG mit Sitz in Biebesheim in ihrem Vortrag über den aktuellen Sachstand der Grundwassersanierung und das weitere Vorgehen mit großtechnischer Arsenmobilisierung berichteten. Eine Gefahr für das Bürstädter Wasserwerk droht durch das Arsen, wenn sich die vergiftete Grundwasserfahne mit 1.000 Metern Länge und 200 Metern Breite weiter in Richtung Bürstädter Wald bewegt. Geschäftsführerin Birgit Schmitt-Biegel und der zuständige Projektleiter Diplom-Geologe Dieter Riemann bei der Hessischen Industriemüll und Altlastensanierungsgesellschaft sind mit den giftigen Hinterlassenschaften der ehemaligen chemischen Fabrik in Neuschloß seit mehreren Jahren befasst. Die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren lobte die Vorsitzende der Bürgerkammer Carola Biehal, die als Vorsitzende des Projektbeirats Altlasten Neuschloß seit 1995 mit dem Thema vertraut ist. Die erweiterte Wasseraufbereitungsanlage soll von Mai bis September 2019 an der L 3110 gebaut werden. Probleme mit Lärm und Hallenhöhe seien „ganz gut gelöst“ worden, erklärte Riemann. Ein Tag der offenen Tür sei geplant. Die Grundwassersanierung werde vom hessischen Umweltministerium mit mehr als 1 Million Euro pro Jahr finanziert. Schmitt-Biegel wies darauf hin, dass das neue Verfahren deutlich wirtschaftlicher sein werde. 

    Stephan Frech, Fachdienstleiter Umwelt bei der Stadt Lampertheim, betonte bei der Veranstaltung mit zwölf Neuschlösser Bürgern, dass die Grundwasserentnahme im Bereich dieser belasteten Grundwasserfahne verboten ist. Auch Geologe Riemann warnte davor, hier verbotenerweise private Brunnen anzulegen. Auf dem gesamten früheren Betriebsgelände seien Schadstoffe in Boden gelangt, schwerpunktmäßig in zwei Sickergruben und weiteren Flächen. Bereits eingezäunt, vorläufig gesichert und überwacht seien die Sandgrube hinter dem Fichtenweg und die Fläche Roter Hof im Wald Richtung Hüttenfeld, im Zustrom des Sodabuckels liegt, wie Fachdienstleiter Frech mitteilte. Voraussichtlich 2022 soll hier saniert werden. Hannelore Nowacki

     
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