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    NACHGEFRAGT: Kein neuer Förderantrag für das Projekt „LA-Leben in Aktion“ / Steht die Gemeinwesenarbeit in der östlichen Kernstadt von Lampertheim vor dem Aus? / Diakonie und Verwaltung nehmen Stellung

    Positive Impulse und Wirkung, aber kein finanzieller Spielraum vorhanden

    Kerstin Biehal und Isabelle Metzger (Mitte, stehend) von der Gemeinwesenarbeit bekamen zum „Stillen Protest“ am Donnerstagabend vor dem Stadthaus jede Menge Unterstützung.
    Foto: Nadine Schütz

    LAMPERTHEIM – In der TiP-Ausgabe vom letzten Samstag haben wir über das drohende Aus der Gemeinwesenarbeit in der östlichen Kernstadt berichtet. Hintergrund: Die Stadt Lampertheim möchte aus Kostengründen für das Projekt „LA-Leben in Aktion“ keinen neuen Förderantrag stellen. Dieser ist jedoch Voraussetzung, um Fördermittel vom Land Hessen (75 Prozent) zu generieren. Allerdings müsste die Stadt die restlichen 25 Prozent stemmen; in Summe für den Förderzeitraum von 2027 bis 2031 rund 125.000 Euro. Hinzu kommt eine jährliche Deckungslücke von 60.000 Euro. Vor dem Stadthaus und während der Sitzung des Sozial-, Bildungs- und Kulturausschusses am Donnerstag hatten die Protagonisten der Gemeinwesenarbeit (GWA) zu einem „Stillen Protest“ aufgerufen. Im Vorfeld bat der TiP die Regionale Diakonie und die Verwaltung um eine Stellungnahme.

    Die Diakonie Südhessen äußerte sich wie folgt:

    1) Was passiert, wenn die Gemeinwesenarbeit tatsächlich wegfällt? (Siehe Aufruf auf dem Flyer)

    Die Gemeinwesenarbeit der Regionalen Diakonie Südhessen im Auftrag der Stadt Lampertheim endet in der östlichen Kernstadt zum 31.12.2026. In der Folge wird das Quartiersbüro geschlossen. Das bedeutet unter anderem:

    • Wegfall der offenen Sprechstunde am Freitag mit Angeboten zur Erst-, Verweis- und Sozialberatung für Bürgerinnen und Bürger.

    • Beendigung der vierteljährlichen Austauschrunden für Kundinnen und Kunden der Tafel Lampertheim.

    • keine Quartierstouren und kein Nachbarschaftsfest im Heideweg mehr

    • Wegfall der etablierten Formate wie „#WomenWalkingTalking / Von Frauen für Frauen“ sowie die „Begegnungen im Advent“

    • Aktivierende Befragungen der Einwohnenden (Einbringen eigener Ideen, Möglichkeiten der Mitarbeit, ehrenamtliches Engagement im Quartier), Kooperationen und Projekte („Warmes Essen für alle“, Stromkastenaktion) sowie langjährig aufgebaute Netzwerke (Netzwerk Sozialraum, Netzwerk seniorinnen- und seniorenrelevanter Akteurinnen und Akteure, Gesundheitslotsen und -lotsinnen, die Mitarbeit in der AG Wohnen oder im Arbeitskreis Demenz) können nicht weitergeführt und gepflegt werden.

    2) Ist eine Fortführung des Projektes „LA-Leben in Aktion“ in Eigenregie der Bürgerschaft Ihrer Einschätzung nach möglich?

    Unserer Einschätzung nach nicht. Es braucht räumliche, zeitliche und personelle Ressourcen, um alle Angebote zu begleiten, anzuleiten und zu koordinieren. Derzeit gibt es keine ausreichende und qualifizierte Anzahl an ehrenamtlichen Unterstützerinnen und Unterstützern, die diese Aufgaben übernehmen könnten.

    3) Welche Folgen hätte das Projekt-Aus für die GWA in der östlichen Kernstadt für die Bürger und die betroffenen Stellen der Sozialarbeiter?

    Die Bürgerinnen und Bürger im Quartier haben ab dem 01.01.2027 keine Ansprechpersonen mehr, Projekte und Begegnungsangebote müssen aufgegeben werden, sofern sie nicht anderweitig fortgeführt werden. Die Gemeinwesenarbeit gibt vor allem auch Einwohnenden ein Sprachrohr, die keines haben und blickt über Tellerränder hinaus. Für die Mitarbeiterinnen bedeutet dies den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Derzeit wird geprüft, ob ihnen ein anderer Tätigkeitsbereich angeboten werden kann.

    4) Halten Sie ein Einlenken der Verwaltung für denkbar? Oder alternativ eine Fortführung der GWA unter der Regie der Diakonie Südhessen?

    Die Fortführung ist rechtlich an eine kommunale Antragstellung gebunden, da es sich um ein Landesförderprogramm handelt, und somit nicht möglich. Die Gemeinwesenarbeit durch die Regionale Diakonie Südhessen in Lampertheim ist eine Auftragsleistung für die Kommune auf Basis eines Landesförderprogramms des Hessischen Sozialministeriums in dem ein Kostenanteil von 75 % durch Landesfördermittel und 25 % durch kommunale Mittel getragen werden. Eine Weiterführung ist unwahrscheinlich, da die Stadt Lampertheim die Gemeinwesenarbeit aufgrund des hohen Kostendrucks nicht fortführt. Das ist bedauerlich, da das langfristig angelegte Programm gesellschaftliche Teilhabe, das Ehrenamt und die Vielfalt im Quartier stärkt.

    Die Verwaltung der Stadt Lampertheim äußerte sich wie folgt:

    1) Ist der Verzicht auf eine Folgeantragsstellung für das Projekt alternativlos?

    Die Stadt Lampertheim steht vor umfangreichen finanziellen Herausforderungen und somit auch vor einer Neuordnung der Finanzen. Eine Fortführung des Projekts bedeutet für die Stadt Lampertheim finanzielle Verpflichtungen, die aktuell nicht darstellbar sind. Daher bleibt der Verwaltung auch mit Blick auf die Haushaltskonsolidierung wenig Spielraum, insbesondere da auch steigende Kosten für die kommenden Jahre prognostiziert werden.

    2) Der Gemeinwesenarbeit rund um den Elsterweg ist es gelungen, integrations- und sozialpolitische Ziele anzustoßen. Das konstatiert auch die Verwaltung. Glauben Sie, dass die Bürgerschaft die Gemeinwesenarbeit auch ohne Fördermittel in Eigenregie weiterführen kann?

    Es ist unbestritten, dass die Gemeinwesenarbeit in den vergangenen Jahren wichtige Impulse gesetzt sowie niedrigschwellige Angebote geschaffen hat. Das primäre Ziel der Gemeinwesenarbeit – die Aktivierung und Befähigung der Menschen im Quartier zur Selbsthilfe – wurde erfolgreich angestoßen. Eine Vielzahl von Projekten haben nun eine Reife erreicht, die einen Übergang in andere Formen der Organisation ermöglicht. Ein Teil der Angebote kann in den bestehenden Kooperationsstrukturen fortgeführt werden. Einige Angebote müssen dafür in eine neue Organisationsstruktur eingebunden werden, diesen Prozess kann der Fachdienst Soziales begleiten. Die Verwaltung richtet den Blick auf das gesamte Stadtgebiet. Angebote werden räumlich geöffnet und stehen nicht mehr exklusiv nur einzelnen Quartieren zur Verfügung. Dennoch werden die spezifischen Bedarfe der Menschen aus der östlichen Kernstadt weiterhin berücksichtigt und nicht aus den Augen verloren.

    3) Gibt es Pläne seitens der Stadt über das Jahr 2026 hinaus, Treffpunkte für den Austausch der Menschen im Quartier zu erhalten oder einen internen „Netzwerker“/„Kümmerer“ für den Bereich Soziales, Nachbarschaftshilfe bzw. Stadtteilangebote für die östliche Kernstadt zu benennen?

    Organisatorisch verfügt die Stadtverwaltung bereits über einen eigens dafür eingerichteten Fachdienst „Soziales“, der als Ansprechpartner fungiert. Es sei aber zusätzlich angemerkt, dass es in der Kernstadt bereits eine Vielzahl an Angeboten wie beispielsweise Beratungsangebote für vielfältige Lebenslagen (soziale Sicherung, Servicestelle Wohnen, aufsuchende Sozialarbeit, Migrations- und Flüchtlingsberatung), die kostenlose Nutzung der Stadtbücherei bis zum 18. Lebensjahr oder den LA-Pass gibt, die selbstverständlich auch von den Bürgerinnen und Bürgern der östlichen Kernstadt genutzt werden können. red

     

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