68. Kraftwerksgespräch Biblis: „Wir wollen uns gegenüber der Bevölkerung öffnen“
Rückbauvorbereitende Maßnahmen laufen
Kraftwerksleiter Horst Kemmeter gab einen ausführlichen Überblick über die aktuellen Maßnahmen und das Geschehen im Kraftwerk. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – Das Interesse am jährlichen Kraftwerksgespräch im Informationszentrum des stillgelegten Kraftwerks Biblis ist ungebrochen. Der Einladung zur 68. Folge am Dienstagabend waren etwa 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gefolgt – unter ihnen der Bibliser Bürgermeister Felix Kusicka, der Wormser Oberbürgermeister sowie die Bürgermeister von Hamm und Groß-Rohrheim. Kraftwerksleiter Horst Kemmeter präsentierte den Zuhörern detaillierte Zahlen, Fakten und Erläuterungen zu den Themen nicht abgeschlossenes Genehmigungsverfahren für die Stilllegung und den Abbau, erklärte die Umrüstung der betrieblichen Energieversorgung zur Optimierung des Nachbetriebs und bezifferte die Kosten für diese Maßnahmen. Der bebilderte Vortrag gab einen Eindruck vom Zwischenlager mit freistehender Mauer und den Abbaumaßnahmen in den nicht radioaktiven Anlagen. Mit dem Ziel, die verschiedenen regionalen Interessengruppen zukünftig noch transparenter über die Abbauplanung und die Abläufe zu informieren, wird RWE Power zielgruppenspezifisch aufbereitete Informationen zur Verfügung stellen. Eine erste Veranstaltung im Rahmen dieser Informationsinitiative „KW Biblis transparent!“ findet zum Thema „Freimessen und Materialien“ statt. Eine Ausstellung im Bibliser Bürgerzentrum zum Thema „Abbau“ für alle interessierten Bürger bietet das Kraftwerk am Samstag, 28. März von 10 bis 16 Uhr an. Kraftwerksmitarbeiter führen die Besucher in die Thematik ein und stehen für vertiefende Fragen und Gespräche zur Verfügung. „Was passiert mit den Brennelementen“ ist das Thema bei der Veranstaltung am 9. April von 17 bis 19 Uhr im Informationszentrum des Kraftwerks mit Besichtigung des Standortzwischenlagers. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl wird um Anmeldung gebeten. „Wir wollen uns gegenüber der Bevölkerung öffnen“, erklärte Kemmeter und wies auch auf das Informationsforum hin, das dreimal jährlich im Bürgerzentrum tagt.
Unter den etwa 100 Gästen war die Lokalpolitik stark vertreten (2. von vorne Bürgermeister Felix Kusicka). Foto: Hannelore Nowacki
Auch auf der Internetseite www.kreis-bergstraße.de seien Informationen für die Bürger zugänglich. Zunächst jedoch ging es im Vortrag um die Sicherheit, die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter. Nachdem die Gäste erfahren hatten, wo sie die Notausgänge finden und dass auf dem Heimweg auf Wildwechsel zu achten sei, berichtete Kemmeter von der im Wesentlichen erfolgreichen Unfallverhütung. Der Personalabbau solle auch weiterhin sozialverträglich gestaltet werden. Aktuell sind von ursprünglich 700 RWE-Mitarbeitern noch etwa 400 Mitarbeiter am Standort beschäftigt. Spezialisten für den Abbau werden nach Bedarf hinzugezogen. Als Beispiel für die anstehenden rückbauvorbereitenden Maßnahmen nannte Kemmeter die im November 2014 in Betrieb gesetzte Freimessanlage. Ein Programm für die Dekontamination von ausgebauten Anlagenteilen in Block A ist in Planung. Ein Reststoffverfolgungsprogramm (RVP) sei bereits etabliert. Um nach einer Genehmigung die Brennstofffreiheit zu erreichen, stehen bereits alle erforderlichen 51 Castoren für die Ausladung eines kompletten Blocks bereit. Nach Plan soll Block B Ende 2017 brennstofffrei sein. Sogenannte Mosaikbehälter für hochradioaktive Abfälle aus Leistungsbetrieb und Abbau kommen ins Zwischenlager. „Die Grube Konrad ist für Großkomponenten und hochradioaktive Stoffe dringend notwendig“, sagte Kemmeter und stellte klar: „Kein Fass gammelt bei uns vor sich hin, beschädigte Fässer werden in größere Fässer umgepackt. Mangels anderer Vorschriften müssen die aktuellen meldepflichtigen Ereignisse nach dem Atomgesetz wie im Leistungsbetrieb erfolgen, erklärte Kemmeter. Die Rückbau vorbereitenden Maßnahmen seien mit der Behörde abgestimmt. „Wir liegen gut im Zeitplan“, teilte Kemmeter mit. Das treffe auch auf die Behörde zu. Katrin Hertkorn-Kiefer, im Projekt zur Nachbetriebs- und Stilllegungsplanung für die Genehmigungsverfahren zuständig, informierte die Gäste im Detail über den Status und die anstehenden Meilensteine im Verfahren. Gastreferent Volker Heck stellte den Gästen die von RWE in Auftrag gegebene Studie „Standort Zukunft“ vor, die Einstellungen und Haltungen der „Generation um die 30“ erforschte. Hannelore Nowacki