
NORDHEIM – Der momentan ungewöhnlich niedrige Wasserstand des Rheins hat auf der Nordheimer Sandbank die Pfahlgründungen der Nordheimer Kriegsbrücke von 1939 frei gespült und wieder sichtbar gemacht. Die Eisabweiser vor den hölzernen Brückenpfeilern kamen in der Vergangenheit immer mal wieder bei Niedrigwasser zum Vorschein. Aber dieses Jahr hat sie der Rhein noch bedeutend mehr frei gespült und dazu erstmals auch noch Pfeilerreste der Brücke selbst, die bisher tief im Grund des Rheins verborgen waren.
„Die Holzreste sind eigentlich ein Mahnmal an die Zeit des letzten Weltkriegs“, erklärt Günter Mössinger vom Nordheimer Verein für Heimatgeschichte. Eine Zeit, die wie alle Kriegszeiten Einschränkungen mit sich brachte. So hat ein Nordheimer, der den Bau einer Werkstatt zur Schippenstielproduktion aus Weiden betrieb, über Nacht eine Postkarte vom Kreisamt erhalten mit der Aufforderung alle Bauarbeiten einzustellen, da die Baumaterialien für „Verteidigungszwecke“ gebraucht würden. Zu Kriegsbeginn 1939 wurde befürchtet, die Nachschublinien für den Westfeldzug würden nicht ausreichen. Zur Versorgungssicherheit errichtete die Deutsche Wehrmacht weitere Brücken über den Rhein und behielt diese in eigener Regie. Zuerst errichtete eine Pioniereinheit die Brücke, der später zur Bewachung eine Flieger-Abwehreinheit folgte. Militärtransporte hatten Vorrang vor dem Zivilverkehr. Während der Kriegsjahre wurde die Kriegsbrücke mit zu einem selbstverständlichen Teil der Nordheimer Infrastruktur.
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Das änderte sich ab Spätjahr 1944, als immer mehr feindliche Flugzeuge auch an den Rhein kamen. Durch Flugzeugbeschuss wurde der alte Fährhausturm im Obergeschoss beschädigt. Zeiten der trügerischen Ruhe, in der manch ein Mädel die Soldaten am Rhein besuchte und in der Gaststätte des Fritz Fauti einkehrte, wechselten unversehens mit tödlichem Ernst. Zusammen mit zwei Freundinnen war die 23-jährige Luise Maria Heilmann am 14. Januar 1945 um 16 Uhr auf dem Heimweg, als ein Tiefflieger am Himmel auftauchte und die jungen Frauen unter Beschuss nahm. Plötzlich sackte die in der Mitte gehende Maria mit Herzschuss tödlich getroffen zusammen.
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In den Morgenstunden des 20. März mussten alle Rheinbrücken auf Befehl Adolf Hitlers durch die eigene Wehrmacht gesprengt werden. Das hielt die vorrückenden Amerikaner nur wenige Tage auf. Hier bei Nordheim war eine der flachsten Flussstellen. In den frühen Morgenstunden des 26. März rückten die Amerikaner auf breiter Front von Westen kommend über den Rhein vor. „Es gab nicht nur sehr verlustreiche Kämpfe, von denen noch zahlreiche Kriegsgräber in Nordheim Zeugnis ablegen. Nach Aussage von dem Augenzeugen Heinrich Kreider, hatten die Amerikaner auch Panzer im Einsatz, die dank eines aufgesetzten Luftrohrs Flüsse auf dem Grund durchfahren konnten. Solch ein Panzer blieb mitten im Rhein stecken. Über das Schicksal seiner Besatzung ist nichts bekannt, aber wochenlang ragte noch sein Belüftungsrohr aus den Rheinfluten“, so Günter Mössinger abschließend. red
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