Do., 20.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • So., 26. Juli 2015, 12:51 Uhr
    Open-Air-Highlight „Der Palatinator“ mit Christian „Chako“ Habekost / Pfälzer-Mundartkabarettist strapazierte die Lachmuskeln der Zuschauer

    „One-Man-Show mit Dubbeschobbe“

    Sorgte für unzählige Lacher: Christian „Chako” Habekost als „Der Palatinator”. Foto: Sigrid Samson


    LAMPERTHEIM – „Wer macht aus Wasser Wein – wer macht in’s Dubbeglas sei Schobbe rein“ – mit diesen Worten startete Christian „Chako“ Habekost sein aktuelles Solo-Programm bei der Open-Air-Vorstellung am vergangenen Freitag in den Biedensand Bädern – in Zusammenarbeit mit cultur communal der Stadt Lampertheim. Die Besucher erwartete ein kabarettistischer „Rundumschlag“ gegen hochdeutsch sprechende „iwwakandiddelde Besserwisser“, wie er diese scherzend zu bezeichnen pflegte.

    Habekost ist in der Kurpfalz geboren und in Bad Dürkheim in der Pfalz zuhause. Als Pfälzer „MundArtist“ lockt er seit vielen Jahren „von hiwwe bis driwwe“ immer wieder zahlreiche Fans, nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung, zu seinen Bühnenshows an. Er scherzte über alle Verächter seiner Heimat, die „Außergewärdische“, und präsentierte sich als rhetorischer Rächer aller unterdrückten „Eingeborenen“. Palatina ist das lateinische Wort für die Pfalz und Habekost ist die comediantische Stimme seiner Heimat. Der promovierte Sprachwissenschaftler ist seit vielen Jahren bekannt als deutscher Comedian, Kabarettist und Calypso-Sänger und stand bereits gemeinsam mit Dieter Hallervorden und Xavier Naidoo auf der Bühne. Seine Performance war grell und schnell - die Texte waren gespickt mit rhetorischen Gemeinheiten - ein dialektisches Babbalfeuerwerk, das auch die wichtigen Themen unserer „Zuviel-isation“ nicht aussparte. Auch mit seinen Wortspielereien begeisterte er das Publikum.

    Da ein großer Besucheransturm zwar ausblieb, begrüßte er die Zuschauer als „kleiner illustrer Kreis“ und versprach den Gästen dennoch viel Spaß und gute Unterhaltung mit seinem Programm. Als lustige Idee schlug er vor, Arbeitsgruppen an den Tischen zu bilden mit einem gewählten Sprecher für jede Tischgruppe. Unter Einbeziehung des Publikums gab er einen Einblick in die „Sprooch“, wie die „Eingeborenen“ in der Rhein-Neckar-Region „babbele“. „Die Pälzisch Sprooch is die schönsde aller Sprooche“ gab er dem Publikum mit – „Pälzisch fließt wie Honig durch die Kehle“ ergänzte er. Er bezeichnete die Pfälzer humorvoll als „Riesenschorleschobbe-Petzer“. Er erwähnte, was manch‘ einer über das Leben eines Komikers denkt: „mit dumm Gebabbel viel Geld vadiene, awwa nix schaffe“. Im Übrigen sei sein Beruf mit dem des Lehrers identisch, da beide vor einer Menschengruppe „de Aff mache müsse“. Das Berufsfeld des Lehrers war am gesamten Abend eines der beliebten Spottziele Chakos.

    Schade sei es, dass die Dialekte heutzutage aussterben und die junge Generation kaum noch Dialekt sprechen könne – schuld daran seien, wie könnte es anders sein, die Lehrer – selbstverständlich auch ein Witz. Die südhessische und kurpfälzische Sprache sterbe aus, da die Kinder heutzutage mit einem vollgepackten Wochenprogramm beschäftigt seien – vom „Vollwertblockflötenunterricht“ bis hin zum „Freunde liken“ auf Plattformen wie Facebook.

    „Das Stadion brennt, der Notarzt rennt, aber die Frisur sitzt“, fachsimpelte Chako über die Fußballgesellschaft von heute, bei der nur 3-Wetter-Taft und der indianische Scharmanefriseur die typischen Gelfrisuren der Fußballer  retten könne. Als „Kassengestell-Kasper“ wurde er als Brillenträger in seiner Schulzeit gehänselt, scherzte Habekost, der nur die damals übliche Sportbrille für gut hieß, bei der die Brille gut saß, aber „die Visage hin“ war. „Die Brille sei heutzutage fast so wichtig wie ein Herzschrittmacher und wie ein Smartphone. „Des hot’s frieher net gewwe“: früher gab es immer jemanden, der alles wusste – aber mit „Tipp tipp rubbel wisch – schunn wäschd du nemmer mehr wie ich“ hob er lächerlich die positive Wirkung der Smartphones hervor, mit dessen Hilfe man alles sofort googeln könne, die aber auch manchen süchtig mache. Zum Glück gibt es ja für alles Apps, wie in diesem Fall die erforderliche „Entwöhnungs-App“ für Smartphone-Süchtige, die beim Entzug bei den „anonymen Smartphonikern“ genau richtig aufgehoben seien. Die „Trinkwecke-App“ erinnere ihn regelmäßig ans ausreichende Trinken tagsüber und die „Vogelzwitscher- und Lagerfeuer-App“ fand er toll zum Überstehen der langen, dunklen Winterzeit. Mit Wortspielereien wie „App-hängig“ und „App-struß“ regte er die Zuhörer zeitweilig zum Nachdenken, aber auch zum Mitlachen an.

    Wer heute am Wochenende die Pfalz besuche, stelle einen regelrechten „Hype“ an der Weinstraße fest – die alte urige Pfälzer Weinstube habe sich im Laufe der Zeit mit dem Trend der Vinotheken immer mehr zum Design-Paradies entwickelt, die wie neu eröffnete Wellnesshotels wirken. Heute gibt es spanische Tapas – im pfälzischen nenne man dies „Versucherle“.

    Auch der Servicegedanke als Art Verwirklichung der heutigen Gesellschaft gibt Hakekost zu Denken und verweichliche die Jugend: während ihm der „brustwarzengepiercte Geltyp“ in hochdeutscher Sprache etwas verkaufen will, geht er lieber 2 Stunden in den Media Markt, um das zu suchen, was er sowieso nicht finden wird – das sei die Realität und das gefalle ihm.

    Auch auf die Frage „wie geht’s“  wolle sowieso niemand so richtig wissen, wie es einem geht und  dass das Enddarmzentrum des Krankenhauses  wegen seinen Hämorrhoiden bereits ein Zimmer nach ihm benannt habe. “Rückenschmerzen-Dummgebabbal-Arbeitsgruppen“ seien die Gespräche in größerer Runde, bei dem oft geballtes Mitleid über ihn ausbreche mit Tipps von allen Seiten, die man gar nicht hören will – hatte er die Lacher auf seiner Seite. „Des gab’s alles früher net“, da waren die jungen Menschen noch die Rotznasen und die alten Leute die Chefs. Die „lorzdormelische Kappe“, die er in seiner Kindheit tragen musste, da sie von der Oma gehäkelt waren, haben eine Nadelallergie versucht. So antworte man auf die Frage „wie geht’s“ am besten immer mit „gudd“. Das Publikum war begeistert und ließen Chako nicht ohne Zugabe von der Bühne. „Das ist aber wirklich eine interessante Neuigkeit“ heißt auf Pfälzisch „nä, odda?“ – weitere humorvolle Sprüche und spaßige Reime folgten. Als zweite Zugabe las er einen Abschnitt aus seinem Buch vor über das imaginäre Pfälzer Dorf „Elwenfels“, in das er die Qualitäten der Mentalitäten reingepackt hatte. Wenn „das Gorgelzäppche am verdorzle is“ hilft nur de „Dubbeschobbe“ war sein Fazit.

    Die Veranstalter hatten großes Glück mit dem Wetter - das starke Gewitter zog erst nach Beendigung der Veranstaltung auf. „Der Palatinator“ wird am 10. August im Mannheimer Luisenpark und 22. August in Limburg aufgeführt – hierfür sind noch Karten sind im Vorverkauf erhältlich. Sigrid Samson

    Beitrag aus der Rubrik

    » Lampertheim und Stadtteile
    » Lokal
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige TicketshopAnzeige 3 Anzeige - 2