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Mo., 19. Oktober 2020, 09:03 Uhr
BEEINDRUCKENDER VORTRAG: Jürgen Haist berichtete über Lage nach Erdbeben
Rotary Club unterstützt Schulaufbau in Ecuador
Eindrucksvolle Bilder zu seinem Vortrag zeigte Jürgen Haist den Mitgliedern des Rotary Clubs. Der ehemalige Schulleiter des Lessings-Gymnasiums ist seit 2013 Leiter der deutschen Schule in Quito und organisierte nach dem Erdbeben einen Schulneubau in Ecuador. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Zum Meeting des Rotary Clubs Lampertheim im Restaurant „Darmstädter Hof“ hatten sich zur Freude von Rotarier-Präsident Gottfried Störmer die Teilnehmer erstaunlich zahlreich eingefunden, weitere Teilnehmer hatten sich digital über Zoom zugeschaltet. Störmer stellte den Gast aus Ecuador vor, der in Lampertheim vielen nach wie vor bekannt und als ehemaliger Leiter des Lessing-Gymnasiums ein Begriff ist. Haist hatte 2013 als Leiter der deutschen Schule in Quito, der 2.800 Meter hoch gelegenenHauptstadt Ecuadors, eine neue Aufgabe übernommen und dort 2016 das Erdbeben selbst miterlebt, das jedoch an der Küste des lateinamerikanischen Andenstaates wesentlich stärker ausfiel als in der Hauptstadt. Erlebt habe er, wie Betonmasten sich wie Strohhalme bogen. In seinem Vortrag, den er mit eindrucksvollen Bildern von der Schönheit des Landes, von den Zerstörungen durch das Erdbeben und vom Wiederaufbau einer Schule in einem Dorf in der Küstenregion unterlegte, berichtete er von den unerwarteten Schwierigkeiten, die ihm bei der Hilfsaktion zum Schulneubau begegneten. Etwa viereinhalb Autostunden über die Anden hinweg ist der kleine Ort von Quito entfernt, in dem jetzt der neue Schulkomplex steht.
Mit 600 Toten sei die Küstenregion besonders vom Erdbeben betroffen gewesen, die dortige Schule „Mariscal Sucre“ in schwerer zweigeschossiger Betonbauweise war eingestürzt. Die neue Schule mit Platz für über 200 Schüler, unterrichtet von 16 Lehrkräften, wurde nur eingeschossig in flexibler leichter Konstruktion mit Stahlträgern und Seilen errichtet. Insgesamt seien 800.000 US-Dollar investiert worden. In der Schulküche werden im Sinne von Nachhaltigkeit Milchprodukte hergestellt. Die Tische und Stühle aus Holz wurden aus Deutschland importiert, was durch die Zollfreiheit für die deutsche Schule begünstigt war. Zur Einweihung war die Erziehungsministerin gekommen. Bildung werde in Ecuador wertgeschätzt, erklärte Haist, jedoch nicht finanziert. An seiner deutschen Schule in Quito zahlen die Eltern Schulgeld, ein Drittel des Haushalts komme aus Deutschland. Andererseits sei Deutschland in Hinsicht auf digitalen Unterricht im Vergleich ein absolutes Entwicklungsland.
Die deutsche Schule mit einer großen Schulgemeinde von 5.000 Ehemaligen hatte für 50 Tonnen Lebensmittel für die Erdbebenopfer gespendet. 560 Schulen seien durch das Erdbeben zerstört worden. An dieser Schule im Dorf La Codicia sei ihm das Engagement aufgefallen, mit dem trotz Zerstörung weitergemacht worden sei – unter Zeltplanen, in Gärten und provisorischen Räumen wurde unterrichtet. Unter dem Motto „Schule hilft Schule“ wurde das Projekt begonnen, das von einem Schweizer Baukonzern unterstützt und durch Spenden aus Deutschland vom Rotary Club und Lionsclub finanziert wurde. Auch vor Ort sei gesammelt worden. Befestigte Straßen gebe es dort nicht, die Schüler kommen zu Fuß, zu Pferd oder werden mit Pickups gebracht. Busse gebe es in dieser ländlichen Region nicht. Die Spende der Rotarier in Höhe von 500 Euro sei bereits überwiesen, teilte Störmer mit. Hannelore Nowacki