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  • Di., 25. August 2020, 07:51 Uhr
    16. Lampertheimer Orgelsommer 2020 mit Carmenio Ferrulli aus Mannheim

    Reichhaltige Dissonanzen im Einklang mit düsterer Schwermut

    Carmenio Ferrulli, Kantor an der Mannheimer Christuskirche und Assistent des Landeskantors von Nordbaden, wirkte nach seinem Studium der Kirchenmusik, der Musikwissenschaft, Philosophie und Germanistik als Organist an mehreren Kirchen und leitet den Konzertchor Langen. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Mozart und Trauer? Das Publikum in der Domkirche hörte am Sonntag beim Orgelsommer mit Organist Carmenio Ferrulli ein Orgelwerk von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), das er für einen selbstspielenden Automaten mit kleinen Orgelpfeifen geschrieben hatte. Eine solche Flötenuhr stand in einem „Mausoleum“ in Wien, das dem Andenken des 1790 verstorbenen kaiserlichen Feldmarschalls Gideon Freiherr von Laudon gewidmet war, eine Fantasie in f-Moll, die dank des energisch voraneilenden Mittelteils in Allegro als Hommage an das Wirken des Feldmarschalls nur zu Beginn am Ende dunkle Trauer trug. Ein besonderes Hörerlebnis zu Beginn seines außergewöhnlichen Programms, das der Kantor an der Mannheimer Christuskirche Carmenio Ferrulli für den Orgelsommer zusammengestellt hatte, den Kantorin Heike Ittmann zum 16. Mal erfolgreich organisierte, auch in Coronazeiten. Wuchtige Töne in reichhaltigen Dissonanzen nahmen den Kirchenraum ein, verlangten der Vleugels-Orgel die tiefsten Bässe ab und ließen sie in den höchsten Tönen aufschreien, eine Tonsprache, die nicht kalt lässt. Auf Mozart folgte ein Adagio As-Dur von Marianne Auenbrugger (1759-1782), eine Wiener Komponistin, die in Wien als Pianistin hoch angesehen war, jedoch schon mit 23 Jahren an der Schwindsucht verstarb. In Mannheim wirkte Arno Landmann (1887-1966) seit 1911 als Organist in der Christuskirche an der gerade fertiggestellten Steinmeyer-Orgel, als „Mannheimer Wunderwerk“ bezeichnet, die auch Heike Ittmann vor ihrer Anstellung als Kantorin an der Domkirche gespielt hat. Als Komponist zeichnete sich Arno Landmann durch seinen Dissonanzenreichtum aus, seinen Lehrer Max Reger noch übertreffend. Darauf wies Carmino Ferrulli in seinen detailreichen  Informationen für die Konzertbesucher dankenswerter Weise hin, wohl um das zu erwartende Hörerlebnis in seiner besonderen Klangsprache schätzen zu können. Interessant auch die Lebensläufe und historischen Erläuterungen, mit denen Ferrulli die Konzertbesucher in diesem Faltblatt verwöhnte. Als Schüler von Max Reger galt Landmann als Ausnahmetalent und Orgelvirtuose. Seine Komposition, Variationen über den Choral „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, wurde 1924 uraufgeführt. Wie Ferrulli schreibt, hatte Landmann zum besseren Verständnis seiner neun Variationen selbst Hinweise drucken lassen. Eine „gewaltige düstere Introduktion“ war den Variationen vorangestellt, wovon sich die Konzertbesucher in der Domkirche überzeugen konnten. Musikalisch fühlbar gemacht hat Landmann die Leidensgeschichte Jesu bis hin zum tröstlichen Ausruf „Gottlob! Der Weg ist nun gebahnet mein Jesu gehet selbst voran“. Mit Johanna Senfter (1879-1961) hatte Ferrulli eine zweite Komponistin im Programm, auch sie eine Schülerin von Max Reger, seine beste, wie er gesagt haben soll. 1921 gründete sie in ihrem Geburtsort Oppenheim einen Musikverein und zwei Jahre später einen Bachverein. Ferrulli hatte das Choralvorspiel über „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ und die Fantasie und Fuge über „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ für den Orgelsommer ausgesucht. Dem Publikum kamen ganz leise düsteres Moll, schaurige Dissonanzen und dunkle Stimmungen zu Gehör, am Schluss ein grandioses Strahlen. Am Ende des gut einstündigen Konzerts spielte Ferrulli ein Werk von Max Reger (1873-1916).  Nachdenkliche Stimmungen rollten ins Ohr, eine gewisse Heiterkeit wurde spürbar, am Schluss ein großes, erhebendes Klangspiel. Als Zugabe nach großem Applaus spielte  Ferrulli die friedlich anmutende Variation 4 aus Arno Landmanns Orgelvariationen, um dann noch einmal Applaus zu erhalten. Als „König der Instrumente“ hatte Mozart die Orgel geschätzt und in vielen Städten gespielt, auch Mannheim hatte er besucht, wie Ferrulli schreibt. Am nächsten Sonntag wird Heike Ittmann mit Rüdiger Kurz (Trompete) aus Mannheim den Orgelsommer 2020 unter dem Motto „Komponistinnen“ mit ihrem Konzert beenden. Hannelore Nowacki

     

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