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  • Mo., 20. Februar 2023, 22:21 Uhr
    LESSING-GYMNASIUM: Dialogveranstaltung mit Schülern und Landtagsabgeordneten zu sechs selbst gewählten Themen

    Oberstufenschüler im Austausch mit vier Polit-Profis – zwei kamen nicht

    Zehn Minuten Zeit hatten die Schüler, um jeden der vier Landtagsabgeordneten zu ihrem Thema zu befragen und ihre Argumente vorzubringen (im Vordergrund Moritz Promny von der FDP). Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Sollte der ÖPNV kostenlos sein? Sollte die Migrationspolitik strenger werden? Sollte es eine Senkung der Mehrwertsteuer geben, um die Bevölkerung zu entlasten? Diese und drei weitere Fragen zu aktuellen politischen Themen hatten sich die Oberstufenschüler des Lessing-Gymnasiums im Rahmen ihres Politik- und Wirtschaftsunterrichts (PoWi) mit ihren Fachlehrern Anna Werner, Anita Vuletic und Volker Wiegand überlegt und die geplante Diskussion mit hessischen Landtagsabgeordneten vorbereitet. Ein „Schüler*innenheft“ als Anleitung hatten sie von „dialogP“ erhalten. Ziel war zu lernen, wie man sich eine Meinung bildet und neue Perspektiven kennenzulernen. Die Initiative, sich bei der Organisation „dialogP“ zu bewerben, war von der Fachschaft ausgegangen, wie Schulleiterin Silke Weimar-Ekdur in ihrem Begrüßungswort erklärte. Für das Lessing-Gymnasium als Europaschule sei gesellschaftliche und politische Teilhabe für die Demokratie sehr wichtig, betonte sie. Angemeldet waren für die erste Veranstaltung dieser Art etwa 60 Schülerinnen und Schüler der PoWi-Kurse. Auch die eingeladenen Abgeordneten konnten sich auf die Diskussionen vorbereiten, sie hatten die Fragen zuvor erhalten. Allerdings sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Hartmann ab, sie saß bei einem Arzttermin fest. Von Axel Gerntke, der für die Partei Die Linke teilnehmen wollte, ist nicht bekannt, warum er nicht erschien. Einziger Abgeordneter aus dem Kreis Bergstraße war Alexander Bauer (CDU), der in Bürstadt wohnt. Torsten Leveringhaus (Bündnis 90/Die Grünen) lebt in Seeheim-Jugenheim im Landkreis Darmstadt-Dieburg, Moritz Promny (FDP) kommt aus Michelstadt im Odenwaldkreis, Arno Enners (AfD) ist aus Gießen. In der Vorstellungsrunde erfuhren die Schüler die ursprünglich erlernten Berufe der Polit-Profis, welche Hobbys sie haben und warum sie Abgeordnete wurden. Zum Aufwärmen folgte eine Quizrunde mit allerlei Fragen. Zum Beispiel wie viele Nobelpreisträger aus Hessen kommen und in welchen vier Bundesländern mit 16 Jahren der Landtag gewählt werden kann. Innerhalb von zwei Stunden hatten die Abgeordneten für jeden Thementisch zehn Minuten Zeit zum Meinungsaustausch. Alexander Bauer (CDU) will keinen kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr, aber kostengünstig mit Eigenbeteiligung und mit besserem Angebot, das auch über drei Bundesländer hinweg funktioniert. Eine Schülerin wies darauf hin, dass es mit der Verbindung nach Darmstadt schlecht bestellt sei, man müsse über Bürstadt und Bensheim fahren. Den Ausbau der Infrastruktur wünschte sich eine andere Schülerin. „Weg vom Auto“, sagte Bauer, er sei für einen Verkehrsmix. Am Thementisch zur Migrationspolitik löste er Arno Enners (AfD) ab, der die Zugewanderten von Anfang an in geregelte Strukturen einbinden will und das Erlernen der Sprache in Sprachkursen als Schlüssel zur Integration sieht. Eine Schülerin meinte, die Flüchtlinge müssten mit Wohnungen gut versorgt werden. Die gebe es nicht, entgegnete Enners. PoWi-Lehrerin Anna Werner berichtete dem TIP, dass die Veranstaltung bei den Schülern gut angekommen sei.

    Der Einladung von „dialogP“ waren die Landtagsabgeordneten (von links) Moritz Promny (FDP), Torsten Leveringhaus (Bündnis 90/Die Grünen), Arno Enners (AfD) und Alexander Bauer (CDU) gefolgt. Foto: Hannelore Nowacki


    Auf komplexe Fragen gebe es keine einfachen Antworten, hätten die Schüler gelernt. Neue Perspektiven seien dazugekommen, ein Schüler sah sich hingegen selbst bestätigt, ihn hätten die Äußerungen der Landtagsabgeordneten nicht überrascht. Die Diskussionen seien unterschiedlich verlaufen, positiv hätten die Schüler gefunden, dass Moritz Promny zuerst jeden Einzelnen am Tisch zu Wort kommen ließ und dann erst seine Position erklärte. Am Schluss stand zu jedem Thema eine Abstimmung mit Pro- und Kontrakarten an. Neben den gemischten Ergebnissen habe es bei drei Abstimmungen eindeutige Mehrheiten gegeben: Für die Abschaffung der umlagefinanzierten Rente zugunsten einer kapitalbasierten Rente votierten 51 Schüler und Abgeordnete. Sollte sich die BRD weiterhin aktiv im Ukrainekrieg einmischen und mit Waffenlieferungen unterstützen? 38 Stimmen waren dagegen, 15 Schüler und Abgeordnete stimmten dafür. Cannabis soll nicht legal werden, zeigten 48 Stimmkarten. Die jeweils zehn Minuten Diskussion fanden die Schüler zu wenig, doch das werde so von „dialogP“ organisiert. Die Positionen von SPD und von Die Linke haben die Schüler nachträglich aus öffentlichen Quellen entnommen und zusammengestellt. Mit der Organisation „dialogP“ haben die PoWi-Fachlehrer durch die bereits mehrfach durchgeführte Juniorwahl schon länger Erfahrung. Hannelore Nowacki

     

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