Thema „Krebs und Infektionen“: Nobelpreisträger Professor Dr. Harald zur Hausen hält Vortrag am Lessing-Gymnasium / Vorsorge und Prävention im Fokus
„Nur wer anders denkt, verändert die Welt”*
Schulleiterin Silke Weimar-Ekdur, Professor Dr. Harald zur Hausen und die Biologie-Lehrer Monika Preis und Michael Lindner. Foto: Steffen Heumann
LAMPERTHEIM – „Es sei nicht alltäglich, aber er komme gerne in Schulen, um mit jungen Menschen in Dialog zu treten”, erklärt Professor Dr. Harald zur Hausen am Montagmittag vor Schülern der Biologie-Leistungskurse im Lessing-Gymnasium. „Quer denken, auch mal gegen den Strom schwimmen”, gab der Medizin-Nobelpreisträger von 2008 dem hoffnungsvollen Nachwuchs mit auf den Weg. Ohne Hartnäckigkeit hätten die Forschungen nicht zum Ziel geführt. Entgegen dem medizinischen Zeitgeist widerlegte Harald zur Hausen zu Beginn der 80er Jahre die These, dass Herpesviren verantwortlich für Gebärmutterhalskrebs seien. Zur Hausen analysierte das Humane Papillomavirus (HPV), in rund 70 Prozent aller Fälle verantwortlich für jene Krebsart, an der in Deutschland jährlich weit über 6000 Frauen neu erkranken.
Für den Virologen war der Erfolg und der Nobelpreis zwar eine Form der Anerkennung seiner Arbeit, „aber mehr eine Stimulanz, weiter zu forschen”. Kritik versteht der Mediziner stets als Motivation. Schließlich richtete sich sein Augenmerk auch auf die Entwicklung von Impfstoffen. Genugtuung oder Zufriedenheit nach dem Erfolg? Harald zur Hausen gibt sich bescheiden. „Mir ist ein wichtiger Schritt gelungen. Es gibt aber noch viel zu tun.”
Dass eine Vielzahl der Ursachen an Erkrankungen nicht nur an den unterschiedlichen Krebsarten, noch nicht eindeutig geklärt sind, stellte der Nobelpreisträger in zahlreichen Abrissen und in verkürzter Form bei seinem Fachvortrag in der Schulmensa unter Beweis. Harald zur Hausen legte den Finger in die Wunde. Trotz aller Erfolge und den Erkenntnissen der Forschung herrsche in Deutschland eine große „Impfmüdigkeit”. „Es gibt gezielte Programme, die wirken und Impfungen, die schützen”, hofft der Gast auf ein Umdenken in der Bevölkerung. Vorsorge und Prävention seien nunmal unerlässlich.