„Wegwerfen? Denkste?“ - 2. Repair-Cafe der Jusos Ried im Mehrwertladen fand großen Anklang
Reparieren und aufheben statt wegwerfen
Die Initiatoren des zweiten Repair-Cafes im Mehrwertladen in der Kaiserstraße: Marius Schmidt (Vorsitzender der Jusos Ried), Otto Edinger (Edingershops und Geschäftsinhaber Mehrwertladen), Juso-Mitglieder Larah Strubel, Maximilian Rühl und Christine Herbold, Enzo Macchiarolo und Gabriella Huy (v.l.) sowie Michelle Jakubik (vorne) Foto: Sigrid Samson
LAMPERTHEIM – Unsere heutige Gesellschaft ist durchaus geprägt von einer Wegwerfmentalität, das heißt von einer Mentalität des schnellen Konsumierens und mit verschwenderischem Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Energie oder Material, was auch mit steigender Umweltverschmutzung einhergeht. Ebenso vernachlässigt diese Mentalität das sorgsame Pflegen und Instandhalten von Objekten. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, haben sich die Jusos Ried etwas einfallen lassen und gemeinsam mit dem Lampertheimer Geschäftsinhaber Otto Edinger und seinem Sohn Mario von Edingershops realisiert. Das bereits im September letzten Jahres durchgeführte Repair-Cafe war so erfolgreich, dass es nun am vergangenen Samstag eine zweite Auflage der Veranstaltung gab.
Die Nachfrage war diesmal noch höher als beim letzten Mal, berichtete Marius Schmidt, Vorsitzender der Jusos Ried, gegenüber dem TIP. „Der Mehrwertladen ist ein kleiner Treffpunkt geworden, was auch zur Belebung der Innenstadt beiträgt“ fügte Marius Schmidt hinzu, der gleichzeitig erklärte, dass die Lokalität für die Veranstaltung aus diesem Grund bewusst in der Kernstadt gewählt wurde. Otto Edinger stellte die Räumlichkeiten seines Geschäfts zur Verfügung und spendete den Kaffee für alle Anwesenden. Zahlreiche Freiwillige waren gemeinsam mit den Jusos im Einsatz. Das Repair-Cafe funktioniert auf Spendenbasis: „Wer etwas repariert bekommt, spendet freiwillig“ erklärte Marius Schmidt. Die Hilfe zur Selbsthilfe steht hierbei im Vordergrund. Die Beteiligten profitieren von gegenseitigen Tipps und über den gemeinsamen Austausch können immer wieder neue Kontakte entstehen.
Martin Hertel aus Lampertheim übernahm Reparaturen im Bereich Smartphones, während Ghader aus dem Irak gemeinsam mit Ali, beides Flüchtlinge, die mittlerweile in Lampertheim wohnhaft sind, elektrotechnische Kleingeräte unter die Lupe nahmen und sich um das Reparieren defekter Gegenstände von Besuchern kümmerten. So konnte unter anderem der Akku-Handstaubsauger einer Besucherin von Martin und Christian Hertel repariert werden, ebenso eine Brotmaschine. Michelle Jakubik von den Jusos war im Textilbereich gerne beim Nähen behilflich, wenn es beispielsweise um ein gerissenes Kleid oder Reißverschlüsse ging. Michael Schmidt, Onkel von Marius, nahm sich der Reparaturen im Computerbereich an. Um Fahrradreparaturen für jedermann im Außenbereich des Mehrwertladens kümmerte sich Dieter Graef, der aktiv in der Flüchtlingshilfe tätig ist. Gabriella Huy vom Café am Stadtpark sorgte gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Enzo Macchiarolo für das leibliche Wohl der Gäste und bot kostengünstig leckere selbstgebackene Waffeln an. Besucherin Annabelle Klotz brachte ihre Singer-Nähmaschine zum Reparieren mit. Sie erzählte, dass sie das Repair-Cafe in der Stadt Bensheim kennengerlernt hatte. „Das sollte es auch in Lampertheim öfters geben“ ergänzte sie, die sich deutlich gegen die Wegwerfkultur aussprach und es toll fand, dass sich so viele ehrenamtliche Helfer zum Mitwirken gefunden haben - „eine super Idee“.
Monika Karb, Foodsharing-Botschafterin für Lampertheim, war bereits zum zweiten mal mit ihrem Infostand dabei und verteilte gemeinsam mit Botschafterinnen der Bezirke Biblis und Weinheim/Viernheim kostenlos Nahrungsmittel, die aus Beständen von Supermärkten, Bäckereien, der Gastronomie oder anderen Lebensmittelbetrieben stammen, die aussortiert und nicht mehr verkaufbar sind. Das Foodsharing-Netzwerk von Freiwilligen hat hierzu feste Kooperationen aufgebaut und sammelt regelmäßig die noch genießbaren Produkte ein, die ansonsten im Müll landen würden. Ein Großteil der geretteten Lebensmittel wird von den Foodsavern an Freunde, Nachbarn, Vereine, Suppenküchen, Tafeln und über das bestehende Netzwerk verteilt. Bedürftigkeit hat bei der Verteilung keine Priorität – wichtig ist, dass die Lebensmittel nicht in der Tonne landen. In den Genuss kommen neben Flüchtlingen auch Rentner, Alleinerziehende oder Arbeitslose, aber auch Menschen, die kein Problem damit haben, dass die Waren kleine Mängel aufweisen oder das Haltbarkeitsdatum bald ausläuft – denn sehr oft sind die Produkte noch lange über das Mindeshaltbarkeitsdatum hinaus verzehrbar. Die lebensmittelrettende Foodsharing-Initiative Lampertheim besteht derzeit aus 13 aktiven Ehrenamtlichen, die innerhalb von 18 Monaten ca. 3700 Kilogramm Lebensmittel in der Region gerettet haben.
Wichtig ist laut Karb zu erwähnen, dass die Initiative keineswegs in Konkurrenz zur Tafel agiert. Diese habe grundsätzlich Vorrang und die Arbeit der Foodsaver ist eher eine Ergänzung dazu – darüber hinaus bestehen auch bereits Kooperationen mit dem Bundesverband Deutsche Tafel. Wer Interesse hat, hier mitzuhelfen oder gerettete Lebensmittel abnehmen möchte, kann sich einfach bei www.foodsharing.de anmelden oder eine Mail an lampertheim@lebensmittelretten.de wenden.
Die Initiatoren des zweiten Repair-Cafes konnten sich über eine rundum gelungene Veranstaltung freuen - es werden noch freiwillige Helfer für künftige Repair-Cafes gesucht: jeder, der in irgendeiner Form beim Reparieren defekter Gegenstände behilflich sein kann, ist herzlich willkommen und kann sich an verkaufla@edingershops.de oder info@jusosried.de wenden. Sigrid Samson