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  • Do., 23. April 2015, 10:05 Uhr
    Lampertheimerin fährt vom 25. bis 27. Juni zum Bundesfinale / Interview mit dem TIP

    Ronja Wosch debattiert sich nach Berlin

    Fährt zum Bundesentscheid von Jugend debattiert: Ronja Wosch. Foto: Benjamin Kloos


    LAMPERTHEIM - „Jugend debattiert – weil Kontroversen lohnen" - unter diesem Motto haben sich rund 22.325 Schüler in 109 Schulen im laufenden Schuljahr in Hessen im Rahmen einer Unterrichtsreihe an “Jugend debattiert” beteiligt. Wettbewerbe fanden zuvor bereits auf Schul- und Regionalebene statt, jetzt folgte der hessische Landesentscheid. Der TIP sprach mit Ronja Wosch, 16-jährige Schülerin des Lessing-Gymnasiums (LGL) aus Lampertheim, die bereits zum zweiten Mal erfolgreich an dieser Reihe teilnahm.

    Frau Wosch, Sie haben beim Landesfinale „Jugend debattiert" den zweiten Platz belegt und sich damit erfolgreich für die Bundesebene des Wettbewerbes qualifiziert. Herzlichen Glückwunsch zu dieser außergewöhnlichen Leistung! Wie kamen Sie zur Teilnahme an diesem Wettbewerb?

    Vor drei Jahren wurde am LGL die AG “Jugend debattiert” ins Leben gerufen. Meine damalige Deutschlehrerin Anna Wössner hat mich angesprochen und mich überzeugt mitzumachen - und so bin ich dabei geblieben. Bereits vor zwei Jahren habe ich in der Sekundarstufe I bei “Jugend debattiert” teilgenommen und bin in Berlin 7. geworden. Ich habe damals ganz knapp ein zusätzliches Siegerseminar für die besten Sechs verfehlt.

    Im letztem Jahr habe ich ausgesetzt, um die Jurorenausbildung für “Jugend debattiert” zu machen. Es war sehr interessant zu sehen, auf was Juroren achten und ich konnte gut nachvollziehen, was man noch verbessern kann.

    In diesem Jahr gehe ich wieder mit Spaß an die Sache heran und schaue, wohin mich der Weg führt. Ich habe Freude an den Debatten und sehe “Jugend debattiert” deshalb weniger wettbewerbsorientiert.

    Wie lange hatten Sie vor dem Landesfinale Zeit zur Vorbereitung?

    Wir bekommen immer zehn Tage vor dem Wettbewerb die Fragen für jeweils zwei Themen zugeschickt. Dabei muss man sich bei allen Themen auf beide Seiten - Pro und Contra - vorbereiten, da erst am Wettbewerbstag ausgelost wird, wer welche Position vertritt. Für das Bundesfinale in Berlin müssen sogar drei Themen vorbereitet werden, da dort zunächst ein Vorentscheid und anschließend das Finale der besten Vier ansteht.

    Ich bin jemand, der sich gerne vorbereitet, das gibt mir das Gefühl der Sicherheit, man kann fundierter argumentieren. Im Vorfeld der Debatte rufe ich bei Bedarf auch Experten (z.B. Anwälte) an, um mich über die aktuelle Rechtslage in den jeweiligen Themen zu informieren. Neben Hobbys und anderen Verpflichtungen wie der Schule ist das natürlich viel, aber solange es Spaß macht, ist es die Mühe auch wert.

    Wie hieß das diesjährige Thema? Was verbindet Sie persönlich damit?

    Das Thema lautete, ob Jugendliche ab 16 auf Landes- oder Kommunalebene wählen dürfen. Ich habe hier die erste der beiden Contrapositionen, die gleichwertig sind, vertreten. Diese werden meistens ausgelost. Eigentlich bin ich zu diesem Thema unentschlossen, denn es gibt für beide Seiten gute Argumente.

    Beim Entscheid in Hessen Süd war mein Thema die Einführung einer Vorratsdatenspeicherung in Deutschland. Es ist einfach spannend, über aktuelle Themen zu debattieren und sich über diese so noch einmal selbst eine eigene Meinung bilden zu können.

    Die Debatte des Hessenentscheids fand im hessischen Landtag statt, leider nicht im Plenarsaal,  aber ich war vorher noch nie im hessischen Landtag und so war es ein sehr spannendes Erlebnis für mich - auch weil ich Menschen kennen lernen durfte, die ich als Schülerin sonst nicht einfach so treffen würde, wie beispielsweise den Landtagspräsidenten.

    Vertraten bei der Debatte der Sekundarstufe II beim Landesignale Hessen die Contra-Position: Ronja Wosch aus Lampertheim sowie Lisa Kortüm. Foto: Jugend debattiert


    Was ist bei der Debatte besonders wichtig?

    Natürlich gibt es klare Verhaltensregeln: Kein gegenseitiges Unterbrechen, kurze Redebeiträge. Für die Eröffnungsrede stehen je zwei Minuten Sprechzeit zur Verfügung, dann folgt die freie Aussprache und  zur Bekräftigung der Argumente das einminütige Schlusswort.

    Bewertet werden Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft. Das Thema sollte von zwei Seiten beleuchtet werden, hierzu ist eben Teamarbeit besonders wichtig, um die Debatte vielschichtiger zu gestalten. Wer denkt, er käme mit Egoismus weit, liegt falsch.

    Wie geht Ihr Weg weiter, wann findet das Bundesfinale statt?

    Vom 10. bis 14. Juni findet für alle Landesfinalisten ein fünftägiges Seminar mit Rhetoriktraining statt. Vom 25. bis 27. Juni geht es schließlich nach Berlin zur Qualifikation und dem anschließenden Finale.

    Unterstützt Sie das LGL? Wo finden Sie noch Unterstützung?

    Ja, sehr! Die Lehrer fahren mit auf die Entscheide, vor zwei Jahren waren beide mit in Berlin dabei, und ich hoffe, dass es auch dieses Jahr wieder so sein wird. Anna Wössner, Leiterin der AG “Jugend debattiert” der Sekundarstufe I, hat mich sozusagen vor zwei Jahren angesteckt. Martin Lentzen, AG-Leiter der Sekundarstufe II, unterstützt mich ebenfalls sehr.

    Meine Eltern würden zudem gerne im Sommer mit nach Berlin reisen. Im Landtag waren aber auch schon Verwandte mit dabei. Es ist einfach schön, diese Unterstützung zu haben. Und meine Lehrer sind sehr verständnisoll, wenn ich fehle und den Unterrichtsstoff nachholen muss.

    Wie ist Ihre Einstellung/Vorbereitung zu dem Wettbewerb?

    Ich war lange in der Schülervertretung aktiv, dort konnte ich viel Erfahrung mit dem Reden vor Menschen sammeln.  Eine Grundaufregung ist immer noch vorhanden, aber nicht mehr die typische Nervosität mit Händezittern und ähnlichem. Vielmehr ist es intensive Konzentration statt Aufregung. Diese Sicherheit überträgt sich auch auf Schule und den Unterricht.

    Haben Sie Tipps, die anderen eventuell zu einer guten Debatte helfen könnten?

    Zum einen finde ich Gemeinschaftsdenken von großer Bedeutung. Wer nur auf seinen Standpunkt beharrt wird keinen Erfolg haben. Langsames und deutliches Sprechen ist sehr wichtig. Man muss bei den Zuhörern ein Bild im Kopf entstehen lassen. Wichtig ist auch der persönliche Bezug: Bei der Debatte über das Wahlrecht für Jugendliche habe ich gedacht:„Das betrifft mich doch auch und sollte nicht nur in der Politik diskutiert werden.” Und ein Tipp bei Aufregung: Tief durchatmen und versuchen, sich zu entspannen!

    Was haben Sie bei den Debatten gelernt?

    Selbstsicherheit und den Anreiz, sich über politische Themen zu informieren. Außerdem, die Meinung anderer zu akzeptieren und sich in deren Lage hineinzuversetzen- da man in einer Debatte nicht immer seinen ganz persönlichen Standpunkt vertreten wird.

    Würden Sie noch einmal an Jugend debattiert teilnehmen?

    Prinzipiell kann man immer wieder daran teilnehmen, so lange man nicht einen Platz unter den besten sechs Schülern bundesweit belegt. Ich bin jetzt in Jahrgangsstufe 11 und mache im nächsten Jahr Abitur. Wenn die Debatten anstehen, bin ich mitten in der schriftlichen Abiturphase. Ich bin gespannt auf Berlin und werde sehen was sich ergibt.

    Was möchten Sie anderen Schülern, die in den kommenden Jahren an diesem Wettbewerb teilnehmen möchten, mit auf den Weg geben?

    Mitmachen ist alles! Man kann es immer probieren. Ich bin damals aus Interesse und Neugier in die AG gegangen, und nicht um nach Berlin zu fahren. Zudem kann ich es jedem empfehlen, der gerne debattiert und sich politisch etwas interessiert. Die Erfahrungen, die man sammelt, sind Gold wert.

    Vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Benjamin Kloos.

    Das TIP-Team wünscht Ronja Wosch viel Erfolg in Berlin und alles Gute für die Zukunft!

    Info:

    Mit Jugend debattiert wollen die beteiligten Stiftungen Schüler aller Schularten ab Klasse 5 ermutigen, durch Debattentraining ihre sprachliche, politische und persönliche Bildung zu verbessern.Jugend debattiert wird organisiert von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung auf Initiative und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Projektpartner sind die Robert Bosch Stiftung, die Stiftung Mercator und die Heinz Nixdorf Stiftung. Kooperationspartner sind die Kultusministerkonferenz, die Kultusministerien und die Parlamente der Länder. Das Format fängt in der Schule mit einem Schulwettbewerb an, dann folgt die Ausscheidung auf Kreisebene in Bensheim, bevor der Entscheid in Hessen Süd, dann in Hessen und schließlich auf Bundesebene ansteht. Es qualifizieren sich immer die beiden Besten der jeweiligen Sekundarstufe für die nächste Runde - mit Ausnahme des Finales, in dem am Ende vier Schüler stehen.

     

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