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Do., 12. Juni 2014, 22:39 Uhr
Magistrat hat Bauantrag zurückgenommen - Initiativgruppe dankt allen Unterstützern
Pläne für große Biogasanlage endgültig begraben?
Die Initiativgruppe gegen die agrar-industrielle Biogasanlage in der Lache stand über zwei Jahre fest zusammen und hat viel Kraft und Zeit investiert: Iris Henkelmann (von links), Alexander Morawetz, Eva Größler, Karl-Heinz Barchfeld, Andrea Hartkorn und Dieter Melchior. Sie danken allen Unterstützern. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Vor zwei Jahren hatte sich die „Initiativgruppe gegen die agrar-industrielle Biogasanlage“ in der Lache formiert, am 24. Januar dieses Jahres endete die Offenlegung des Bebauungsplans der Biogasanlage im industriellen Maßstab von 1,45 Megawatt mit 350 Einsprüchen von Lampertheimer Bürgern. Ein Erfolg, der sich sehen lassen kann, wie die Initiativgruppe bei einem Pressegespräch am Mittwochnachmittag beim Angler Club Freundschaft (ACF) am idyllisch gelegenen Heideweiher deutlich machte. Dafür und für die sonstige Unterstützung bedankt sich die Gruppe bei der Bevölkerung. Andrea Hartkorn, aktiv auch als Vorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Lampertheim, berichtete vom Interesse in der Bevölkerung, von vielen Fragen und Gesprächen. In seiner Sitzung am 2. Juni hatte der Magistrat seinen Antrag zum Bau der Biogasanlage zurückgenommen, nachdem der Investor Werner Hartmann kein Interesse mehr hatte - ein Beschluss, der die Initiativgruppe freut und dennoch ein wenig ratlos macht. Auch Enttäuschung kam zum Ausdruck, denn ein öffentlicher Diskurs habe nicht stattgefunden und die Argumente der Bürger aus den Einwendungen seien bisher nirgends gewürdigt worden. Auch sei im Rahmen des Lokalen Agenda21-Arbeitskreises Naturschutz, Landwirtschaft, Ressourcen die Organisierung des Widerstandes nicht möglich gewesen, deshalb sei dann die Initiativgruppe gegründet worden. „Zweieinhalb Jahre haben wir gegen diese Anlage gekämpft, das hat auch Kraft und Zeit gekostet, jeder in der Gruppe hat sein Gebiet gehabt“, erklärte Andrea Hartkorn, die mit Dieter Melchior den Naturschutz im Blick hatte. Für Landwirtschaft waren Iris Henkelmann und Alexander Morawetz zuständig, Karl-Heinz Barchfeld befasste sich mit dem Gewässerschutz und Eva Gößler übernahm die grafische Gestaltung der Informationen. Nun ist die Stadtverordnetenversammlung am Zug, die voraussichtlich in ihrer Sitzung auf dem Europaplatz am 24. Juli einen Beschluss zur Biogasanlage fassen wird. Dieter Melchior, auch im Kreisvorstand des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und im NABU-Ortsvorstand aktiv, früher Stadtverordneter der Grünen, will nicht zu früh jubeln, er meint: „Man muss abwarten, was die Stadtverordnetenversammlung bringt“. Erst wenn die Entscheidung, die Biogasanlage nicht zu bauen, hundertprozentig sei, könne man sicher sein. Auch er bemängelt, dass sich „die Investoren“ nicht gerührt hätten. „Als Bürger weiß ich jetzt gar nicht, ob meine Einwände bearbeitet wurden“. Der Investor, so viel scheint klar, hat seine Biogas-Pläne wegen des geänderten Erneuerbaren Energien-Gesetzes (EEG) fallen lassen – weniger Förderung macht den Betrieb unrentabel. Die Firma Envitec sei schon früher aus dem Projekt ausgestiegen. Auf jeden Fall steht für Melchior fest: „Mit der Rücknahme des Bauantrags ist uns Lampertheimern eine Menge erspart geblieben“. Melchior wies auf Berichte aus Bobstadt wegen der Lärmbelastung durch den innerörtlichen Schwerlastverkehr zur Bürstädter Biogasanlage hin sowie auf die Geruchsbelästigung, die Bürger dem Regierungspräsidium mitgeteilt hatten. Entzündet hatte sich der Widerstand in Lampertheim an der industriellen Größenordnung der geplanten Biogasanlage, der Lage in landwirtschaftlich genutztem Gebiet mit einer 800 Meter langen Hecke, Lebensraum für viele schützenswerte Tiere und der umweltschädlichen Maisproduktion im großen Stil mit weiten Transportwegen. Zudem sollte getrockneter Hühnerkot aus Massentierhaltung im entfernten Sachsen-Anhalt mit Schwerlastverkehr herbeigeschafft werden. Obwohl die Stadt Lampertheim bis 2030 vollkommen auf regenerative Energien umsteigen will, hält die Initiativgruppe dies für schwierig, zumal es auch an Wind fehle. Einzig die Sonnenenergie verspreche Erfolg, die jedoch umweltverträglich ohne landwirtschaftlichen Flächenverbrauch genutzt werden müsse. Auch kleine Biogasanlagen, die in landwirtschaftliche Betriebsabläufe integriert sind, hält Melchior für denkbar. Hannelore Nowacki