Neue Intendanz verriet Neues zur Inszenierung 2015 „GEMETZEL“ / Qualität statt großer Namen bieten
Ortliebs Geschichte und Kriemhilds Träume
Reichlich Energie strahlte das „Wormser Triumvirat“ (von links: Regisseur Thomas Schadt, Intendant Nico Hofmann und Autor Albert Ostermaier) während der Pressekonferenz am Montag aus. Foto: Karolina Krüger
WORMS - 2015 wird die Nibelungensage auf der Festspielbühne als erstes von drei Werken zum Nibelungenthema aus der Sicht des jungen Ortlieb erzählt werden, Kriemhilds und Etzels Sohn. Das verriet Autor Albert Ostermaier auf der Pressekonferenz am Montag. Ortlieb steht zwischen zwei Kulturen: Sind die bösen Burgunder, über die so viele Gerüchte im Umlauf sind, wirklich wie ihr Ruf? Vorsichtig geht er auf Tuchfühlung – mit dem Hofnarr und mit Hagen.
Vielschichtiges Drama ohne Pseudoaktualität
„Gemetzel“ (geschrieben mit invertiertem zweitem E) heißt zwar das Stück und das Plakat ist wie gewohnt schön blutig, doch statt viel rotem Saft wird eine vielschichtige, sensible Geschichte erzählt, verspricht der Autor. Eine qualitative Aufwertung will das Intendanztrio um Nico Hofmann erreichen, eine Internationalisierung und dauerhaftes Interesse an dem Stoff beim jüngeren Publikum.
Rückblenden auf die Siegfriedgeschichte werden mit Hilfe von zeitgenössischem Tanz (Choreographie: Ted Stoffer) und der Inszenierung von Kriemhilds Träumen zwischen Wahn und Realität erzählt – mal etwas anderes als Filmeinspielungen. Thomas Schadt beschrieb, nicht unpoetisch: „Die Rhythmik, Poesie und Musikalität des originalen Nibelungenlieds soll in der Inszenierung spürbar bleiben. Das Publikum braucht keine Pseudoaktualität durch eine Sprache à la: Hey, Alter… ’ zu befürchten.“
Reichlich Energie strahlte das „Wormser Triumvirat“ aus, verriet aber nicht zu viele Details zu Schauspielernamen oder Handlung. „Große Namen reichen nicht aus für Qualität“, betonte Hofmann und versicherte zugleich, die angefragten Schauspieler könnten sowohl Erfahrungen mit wichtigen Theater-Ensembles, als auch Nähe zum Film aufweisen. Ebenso wichtig war ihm jedoch, mit jungen Schauspielern zu arbeiten, damit habe er gute Erfahrungen gemacht. Nur durch qualitative Ausrichtung könne man in der Kultur überleben: „Deshalb setzen wir jetzt eine völlig neue Idee hinter den Festspielen auf.“ Namen, die verraten wurden, waren der preisgekrönte Aleksandar Deni für das Bühnenbild, Maren Zimmermann für die Dramaturgie, die Band „Panzerballett“ mit Jazz, Metal & Humor sowie Nuran Navid Calis als Regisseur für 2016.
Sascha Kaiser, kaufmännischer Geschäftsführer, stellte die KVG-Kommunikationsstrategie für 2015 mit neuer Webseite (gesponsert vom Festspielfreundeskreis), Sponsorenfindung und einer Erweiterung auf 1.360 Plätze an der Dom-Nordseite bei gleich bleibenden Preisen vor. Die Leiterin des Künstlerbüros, Petra Simon, berichtete, aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz seien beim Autorenwettbewerb 37 Entwürfe zur szenischen Umsetzung des Streits der Königinnen eingetroffen. Nicht nur eine Fachjury (neben Ostermaier und Dramaturgin Zimmerman die Schauspielerin Natalia Wörner, der Kritiker Jürgen Werner und der Regisseur Martin Kusej), auch das Publikum könne im Frühjahr unter den besten fünf Darstellungen auswählen. Regina Urbach