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  • Fr., 01. September 2017, 12:29 Uhr
    FDP-Bundesgeneralsekretärin Nicola Beer und Till Mansmann diskutierten mit Schülern des Litauischen Gymnasiums

    Politikunterricht zum Anfassen

    Diskutierte engagiert mit den Schülern des Litauischen Gymnasiums: Nicola Beer, Generalsekretärin der Bundes-FDP (r.). Foto: Benjamin Kloos

    HÜTTENFELD – Der Leistungskurs Politik der 12. Klassen des Litauischen Gymnasiums freute sich am Freitag über hohen Besuch aus der Bundespolitik: Nicola Beer, Generalsekretärin der Bundes-FDP und ehemalige Staatssekretärin für Europaangelegenheiten und hessische Kultusministerin und der FDP-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Bergstraße, Till Mannsmann, diskutierten mit den interessierten Schülerinnen und Schülern in einer engagierten Runde über deren Fragen. Dabei berichtete sie auch sehr persönliches und über eigene Erfahrung, beispielsweise wie sie den Mauerfall 1989 erlebte oder von der Teilnahme an einem Projekt, das zur Überwindung der Grenzen und Ressentiments in Europa dienen sollte, bei dem sie aber anfänglich gerade als Deutsche kritisch beäugt, später aber voll akzeptiert war: „Wir brauchen ein freiheitliches Europa, in dem alles denkbar und alles möglich ist. Gerade mit einem Präsidenten Trump im Westen, einem Wladimir Putin im Osten und einem Präsidenten Erdogan im Süden. Wenn wir mit 27 Ländern gemeinsam eine Linie vertreten, sind wir stärker”, betonte Nicola Beer und forderte in diesem Zusammenhang auch eine stärkere gemeinsame Außen- und Verteidigungspolitik, ebenso wie eine europäische Zuwanderungs- und Flüchtlingspolitik.
    Den Schülern bot sich bei dieser Art der Diskussion Politikunterricht zum Anfassen: Interessiert stellten sie Fragen und gingen dabei auch auf die Antworten von Nicola Beer ein. Dabei spielte die aktuelle Entwicklung in den USA eine große Rolle, ebenso wie die in der Türkei. „Die Gespräche mit der Türkei müssen selbstverständlich weiter gehen. Aber aus der aktuellen Entwicklung heraus müssen die Verhandlungen über einen EU-Beitritt abgebrochen werden, denn unter Erdogan entfernt sich die Türkei von den europäischen Zielen und Werten, anstatt sich darauf zuzubewegen. Und auch Gelder dürfen in diesem Zusammenhang der Beitrittsverhandlungen nicht mehr fließen, denn wir wissen nicht, was damit finanziert wird”, fand die Bundespolitikerin klare Worte, ebenso wie in Richtung USA: „Donald Trump ist sehr sprunghaft, das macht langfristige Gespräche und Lösungen schwierig. Aber die USA stehen und vom demokratischen Prinzip her näher als viele andere Länder und sind ein wichtiger Partner. Ich nehme jedoch mit Sorge zur Kenntnis, dass es in Deutschland wieder einen latenten Antiamerikanismus gibt.”
    Ein Schwerpunkt der Diskussion war die moderne und digitale Bildung. „Es wird künftig genauso wichtig sein, eine Programmiersprache zu lernen, so wie heute Englisch oder Litauisch. Denn die Digitalisierung wird alle Lebensbereiche ändern”, betonte Nicola Beer. „Dies ist für die FDP ein wichtiges Thema, denn es ist für die Zukunft entscheidend. Die Gesellschaft muss sich fit machen für diese große Herausforderung, auch und besonders durch die Modernisierung von Lehrplänen, die Ausstattung der Schulen und der Fortbildung für Lehrer. Denn diese bereiten die Schüler auf ein Leben und auf Berufe vor, die es so noch gar nicht gibt.”
    Ein wichtiges Thema war zudem die Frage, in welchem Alter man wählen darf. Dabei sprach sich Nicola Beer klar dafür aus, das Wahlalter mit der Volljährigkeit zu verknüpfen. „Denn Rechte und Pflichten müssen zusammen gehören. Dabei stellt sich aber die Frage, ob die Volljährigkeit vielleicht nicht an die heutige Reife der Jugend angepasst werden und nach unten korrigiert werden muss.”
    Zur Frage einer möglichen Koalition betonte Nicola Beer, dass es zunächst Ziel der FDP sei, in den Bundestag zu kommen. „Wir wollen drittstärkste Kraft werden und wieder eigene politische Inhalte auf die Agenda setzen. Dabei schließen wir eine Koalition mit der AfD oder der Linken aus. Bei allen anderen Parteien sind wir gesprächsbereit und werden sehen, wie reformfähig diese sind.” Benjamin Kloos

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