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Mo., 11. September 2017, 08:59 Uhr
Offizielle Eröffnung der Lampertheimer Kerwe mit den Kerweborscht / Kerweredd und Fassbieranstich als Höhepunkt
Prächtige Stimmung bei der traditionellen Eröffnungsfeier der Lambada Kerwe
Treffen der Kerweborscht im Hof des Heimatmuseums gemeinsam mit Spargelkönigin Nadine II. und den „Zwoa Spitzbuam". Foto: Sigrid Samson
LAMPERTHEIM – Fröhliche Feierstimmung zum Start der diesjährigen Kerwe herrschte unter den Kerweborscht bereits um16 Uhr beim Treffen im Hof des Heimatmuseums. Der Himmel zeigte sich zwar mehr grau als blau – doch Regen blieb Gott sei Dank zunächst aus. Es stand nichts mehr im Wege, die von den Lampertheimern heißgeliebte Kerwe auch in diesem Jahr wieder nach altem Brauchtum zu eröffnen – selbstverständlich mit Kerweredd, Kerwekranz-Taufe und Fassbieranstich. Spargelkönigin Nadine II. war ebenfalls mit dabei – für musikalische Unterstützung sorgten auch in diesem Jahr wieder die „Zwoa Spitzbuam“ Volker Berg und Mike Hagenmeier.
Traditionsgemäß zogen die Kerweborscht auf dem Traktor mitsamt königlicher Begleitung und dem Kerwekranz los in Richtung Altes Rathaus, nicht ohne sich hier und da noch eine Wegzehrung zu genehmigen. Dort hatte sich bis 17 Uhr bereits eine Menschentraube versammelt. Gespannt warteten die Gäste darauf, was der Oberkerweborscht „Clever" alias Heinz Eichenauer in diesem Jahr zu berichten hatte. Die Leiter zum Balkon des Alten Rathauses wurde bestiegen und der Kranz, der vorher stolz der Menge präsentiert wurde, aufgehängt.
Nachdem Nadine II. die anwesenden Gäste begrüßt hatte, begann „Clever” vom Balkon des Rathauses aus die Bürger mit seinen lustigen Versen zu unterhalten – eine mit Humor gewürzte und scharfsinnige Rede, in der Clever den Lokalpolitikern in gewohnter Weise die Leviten las. Er präsentierte erneut eine Kerweredd, die sich gewaschen hatte. Der kurzfristig einsetzende Nieselregen verflüchtigte sich erfreulicherweise rasch wieder.
Mit „Ehr liewe Leit un Kerwegescht – seid all begrüßt zum gröschte Fescht“ startete er und begann, über das Thema Straßenerneuerungen und Ortsumgehung in Lampertheim zu lästern: „Zu diesen Themen – so steht bei mir geschriwwe, do is werklich alles beim Alte gebliwwe“, mokierte er sich darüber, dass sowohl die Erneuerung vieler Straßen als auch die Ortsumgehung Rosengarten leider immer noch auf sich warten ließen. „Dodebei bezahlen mir fleißig wie die Wiesel jeden Tag Steiern uff Benzin un uff Diesel“ merkte er an und fragte sich, was denn mit den vielen Steuergeldern so passiert - „nur in kloone Rest, do weer ooner draus schlau – der fließt tatsächlich in de Stroßebau“. Scharfzüngig merkte er dann an, dass für Intensivkulturen von Jakobsmuscheln in Peru und für die Züchtung von violetten Biokarotten Gelder verwendet werden werden, „awwer mir sollen unser kaputtene Strooße noch selber bezahle!“ „Des war früher in Grund fer Revolutione ihr Finanzplan-Strunzer – wem gheert die Kerwe – unsa!“ Gelächter und Beifall waren dem Redner gewiss. Zur Schließung des beliebten Schillercafes kritisierte er, dass es traurig sei, dass es im Ort keine Wirtschaft mehr gäbe, wo er in Ruhe ein Bier trinken könne.
Der Bürgermeister bekam im weiteren Verlauf der Kerweredd ordentlich sein Fett weg. Allerdings erwähnte Eichenauer in lobenswerter Weise, dass Störmer die Innenstadt selbst belebe, indem er nur noch in Lampertheimer Geschäften einkaufe. „Wenns nit onnerscht geht, was werd des so schee – do üwwernimmt er aa noch als Wirt des Schillercafe“, ergänzte Clever, worauf die Zuhörer applaudierten.
Als Idee zur Innenstadtbelebung, da „Candle-Light-Dinner“ nicht ausreiche, schlug Clever vor, die Wahl der Miss Germany auf den Schillerplatz zu holen, wo schöne Mädchen locker-flockig auf dem Laufsteg flanieren könnten.
Auch die nächste Beach-Volleyball-WM für Damen könne man nach Lampertheim holen und eine Modenschau vom „alten Modeclown“ Karl Lagerfeld oder Holiday on Ice auf dem Schillerplatz. „Mer wern weltberühmt, do gilt jede Wette – mer könne uns vor Touriste kaum noch rette“, prophezeite der Redner.
Bürgermeister Gottfried Störmer, der lachend neben dem Redner auf dem Balkon des Alten Rathauses stand, trug es mit Humor und ließ es sich dennoch nicht nehmen, Stellung zu beziehen. Er würde sich ja sogar bereit erklären, bei der Miss Germany Wahl in der Jury in der ersten Reihe zu sitzen und beim Volleyball den Mädchen ein Handtuch zum Schweiß abwischen reichen. Die Bürger lachten und applaudierten. Auch das vorgeschlagene Formel-1-Rennen mit Vettel in der Ernst-Ludwig-Straße fand er prima – bei der Lagerfeld-Modenschau könne er sich als Dressman zur Verfügung stellen.
Der Kerwekranz wurde getauft – anschließend schritt Störmer zur Tat und zapfte das Freibierfass an, was ihm auch sofort gelang. Es gab Freibier für die Kerweborscht und für alle Besucher. Die Kerweborscht verteilten Rosen an die weiblichen Gäste. Sigrid Samson
Bürgermeister Gottfried Störmer beim Fassanstich zu diesjährigen Kerwe. Fotos: Sigrid Samson