FASTNACHT: 1. C.C. Rot-Weiß erstürmt das Rathaus erfolgreich mit alternativen Waffen
Rathaus-Stürmchen führt zur Machtübernahme
Erster Stadtrat Marius Schmidt, Bürgermeister Gottfried Störmer und Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb (hinten v. l.) bei der Übergabe des Rathausschlüssels an Stadtprinzessin Steffi II. Foto: Nadine Schütz
LAMPERTHEIM – Feuer frei, hieß es am vergangenen Freitag pünktlich um 14:11 Uhr bei der Erstürmung des Rathauses durch den 1. Carneval-Club Rot-Weiß 1956 e.V. Lampertheim. Die in rot-weiße Lappen-Kostüme gekleideten Närrinnen und Narren um die amtierende Stadtprinzessin Steffi II hatten sich mit ebendieser auf dem Europaplatz versammelt, um Bürgermeister Gottfried Störmer, Erstem Stadtrat Marius Schmidt und Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb den närrischen Kampf anzusagen. Aufgrund eines Lieferengpasses, so Sitzungspräsident Markus Gutschalk, mangele es an Munitionsnachschub für die sonst üblichen Waffen. Daher hatte man sich im Vorfeld auf die Verwendung alternativer Waffen geeinigt.
Kaum war das kommunale Dreigestirn auf dem Balkon des Stadthauses erschienen, hatte es sich einem Bombardement durch Konfetti-Kanonen zur Wehr zu setzen. Zunächst gelang die Abwehr, ebenfalls mit Konfetti-Kanonen, vorbildlich. Doch mit dem Einsatz von Luftschlangen-Bomben durch das in der Überzahl vorherrschende karnevalistische Heer mussten sich die Rathaus-Herrscher ihre Unterlegenheit eingestehen und den Rückzug antreten. Mit dem Schwenken der weißen Fahne signalisierte Störmer die Kapitulation.
In den Friedensverhandlungen vor dem Stadthaus einigte man sich auf die Übernahme des Stadthauses durch die Karnevalisten – symbolisch signalisiert durch die Übergabe des Schlüssels – mit der damit verbundenen Verantwortung. In schönstem, gereimten Lampertheimer Dialekt drückte Störmer zunächst seine Erleichterung über die Unversehrtheit aller Beteiligten aus und wird die verlorene Schlacht als Chance nutzen, sich in den Urlaub zu verabschieden, mahnte zuletzt aber noch „losst ma des Haus stehe!“ Daraufhin begann Marius Schmidt mit einer kurzen Einweisung, sprach von allerlei Aufgaben und Arbeitszeiten bis elf Uhr nachts. Korb überreichte in diesem Zuge allerlei Proviant an die Besatzer.
Markus Gutschalk ging in seiner Bekanntmachung nach dem Gefecht auf die pandemischen Bedingungen ein: „Wir passen uns an, nehmen mit was geht und machen das Beste daraus.“ Viel mehr bleibt einem auch nicht übrig, denn ab sofort hat man sich an die elf närrischen Paragrafen zu halten, die u. a. lauten: Corona habe genug regiert und werde abgesetzt, gegrüßt wird ab sofort nur noch mit „Helau“, das Ordnungsamt habe statt Strafzettel Gutscheine für die Lampertheimer Gastronomie zu verteilen und die Garderobe der Bürger müsse auf „bunt“ umgestellt werden. Paragraf elf stellte die Stadtprinzessin.
Mit Verkündung des unter Paragraf 11 stehenden Mottos der Stadtprinzessin das unter das 1 x 11. Jubiläum ihrer Vereinsmitgliedschaft fällt und zum Trinken, Lachen und Feiern auffordert, galten die Friedensverhandlungen als erfolgreich beendet und die Machtübernahme als besiegelt. Nadine Schütz
Beim Sturm auf das Rathaus wurden dieses Jahr zwar alternative, aber nicht weniger wirksame Geschütze aufgefahren. Foto: Nadine Schütz