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  • Mo., 08. Mai 2023, 11:52 Uhr
    KAMÜ-EINWEIHUNG: Aus altem Getreidespeicher ist Kultur am Übergang am Bürstädter Bahnhof geworden

    Rüdiger und Stefanie Engert haben ihr Herzensprojekt verwirklicht

    Rüdiger und Stefanie Engert mit Yvonne Hotz im Gespräch. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – KamÜ bringt die Menschen zusammen, das zeigte sich am Abend der offiziellen Einweihung und zwei Tage später am Sonntag beim Tag der offenen Tür, als zahlreiche Besucher das neue Zentrum der kulturellen Begegnung in Bürstadt vom Keller bis zum Dachgeschoss in Augenschein nahmen und sich vom Programm begeistern ließen. Durch die großen Fenster sind die Räume mit der Umgebung verbunden, der Ausblick nach draußen geht zum Bahnhof mit den Gleisen der Nibelungenbahn von Worms nach Bensheim und auf der anderen Seite zur Industriestraße. Mittendrin im Bürstädter Leben ist man hier und doch dank bester Dämmung völlig ungestört. Die KamÜ-Adresse Industriestraße 11 vereint bereits jetzt wie geplant viele Lebensbereiche – die Kultur mit Kunst, Bildung, Gesundheit, Raum für Arbeit und Begegnung bei Vorträgen, Ausstellungen und Firmenveranstaltungen und vieles mehr. Schon seit einigen Wochen werden die Räumlichkeiten genutzt, unter anderem hält die Kreisvolkshochschule Kurse ab, Stefanie Engert bietet Yoga-Kurse an und Bürstadt Furniture hat eine Firmenveranstaltung durchgeführt. Aktuell stellen mehrere Künstler ihre Bilder und Skulpturen aus. Grafikdesigner Ralf Löhr hat sein Atelier unter dem eindrucksvollen alten Dachgebälk bezogen, seine Bilder umrahmten die Bühne, die dort zur Einweihungsfeier aufgebaut war. Rüdiger und Stefanie Engert hatten am Freitagabend unzählige Hände zu schütteln, die Gäste gratulierten ihnen herzlich, auch mit Umarmungen und Geschenken zur Eröffnung ihres Herzensprojekts. Gäste aus Politik und Wirtschaft, von den am Umbau beteiligten Firmen, Familie und Freunde waren gekommen. Als Moderatorin und Unterhaltungskünstlerin führte die bekennende Bürstädterin Yvonne Hotz höchst unterhaltsam, witzig und informativ durch das Einweihungsprogramm. Ein Film zur Familiengeschichte mit dem alten Getreidespeicher zeigte wie es früher war. Die filmische Führung mit Jonathan zeigte auf besondere Weise aus kindlicher Sicht worauf es bei KamÜ ankommt. Beim lustigen Ratespiel unter Anleitung von Yvonne Hotz ging es um die Kunst der Pantomime, der sich die Bühnengäste unterzogen. Mit dem Trinkspruch aus dem Musical „König der Löwen“ ließ es Hotz gemeinsam mit dem Publikum unter dem Motto „Lasst uns feiern!“ krachen – die geleerten Trinkgläschen durften schwungvoll über die Schulter geworfen werden. Wer die alten Hallen noch in ihrem Urzustand kannte, konnte ermessen, welche Leistungen für die Neugestaltung erbracht wurden – entstanden ist ein Haus der Begegnung zum Wohlfühlen mit ansprechender und funktionaler Innenausstattung. „KamÜ ist ein ganz großer Gewinn für Bürstadt und bereichert den Kreis Bergstraße“, sagte Kreisbeigeordneter Matthias Schimpf, der dem Ehepaar Engert im Namen des Landrats gratulierte. Gut finde er, dass ein Stück Geschichte der Stadt Bürstadt erhalten bleibt, das sei nur mit Beharrlichkeit, Überwindung von Widerständen und mit Hilfe von Mitstreitern möglich gewesen, um dann die Politik zu überzeugen. Rüdiger Engert habe andere mit seiner Leidenschaft für den Erhalt der Hallen angesteckt, meinte Bürgermeisterin Barbara Schader. „Ohne diese Emotionen wären wir nicht hier“.

    Das KamÜ ist auch Familiengeschichte. Am Ende der Einweihungsfeier vor der Bühne: Rüdiger und Stefanie Engert mit Kindern, Mutter Engert und Geschwistern. Foto:  Hannelore Nowacki


    Das Publikum bestätigte dies mit großem Applaus. „Ich bin unsagbar glücklich“, sagte Schader strahlend. Überzeugt wurde die Politik samt Ministerium, schließlich habe es 70.000 Euro aus EFRE-Mitteln (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) gegeben. Schader zeigte sich überzeugt: „Wenn viele gemeinsam träumen, ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit – Rüdiger, herzlichen Dank, euch alles Gute“. Die Leiterin der Kreisvolkshochschule Iris Hoch meinte, dass anspruchsvolle Dinge schöne Räume brauchen. Als Erfinder des Namens KamÜ gilt Professor Thomas Hensel, der Kunst und Designtheorie lehrt und dabei an den Schriftsteller Albert Camus als Namenspaten dachte. Als Camus vor fast 70 Jahren den Literaturnobelpreis erhielt, habe er in Stockholm gesagt, die Kunst sei ein Mittel, die größtmögliche Zahl von Menschen anzurühren und zu verbinden. Künstler brauchen Räume mit Atmosphäre und Bindungen von Dauer, sagte Bernd Kalusche, das Projekt habe er aus vollem Herzen unterstützt. Bürstadt werde von anderen Städten beneidet werden. Hannelore Nowacki

     

     

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