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  • Do., 23. Februar 2017, 23:17 Uhr
    Bürgermeisterin schwenkte die weiße Fahne – der goldene Schlüssel der Stadt ging an die Narren

    Rathaussturm im Gegenwind

    Bürstadt als Hochburg des närrischen Humors hat einen märchenhaften Rathaussturm bekommen, der sich sehen lassen konnte. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT –  Im Märchenland rauschten die Bäume im Sturm, denn gerade rechtzeitig zum angesagten Rathaussturm der versammelten Bürstädter Narretei machte sich Tief Thomas über die Stadt her. Vor dem Rathaus spielten sich am Donnerstag märchenhafte Szenen ab, denn die Stadtverwaltung mit Bürgermeisterin Barbara Schader an der Spitze hatte sich auf den Rathaussturm gut vorbereitet. Prächtige und fantastische Kostüme, verblüffende Schminkkunst und eine zauberhafte Inszenierung des Rathaussturms bewiesen feinen Humor und ausgeprägte Selbstironie. Ein Märchenschloss war entstanden, im Brunnen wartete der Froschkönig auf den Kuss. Auch das Knusperhäuschen und der Backofen fehlten nicht. Alle waren sie zum Rathaussturm gekommen, Schneewittchen und die sieben Zwerge, Hänsel und Gretel, Rapunzel mit den langen Haaren und viele andere bekannte Figuren aus der Märchenwelt, die heute Morgen noch in den Rathausbüros ihrer Arbeit nachgegangen waren. Frau Holle hatte sich im Bürgermeisterbüro positioniert und schüttelte kräftig ihr Federkissen aus, Seifenblasen schwebten durch die Luft. Im Plüschsessel saß gemütlich der Märchenopa und las aus seinem großen Märchenbuch vor. Die Geschichte hatte das Motto „Die Hexe ruft laut ‚alla hopp!‘ – des ganze Märchenland steht Kopp“, aufgeführt von Mitarbeitern der Stadtverwaltung mit der Chefin, die das Märchenland mit Leben füllten. Von der anderen Seite waren die Bürstädter Fastnachtsvereine mit ihren Garden und Vereins-AG  zum Rathaus marschiert, angeführt vom Musikzug der Feuerwehren Bürstadt/Hofheim unter der Leitung von Erik Minnder. Die zum Spektakel eingeladene Bevölkerung säumte den Platz und wurde Zeuge eines spielerischen Kampfes um die Herrschaft im Rathaus. Auf Seiten der Narren war Präsidentin Sandra Beilstein Wortführerin der Unterstützer mit gereimter Rede, während sich die Gegenseite auf die Erzählung des gut informierten Märchenopas verließ. „Es war einmal im Märchenland ein kleines beschauliches Königreich“, begann seine Erzählung, „alles war schön und ruhig“. Zu ruhig, wie dunkle Gestalten meinten, „zu wenig Bewegung und zu wenig Power“. Mit einem alla hopp! war die Ruhe vorbei. „So ergeht es uns, misch iwwerkimmd in Schauer, vunn moiends bis oowends renn oanie do rumm, mid goanz schee Power“.

    Das Großaufgebot der Bürstädter Fastnachtsvereine und des Musikzuges der Feuerwehr Bürstadt/Hofheim verwandelte den grauen Tag in ein buntes Vergnügen. Foto: Hannelore Nowacki


    Die Hexe rief er mit „drei kräfdische Helau, Helau, Helau – Hex kumm raus aus deinem Bau“. Die gut gelaunte Hexe mit Katze und Gefolge betrat die Bühne begleitet von musikalischem Getöse, eingehüllt in Nebelschwaden. Eingeweihte wollen die Bürgermeisterin und Ersten Stadtrat Walter Wiedemann erkannt haben. Hexe und Stadtprinzessin Ann-Cathrin I. hatten im Kampf um das Rathaus drei Aufgaben zu bewältigen. Dem Froschkönig warfen sie gelbe Bälle zu, sie sortierten Bohnen und Linsen und zu guter Letzt musste ein Knusperhäuschen aus Lebkuchen gebaut werden. Stadtprinzessin Ann-Cathrin I. hatte als Baumeisterin eindeutig die Nase vorn und riss als strahlende Siegerin die Arme hoch. Die Zeit war reif, der Stadtprinzessin den goldenen Schlüssel zu übergeben – die Narren hatten wieder einmal gewonnen. In schönster Bäschdäder Mundart reimte Märchenopa Michael Molitor: „Isch koanns ned glaawe, bin konsterniert, mää henn verloare, die Prinzessin der Narren uns jedsd regiert“. Kaum war die Kapitulationsurkunde von beiden Seiten unterschrieben, verkündete die Regentin die neuen Regeln. In elf närrischen Paragrafen versprach sie den Bürgern alle Anträge bewilligen zu wollen, verlangte aber auch einiges. Entlang des Umzugsweges sollen die Anwohner ihre Häuser schmücken. Besonders liegt ihr der Verkauf der Umzugsanstecker am Herzen: „Net vergesse, Pins kaafe und Umzug laafe“. Die Stadtverwaltung verpflichtete sie zur sofortigen Aufforstung an der B 44 und B 47, um dort mit Gefolge wieder nächtigen zu können. Nachdem nun bis Aschermittwoch klar ist, wer in Bürstadt das Sagen hat, zog der Musikzug spielend ins Rathausfoyer ein, gefolgt von allen versammelten Narren, um den Anlass gebührend zu begießen. Hannelore Nowacki

     

     

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