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    STARKREGEN: Veranstaltung der Stadt Bürstadt zur neuen Studie im Bürgerhaussaal gut besucht

    Oberflächenströme lenken – was Bürger tun können 

    Starkregenereignisse bergen so manche Gefahren – manchmal mit verheerenden Folgen. Präventive Maßnahmen sollen vor Überflutungen schützen. Foto: Pixabay.com/_Alicja_


    BÜRSTADT – Das Problem Starkregen hat Bürstadt fest im Griff, das zeigte die gut besuchte Bürgerveranstaltung am Montag im Bürgerhaussaal. In lebhafter Erinnerung ist noch der 11. Juni 2018, als Bürstadt und vor allem auch der Stadtteil Bobstadt von Sturzfluten heimgesucht wurden. In zwei Schüben kam damals der Starkregen, zuerst lief das Kanalsystem voll, wenig später strömte das Wasser in viele Keller und überflutete Straßen. Dieses Ereignis war auch Teil der neuen Starkregenstudie mit Starkregengefahrenkarten, die das Ingenieurbüro Weber aus Darmstadt im Auftrag der Stadt Bürstadt auf Grundlage ausgewählter Ereignisse erarbeitet hat. Auch am 27. Juni 2011 richtete Starkregen Schäden im Stadtgebiet Bürstadt und in Bobstadt an. Auf der neuen Starkregengefahrenkarte sind die betroffenen Flächen in verschiedenen Blautönen markiert, je dunkler umso schlimmer ist die Lage. Bürstadt liegt flach in der Landschaft, doch gibt es zahlreiche Senken, in denen sich das Regenwasser schnell und zum Teil knietief wie in der Kanalstraße sammelt. Zukünftig könnten nach Vorschlag der Experten abgesenkte flache Straßenoberflächen, Beete und Grünflächen mehr Wasser aufnehmen und halten. Bürstadt könnte sich durch städtebauliche Maßnahmen zur Schwammstadt entwickeln. In der Studie erfasst sind unter anderem die bekannten Abflüsse aus Richtung Schulstraße und Marktstraße in die Gartenstraße, die durch ihr rundes Dachprofil das Regenwasser zu den Häusern ableitet. Mehrere Besucher meldeten sich zu Wort und schilderten, wie bei Starkregen auch die Kanalstraße und viele weitere Straßen und Gassen geflutet werden. 

    Mit eigenen Fotos, Beschreibung und Anliegen ans Bauamt wenden

    Um die Modelle und Maßnahmen besser entwickeln und auf tatsächliche Gefährdungen durch Starkregen abstimmen zu können, sind die Bürger aufgerufen sich mit eigenen Fotos, Beschreibung und Anliegen ans Bauamt zu wenden (E-Mail: bauamt@buerstadt.de). Eine Starkregenstudie allein für Bobstadt wurde bereits im Juli 2021 im Rahmen einer Infoveranstaltung den Bürgern präsentiert, damals vom Ingenieurbüro Unger mit Weber-Ingenieuren erstellt. An beiden Studien war Professor Joachim Kilian federführend beteiligt, der auch am Montagabend gemeinsam mit Expertin Amrei David die Studienergebnisse präsentierte und den Bürgern in den Fragerunden zwischen den Themenblöcken und im persönlichen Gespräch Rede und Antwort stand. Nach knapp zwei Stunden erklärte Bürgermeisterin Barbara Schader den offiziellen Teil der Veranstaltung beendet, um Gespräche mit den Fachleuten des Ingenieurbüros Weber und der Stadt Bürstadt im kleineren Kreis zu ermöglichen. Noch lange standen Gruppen an den Stadtplänen mit den dargestellten Gefahrenzonen diskutierend zusammen, viele Bürger suchten das Gespräch mit den Fachleuten und ließen sich bei Harald Klotz vom Bauamt mit Adresse eintragen. In wenigen Tagen soll die Studie auf der Homepage der Stadt Bürstadt zur Verfügung stehen. Das Projekt wird vom Land Hessen nach Vorgaben der WI-Bank zu 100 Prozent gefördert, teilte Kilian mit. 

    Die Starkregengefahrenkarten wurden nach Vortrag und Fragerunden unter die Lupe genommen, um die eigene Gefährdungslage herauszufinden. Foto: Hannelore Nowacki


    Ist der Kanal voll, findet das Regenwasser andere Wege

    Bei der Vorstellung der Studienergebnisse ging es um die Oberflächenströme, nicht um das Bürstädter Kanalsystem, dem die Fachleute die ordnungsgemäße Funktionsfähigkeit bescheinigen. Wo am Kanal nachgebessert werden muss wie in der Nordstraße sind Arbeiten im Gange oder bereits geplant. Die vorgestellte Risikoanalyse der betroffenen Gebiete und Straßenzüge arbeitet mit Fließwegen, Höhendaten und Überflutungsräumen. Starkregen mit Hochwasser tritt kleinräumig mit kurzer Vorwarnzeit und hoher Intensität auf, erklärte Referentin David. Einige Bürger zeigten sich irritiert, hatten sie doch mehr vom Kanalbau erwartet. Ein Kanalsystem könne nie derart groß dimensioniert sein, dass es für alle Fälle ausreichen würde, erfuhren die Bürger, und sei auch teuer. Würde nach der Modellrechnung ein sogenanntes Hessenwasser mit 90 Millimeter (mm) in zwei Stunden auftreten, stünde das Wasser überall in Bürstadt. Im Juni 2018 seien in Bobstadt zunächst 38 mm Regen gefallen, im zweiten Gipfel 53,9 mm, während in Bürstadt 33,2 mm in zwei Stunden gemessen wurden. Klimaveränderungen seien nicht exakt vorhersagbar, betonte Kilian, aber der 90-mm-Regen könnte die Zukunft sein. Kommunen könnten nach dem Schwammstadt-Prinzip vorsorgen, Flächen entsiegeln und die Wasserströme zu Grünflächen hin lenken. Bürgermeisterin Schader wies auf das Gelände südlich der TSG-Halle hin, das für Freizeitzwecke genutzt werden soll. Auch Grünflächen wie in der Oberschultheiß-Schremser-Straße und auf dem  Turnvater-Jahn-Platz seien geeignet. Hauseigentümer können ihre Gebäude selbst schützen, zum Beispiel durch eine korrekt installierte Rückstauklappe oder Einfriedung zur Straße mit niedriger Mauer wie bei der Kita Regenbogen in Riedrode. Auf eine Broschüre mit  Checkliste wurde hingewiesen. 

    Ein Baum in jedem Kübel wird als klimafreundliches Straßenbegleitgrün die neu gestaltete Nibelungenstraße schmücken. Auch Bürgermeisterin Schader findet diese Kübel hässlich. Foto: Hannelore Nowacki


    Klima in der Nibelungenstraße 

    Mehr Grünflächen in der Stadt sollen das Regenwasser aufsaugen, aber wie steht es damit in der Nibelungenstraße? Ein Besucher der Bürgerveranstaltung wollte wissen, was es mit der Nibelungenstraße „im neuen Gewand“ auf sich hat. Sollen die vielen hässlichen Pflanzkübel mit Wasserstelle und Pumpen gewässert werden? Seine Meinung: Die Straße hätte grüner sein können. Bürgermeisterin Schader räumte ein: Ja, die Kübel sind hässlich. Bürger hätten das jedoch im Rahmen der Bürgerbeteiligung angeregt. Als Straßenbegleitgrün kommen im Herbst zur Pflanzzeit zwei Meter hohe Bäume in die Kübel, die Straßenbreite habe für Grünflächen nicht mehr hergegeben. Auch habe Hessen mobil die Umgestaltung der Nibelungenstraße gefördert, die Stadt sei daher an Regeln gebunden. Für Starkregenschutz seien die Kübel nicht einsetzbar, kritisierte ein Besucher. Die über 30 Pflanzkübel haben in den letzten Wochen nicht nur bei Anwohnern für Aufregung gesorgt. Hässlich seien sie, nehmen Parkraum weg, kosten Pflege und Wasser durch die Stadt waren Kritikpunkte in Straßengesprächen.  

    Hannelore Nowacki

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